Smartphone, Sex oder Kinder? Darüber streiten Paare in Deutschland am meisten

Deutschland - Auch wenn Partnerschaften zu Beginn harmonisch und reibungslos beginnen: Streit und Konflikte gehören früher oder später einfach dazu. Schließlich geht schon nach wenigen Monaten die rosarote Brille verloren, und eine glückliche Beziehung bedeutet Arbeit. Die Gründe, über die Paare sich streiten, sind äußerst vielfältig. Dennoch gibt es einige Gemeinsamkeiten. 

Die Dating-Agentur ElitePartner hat zu diesem Zweck knapp 4000 Internet-User in Deutschland, die sich in einer Partnerschaft befinden, befragt, über welche Themen in ihrer Beziehung am meisten gestritten wird. 

Streitthema Nr. 1: Unordnung

Unordnung und Papierstapel wie diese lösen bei Menschen häufig entweder Panik oder Gleichgültigkeit aus.
Unordnung und Papierstapel wie diese lösen bei Menschen häufig entweder Panik oder Gleichgültigkeit aus.  © Unsplash/Wonderlane

Der Streitgrund Nummer 1 ist für die meisten Paare offenbar Unordnung. Dabei dürfte diese Erkenntnis nicht erst seit der Corona-Krise vielen bekannt vorkommen. 

In der ElitePartner-Studie 2020 gaben 44 Prozent der Befragten an, dass Unordnung im Alltag für sie das größte Streitpotenzial besitzt. 

Neben der nicht eingeräumten Spülmaschine und getragener Kleidung neben dem Bett sind auch herumliegender Papierkram oder zu viele Produkte im Badezimmer häufige Gründe, weshalb es zu Streit kommt. 

Zu Konflikten wegen Unordnung kommt es besonders durch die persönliche Erwartungshaltung. Man selbst verfolgt einen gewissen Ordnungsstandard, den der Partner nicht nur respektieren, sondern auch danach leben soll. 

Damit es nicht irgendwann zur Trennung wegen Unordnung kommt, sollten Paare gemeinsam nach Lösungen suchen. Denn so viel steht fest: Umerziehen kann man seinen Partner bzw. seine Partnerin nicht, und auch Vorwürfe bringen selten den gewünschten Erfolg.

Besser ist es, Vorschläge zu machen und die Gründe zu erklären, warum man bestimmte Ordnungsprinzipien verfolgt und diese für einen Sinn ergeben. 

Auf der anderen Seite ist Gelassenheit ein gutes Stichwort. Ist es der Geschirrstapel in der Küche wirklich wert, dafür einen Streit vom Zaun zu brechen? Wenn nicht, dann lohnt es sich, die eigenen Erwartungen herunterzuschrauben und auch das vermeintliche Chaos um einen herum nach und nach mit entspannterem Blick zu betrachten. 

Streitthema Nr. 2: Das Smartphone

Ein jedes Paar sollte für sich Zeiten finden, in denen Smartphone und Co. Sendepause haben.
Ein jedes Paar sollte für sich Zeiten finden, in denen Smartphone und Co. Sendepause haben.  © Unsplash/Paul Hanaoka

Vermutlich ist jeder davon genervt, wenn Smartphone, Tablet oder Notebook spannender zu sein scheinen als man selbst.

Denn wer permanent nur auf einen Display starrt, weist seinen Gegenüber damit unbewusst zurück. 

Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass die übermäßige Beschäftigung mit Mobilgeräten es auf Platz 2 der häufigsten Streitthemen der Deutschen geschafft hat. 

Jedes vierte Paar gerät sich demnach in schöner Regelmäßigkeit in die Haare, weil mindestens einer von beiden zu viel Zeit im Technik-Universum verbringt. 

Dabei ist es sehr wichtig, sich als Paar Zeit zu nehmen, in der bewusst auf Smartphone und jegliche einseitige Ablenkung verzichtet wird. 

Sei es beim Essen, im gemeinsamen Gespräch oder beim Sex: Es gibt genügend Situationen, in denen das Handy keine Priorität haben sollte. Denn bewusst auf die Ablenkung von Social Media, WhatsApp und Co. zu verzichten, bedeutet auch, zur Ruhe zu kommen. In diesen Momenten offenbart sich für Paare meist in aller Klarheit, aus welchem Holz ihre Beziehung geschnitzt ist. 

Denn nicht umsonst finden viele Trennungen nach einem gemeinsam verbrachten Urlaub oder mehreren Tagen auf engstem Raum statt. Nämlich dann, wenn beide merken, dass sie sich ohne Ablenkung eigentlich nicht mehr viel zu sagen haben. 

Ist das der Fall, ist die Beziehung dennoch nicht zum Scheitern verurteilt. Vielmehr könnte man versuchen, die Ursachen für das Auseinanderleben zu ergründen und durch mehr gemeinsame Aktivitäten und offene Gespräche die alten Schmetterlinge im Bauch wieder aktivieren. 

Streitthema Nr. 3: Unpünktlichkeit

Wer andere Leute allzu oft auf sich warten lässt, bekommt nicht nur im Geschäftsleben oder mit Freunden auf Dauer ein Problem. Auch die eigene Beziehung kann gehörig unter der Unpünktlichkeit des Partners leiden. 

Trödelei und Unpünktlichkeit haben es auf Platz 3 der häufigsten Streitthemen der Deutschen geschafft. Jedes fünfte Paar bekommt sich deswegen laut der Studie regelmäßig in die Haare. 

Die Ursachen für die ständige Bummelei können vielfältig sein. Neben einem schlechten Zeitmanagement und unklaren Absprachen kann auch eine narzisstische Persönlichkeit oder der ständige Wunsch nach Rebellion für das Verhalten verantwortlich sein. 

Doch so viel sei gesagt: Wer ständig unpünktlich ist, verhält sich respektlos gegenüber seinen Mitmenschen. Wer sich selbst häufig mit der Zeit verschätzt, kann damit beginnen, die eigenen Motive für die Trödelei zu ergründen. 

Streitthema Nr. 4: Finanzen und Alltagsorganisation

Haushalt und Finanzangelegenheiten haben nach wie vor das Zeug, eine echte Beziehungskrise auszulösen.
Haushalt und Finanzangelegenheiten haben nach wie vor das Zeug, eine echte Beziehungskrise auszulösen.  © Unsplash/Ibrahim Rifath

Wenn es um die Frage geht, worüber Paare in Deutschland am meisten streiten, darf das Thema Geld nicht fehlen. 

In Sachen Finanzen und Alltagsorganisation, das heißt vom Haushalt über den Einkauf bis zur Essensplanung, bekommen sich ca. 20 Prozent der Paare in Deutschland regelmäßig in die Haare.

Streit rund um den Haushalt oder das liebe Geld offenbaren häufig, dass einer der Partner das Gefühl hat, im Alltag zu kurz zu kommen oder sich benachteiligt fühlt.

Sei es, weil die Aufgaben im Haushalt nicht gerecht verteilt sind oder man sich bei Geldausgaben fühlt, als müsse man ständig zurückstecken. 

Was in solchen Fällen hilft, ist einen ruhigen Moment abzupassen und dann gemeinsam offen miteinander zu reden und nach Lösungen zu suchen, wie sich das Gleichgewicht in der Partnerschaft wiederherstellen lässt. 

Im Bereich Finanzen ist es wichtig, Transparenz zu schaffen und zu klären, welche festen Einnahmen und Ausgaben bestehen. Das hilft herauszufinden, wie viel Geld am Ende abzüglich sämtlicher Fixkosten überhaupt zur freien Verfügung steht. Wichtig ist auch, dass jedem der Partner ein eigenes Budget zur Verfügung steht, dass dieser frei für jene Dinge ausgeben darf, die ihm oder ihr am Herzen liegen. 

Die Schlusslichter: Sex, Kindererziehung und Eifersucht

Jede Partnerschaft erlebt im Laufe der Zeit ihre Höhen und Tiefen.
Jede Partnerschaft erlebt im Laufe der Zeit ihre Höhen und Tiefen.  © 123RF/Antonio Guillem

Überraschend ist, dass laut der Befragung emotionalere Themen bei Paaren vergleichsweise selten zu Streit führen. Angelegenheiten wie die (Schwieger-)Familie (13 Prozent), das Sexleben (11 Prozent), Kindererziehung (10 Prozent) oder Eifersucht (8 Prozent) sind im Alltag seltener die Ursache für Streit. 

Dass die Umfrage zu diesem Ergebnis kommt, kann jedoch verschiedene Ursachen haben. 

Zum einen ist da die Sache der gesellschaftlichen Akzeptanz. Menschen neigen in Befragungen dazu, bei heiklen Themen wie beispielsweise Erotik oder Kindererziehung jene Antworten zu geben, die am ehesten gesellschaftlich anerkannt sind und einen selbst im guten Licht darstellen. 

Zum anderen verändern sich die Dinge, über die Paare streiten, im Laufe der Jahre. Während am Anfang das Thema Eifersucht noch eine größere Rolle gespielt haben mag, sind es eher alltägliche Unstimmigkeiten wie Unordnung oder Schnarchen, die sich später zu einem handfesten Konflikt entwickeln. 

Sind Paare, die streiten, unglücklich?

Kleinere Reibereien im Alltag können dennoch ein gutes Ende finden - wenn beide Partner es wollen.
Kleinere Reibereien im Alltag können dennoch ein gutes Ende finden - wenn beide Partner es wollen.  © 123RF.com/Davids Kokainis

So viel sei verraten: Auch das glücklichste Paar wird früher oder später streiten. Der Unterschied ist jedoch, wie diese Konflikte ausgetragen werden. 

Streit entsteht, wenn unterschiedliche Vorstellungen, Wünsche oder Ansprüche aufeinandertreffen und miteinander kollidieren. 

Das ist im Laufe einer Beziehung ganz normal und hilft, gemeinsam als Paar über die Herausforderungen des Alltags zu wachsen. 

Wichtig ist es jedoch, Probleme konstruktiv zu lösen, seinem Partner gegenüber respektvoll zu bleiben und keine "Nebenkriegsschauplätze" aufzumachen. 

Wer den Konflikt hingegen nutzt, um seinen Partner abzuwerten, sich nichts sagen lässt oder sich gar dem Streit noch vor der Lösungsfindung entzieht, riskiert auf lange Sicht die Trennung. Meist lohnt es sich aber um die Beziehung und damit die Liebe zu kämpfen. 

Denn den perfekten Partner mag es nicht geben - den idealen jedoch schon. Einsicht, das Verändern kleiner Gewohnheiten und eine liebevolle Geste zur Versöhnung vertiefen die Gefühle füreinander und sparen die Energie, die man in einen Streit investiert hätte, für schönere Dinge im Leben.

Titelfoto: 123RF/Antonio Guillem

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