90-Jähriger outet sich erstmals als schwul: So reagiert die Tochter

Arvada - Besser spät als nie, dachte sich der 90-jährige Kenneth Felts. Erstmals verkündete er seiner Familie und seinen Freunden, dass er schwul ist.

Stolz steht Kenneth mit seinem Regenbogen-Hoodie in seinem Garten. Kaum zu glauben, aber dieser Mann wurde im Jahr 1930 geboren!
Stolz steht Kenneth mit seinem Regenbogen-Hoodie in seinem Garten. Kaum zu glauben, aber dieser Mann wurde im Jahr 1930 geboren!  © Facebook/kenneth.felts.50

Bereits im Alter von 12 erkannte Kenneth, dass er auf Männer steht. Doch 1942 war die Offenheit in den USA gegenüber der LGBTQ-Community nicht so groß, wie es heute der Fall ist.

Gegenüber der "Denverpost" berichtet Kenneth, wie es zu seinem Outing kam. Dabei möchte er anderen Menschen Mut machen und zeigen, dass es niemals zu spät ist, zu sich zu stehen.

Während des Lockdown begann der 90-Jährige an seiner Biografie zu schreiben. 

Schnell kamen ihm Erinnerungen an seine erste große Liebe, einem Mann namens Philip, hoch. Die beiden verliebten sich Ende der 50er Jahre in Kalifornien. Doch Kenneth beschloss, als heterosexueller Mann zu leben. Es sei einfacher in der damaligen Zeit, so dachte er. Er sah Philip nie wieder.

Nun, im Jahr 2020, wurde er sich dieser Lüge und den Schmerz der Geheimnisse bewusst. Der Amerikaner wollte sie nicht länger mit sich herumtragen.

Daher kontaktierte er als Erstes seine Tochter Rebecca Mayes. Er war bereits geschieden von ihrer Mutter, der einzigen Frau die er je geheiratet hatte. Rebecca hatte verständnisvolle Worte für ihren Vater parat. 

Kenneth beschloss nach diesem Gespräch, es nun auch Freunden mitzuteilen. So versendete er zahlreiche E-Mails und formulierte auf Facebook einen Text, in welchem er gestand, dass er auf Männer steht.

Die Community reagiert mit Liebe

Die Regenbogenflagge ist ein wichtiges Zeichen für Offenheit für die LGBTQ - Community.
Die Regenbogenflagge ist ein wichtiges Zeichen für Offenheit für die LGBTQ - Community.  © Bryan Smith/ZUMA Wire/dpa

Die Reaktionen waren überwältigend. Fast augenblicklich strömten positive E-Mails und Facebook-Kommentare ein. Eine unglaubliche Erleichterung für Kenneth, der eigentlich beschlossen hatte, sein Geheimnis mit ins Grab zu nehmen:

"Ich war sehr beunruhigt, weil ich meine Freunde brauchte. Ich konnte den Gedanken nicht ertragen, sie zu verlieren, nur weil ich beschlossen hatte, endlich zu sein, wer ich wirklich war."

Kenneth ist aufgrund der positiven Reaktionen begeistert und stolz. 

Er kaufte sich nach seinem Outing eine Regenbogen-Fahne sowie Hoodie, den er an den meisten Tagen trägt. Er sammelt Spenden für die LGBTQ-Gemeinschaft und nimmt an zahlreichen Veranstaltungen teil.

Seine Tochter Rebecca sagt: "Er ist so mutig und er realisiert es nicht einmal. Er ist absolut außergewöhnlich!"

Rebecca outete sich bereits vor zwanzig Jahren bei ihrem Vater. Denn sie ist lesbisch und ist mit der Frau Tracie Mayes verheiratet. Kenneth verbringt sehr viel Zeit mit den beiden sowie seinen zwei Enkelkindern.

"Das Coming-Out in den 50er, 60er und 70er Jahren war schrecklich", sagt Kenneth. "Das war ein Teil des Grundes, warum ich vorher nie über ein Coming-Out nachgedacht habe. Es gab keine Schwulen-Gemeinschaft, es gab wirklich keine Schwulen-Organisationen oder so etwas." Er ist froh, den Schritt gegangen zu sein.

Kenneth hat es niemals bereut, mit einer Frau verheiratet gewesen zu sein. Das war ihm wichtig, seiner Tochter mitzuteilen, als er sich ihr gegenüber outete. Denn ohne diese Ehe wäre Rebecca niemals geboren worden.

Kenneth hat eine wichtige Botschaft für alle Menschen da draußen, die noch hadern, sich zu outen. "Unterschätzt eure Freunde und Familie nicht", sagt er. "Ihr könntet überrascht sein, wie diese reagieren, wenn ihr euch outet. Genießt, was ihr habt, denn ihr habt es nur einmal!"

Titelfoto: Facebook/kenneth.felts.50

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