Kommentar zu Xavier Naidoo: Warum sein Skandal-Video rechte Propaganda ist

Unser Redakteur Florian Gürtler kommt zu dem Schluss: Das Video mit dem Song "Ihr seid verloren" von Xavier Naidoo bedient und transportiert rassistische Vorstellungen und ist daher rechte Propaganda.

Sänger und Ex-DSDS-Juror Xavier Naidoo (48) steht zurzeit im Kreuzfeuer der Kritik. Zahlreiche Menschen werfen ihm Rassismus vor, andere wie die Rapperin Sabrina Setlur (46) verteidigen den Musiker. Doch die Kritik an dem Skandal-Video des Sängers ist gerechtfertigt.

Das Bild zeigt einen Screenshot aus dem Skandal-Video von Xavier Naidoo.
Das Bild zeigt einen Screenshot aus dem Skandal-Video von Xavier Naidoo.  © Screenshot/twitter

Dabei muss zunächst gesagt werden: Tatsächlich ist der Wortlaut des kurzen Songs "Ihr seid verloren" streng genommen nicht rassistisch. Mit keinem Wort werden in dem Text Flüchtlinge oder Migranten erwähnt. Das ist aber auch nicht nötig.

Denn Xavier Naidoo ist diesbezüglich alles andere als ein unbeschriebenes Blatt. Der 48-Jährige fiel schon früher durch rechtslastige Äußerungen und äußerst fragwürdige Auftritte auf.

So bezeichnete er sich selbst in einem Interview (1999) als "Rassist", jedoch mit der seltsamen Einschränkung, er sei ein solcher "ohne Ansehen der Hautfarbe".

Ebenso beteiligte sich der Sänger 2014 an einer Veranstaltung der Reichsbürgerbewegung, die dem rechten bis rechtsradikalen Spektrum zugeordnet werden kann (Reichsbürger leugnen die Existenz der Bundesrepublik Deutschland und behaupten, das Deutsche Reich bestehe weiter fort).

Diese vorangegangenen Vorkommnisse um Xavier Naidoo schwingen mit, wenn er in seinem Video von "Wölfen" erzählt, aufgrund derer Kinder leiden müssten, wenn sie sich zusammen mit eben diesen Wölfen "in der Sporthalle umkleiden" würden – offensichtlich eine Anspielung auf Voyeurismus wenn nicht gar sexuelle Gewalt.

"Ihr seid verloren" von Xavier Naidoo bedient rechte Vorurteile

TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.
TAG24-Redakteur Florian Gürtler lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.  © Florian Gürtler

Auch die Text-Zeile "Ich habe fast alle Menschen lieb, aber was ist, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt?" erzählt von Gewalt, die angeblich "fast jeden Tag" von Fremden verübt wird.

Damit benutzt Naidoo genau das Zerrbild des per se gewalttätigen Ausländers, das auch von rechten Stimmungsmachern verwendet wird, wenn sie vor Flüchtlingen warnen, die dann gerne als "Messermänner" bezeichnet werden. Ausgeblendet werden die unzähligen Migranten, die eben nicht kriminell sind. 

Naidoo klagt in dem Song ferner übertriebene politische Korrektheit an (nur eine anderer Formulierung für den Vorwurf des "Gutmenschentums", den Protagonisten der rechten Szene ihren Gegnern gerne entgegen schleudern).

Ebenso spricht Xavier Naidoo von einem "Schauspiel, dass euch alle beenden kann", ein kurzer Verweis auf ein Untergangsszenario, dass offenbar mit der von ihm beklagten angeblich übertriebenen politischen Korrektheit zusammenhängt.

Auch damit bedient der Sänger eine Vorstellung, die in rechten Kreisen populär ist: Den angeblich drohenden Untergang der abendländischen Kultur durch ein zu hohes Maß an Einwanderung aus nicht-europäischen Ländern.

Nimmt man all dies zusammen, so kann man klar sagen: Ein Sänger, der schon früher Kontakte in die rechte Szene hatte, singt in "Ihr seid verloren" von verschiedenen Szenarien, die an rechte bis rechtsextreme Vorurteile andocken und diese bedienen.

Xavier Naidoo mag in einem Facebook-Post von Mittwoch noch so oft behaupten, "Rassenhass und Fremdenfeindlichkeit" seien ihm völlig fremd. Sein Song bedient und transportiert allerdings rassistische Vorstellungen. "Ihr seid verloren" ist rechte Propaganda.

Titelfoto: Screenshot/twitter, Florian Gürtler

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