Schock-Berichte auf Instagram: "Menschen wie dir sollte man den Kopf abhacken"

Frankfurt am Main - Es sind zum Teil verstörende Texte mit Schilderungen von Intoleranz und offen artikuliertem Hass, doch was dabei insbesondere schockiert: Offenbar stammen die Berichte zum Teil von minderjährigen Schülerinnen und Schülern. Zusammengestellt und auf Instagram veröffentlicht wurden die anonymisierten Schreiben von der bekannten Frankfurter Dragqueen Electra Pain.

Ein Mann mit Trans-Hintergrund berichtete von sexuellen Belästigungen im Alltag, denen er in seiner Jugend ausgesetzt war.
Ein Mann mit Trans-Hintergrund berichtete von sexuellen Belästigungen im Alltag, denen er in seiner Jugend ausgesetzt war.  © Screenshot/electra_pain

Die Künstlerin, die in ihrem bürgerlichen Leben den Vornamen Daniel trägt, engagiert sich immer wieder für die Rechte der LGBTQ-Community, also für homosexuelle und bisexuelle Menschen sowie für Personen mit Trans-Hintergrund.

Dieses Engagement kommt nicht von ungefähr, Electra Pain wurde im März in Frankfurt am Main selbst zum Opfer einer homophoben Attacke, in deren Folge sie zudem mit extremen Hasskommentaren im Internet konfrontiert wurde.

Kürzlich begann die Dragqueen, in ihren Instagram-Storys anonymisierte Berichte über LGBTQ-feindliche Erfahrungen ihrer Fans in Form kurzer Texte zu veröffentlichen. Die so dokumentierten Schilderungen sind teilweise extrem schockierend.

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Ein Mann mit Trans-Hintergrund berichtete etwa, dass er in jüngeren Jahren, als er damit begann, sich als Person mit männlicher Geschlechtsidentität zu definieren, "oft angefasst und sexuell belästigt" worden sei. "Häufig wurde ich auch von Frauen ungefragt an Brust oder Schritt gefasst mit der Aussage 'lass mal sehen, ob du Brüste hast'", heißt es in der Schilderung. Männer hätten hingegen "oft Bemerkungen gemacht wie 'du hast nur noch nicht den richtigen Schw*nz zwischen den Beinen gehabt'", endet der Text.

Eine lesbische Frau berichtet von ähnlichen Erfahrungen mit drastischen, sexistischen Anfeindungen. Sie werde täglich "von Typen angeschrieben, beleidigt, in der Öffentlichkeit angefasst". Die Begründung der Täter sei "ich bräuchte mal Schw*** in mir, Typen, die es mir mal richtig besorgen."

Auch eine lesbische Frau schilderte drastische sexuelle Belästigungen durch Männer.
Auch eine lesbische Frau schilderte drastische sexuelle Belästigungen durch Männer.  © Screenshot/electra_pain

"Ich will nicht, dass du mit irgendeinem Mädchen zusammenkommst. Such dir lieber nen richtigen Mann."

Ein besonders erschreckender Bericht stammt von einer oder einem 13-Jährigen, die/der sich als "genderfluid" definiert, sich also nicht dauerhaft auf eine Geschlechtsidentität festlegt.
Ein besonders erschreckender Bericht stammt von einer oder einem 13-Jährigen, die/der sich als "genderfluid" definiert, sich also nicht dauerhaft auf eine Geschlechtsidentität festlegt.  © Montage: Screenshot/electra_pain

Ein anderer Bericht zeigt, dass die Anfeindung und Diskriminierung homosexueller oder bisexueller Lebensweisen auch subtilere Formen annehmen kann: "Ich habe letztens zu einer Freundin 'hab dich lieb' gesagt, so rein freundschaftlich", beginnt die Schilderung, die anscheinend von einem minderjährigen Mädchen stammt. Deren Bruder, der neben ihr stand, als sie die fragliche Sprachnachricht aufnahm, habe sie daraufhin angeblickt und gesagt: "Ich will nicht, dass du mit irgendeinem Mädchen zusammenkommst. Such dir lieber nen richtigen Mann."

Besonders erschreckend ist schließlich die Erzählung einer oder eines 13-Jährigen, die/der sich als "genderfluid" definiert, sich also nicht auf eine Geschlechtsidentität dauerhaft festlegt. Sie/er hat sich offenbar gegenüber Klassenkameraden geoutet und darum gebeten, mit einem anderen Namen angesprochen zu werden.

"Ich wurde dafür ausgelacht", geht der Text weiter. Selbst die ehemals beste Freundin hätte sich geweigert, den neuen Namen zu verwenden und wolle stattdessen weiterhin den abgelegten Deadname zur Anrede nutzen.

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Weitere Reaktionen der Mitschüler sind dem Bericht zufolge extremer Natur. Die/der 13-Jährige erzählt von Aussagen wie etwa "spring aus dem Fenster" und "Menschen wie dir solle man den Kopf abhacken und zur Verhöhnung zur Schau stellen".

Es liegt auf der Hand, dass derartige Anfeindungen gegenüber einem noch sehr jungen Menschen nicht ohne Folgen bleiben. Die/der 13-Jährige berichtetet weiter, dass sie/er nun extreme Panikattacken habe und fürchtet, von Mitschülern attackiert zu werden.

Titelfoto: Montage: Screenshot/electra_pain

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