Die Liebe hält Charlotte (101) und Gerhard Wünsche (98) fit!

Görlitz - Sie sind das wohl älteste Ehepaar Sachsens: Charlotte (101) und Gerhard Wünsche (98) aus Görlitz-Biesnitz. Rechnet man die Tage mit, bringen beide gerade genau 200 Lebensjahre zusammen. Und bald auch noch 72 Ehejahre - Glückwunsch! Verraten sie uns das Geheimnis ihrer Methusalem-Liebe?

Wohnen seit knapp 72 Jahren in trauter Zweisamkeit in ihrem Haus in Görlitz-Biesnitz: Charlotte Wünsche (101) schmeißt noch lebenslustig den Garten. Während Corona wird sie gemeinsam mit Ehemann Gerhard (98) von Sohn und Schwiegertochter versorgt.
Wohnen seit knapp 72 Jahren in trauter Zweisamkeit in ihrem Haus in Görlitz-Biesnitz: Charlotte Wünsche (101) schmeißt noch lebenslustig den Garten. Während Corona wird sie gemeinsam mit Ehemann Gerhard (98) von Sohn und Schwiegertochter versorgt.  © Nikolai Schmidt

Charlotte feiert im September ihren 102. Geburtstag. Ihr Mann wird im April 99 Jahre alt.

"Am 4. Juni 1949 haben wir geheiratet, an einem Pfingstsamstag", erinnert sich Charlotte. "Nur die Eheringe tragen wir nicht mehr, die passen nicht mehr an die Finger."

Kennengelernt haben sich die beiden bei einem Kirmesball in der "Brauerei" in Markersdorf (bei Görlitz).

"Wir haben getanzt und danach habe ich Charlotte nie mehr losgelassen. Es war Liebe auf den ersten Blick", gesteht der 98-Jährige.

Dabei wäre er beinahe nicht lebend aus dem Krieg zurückgekommen: "Bei der Reparatur einer Reifenpanne wurde ich von unseren Truppen angefahren, erlitt einen Unterkiefer- und Schläfenbeinbruch."

Den Kollateralschaden steckte er schnell weg, als Charlotte in sein Leben trat.

Um fit zu bleiben, stemmt Gerhard Wünsche noch immer regelmäßig seine Hanteln: "Ich war mal Handballer beim SV Grün-Weiß Gersdorf."
Um fit zu bleiben, stemmt Gerhard Wünsche noch immer regelmäßig seine Hanteln: "Ich war mal Handballer beim SV Grün-Weiß Gersdorf."  © Nikolai Schmidt

Ist ein geregelter Tagesablauf das Rezept ihres langen Lebens?

"Ich wohne seit meinem zehnten Lebensjahr im Haus meiner Eltern und seit 1949 hier mit meinem Gerhard zusammen", sagt sie. Viel Geld hatten die Wünsches nie. Sie arbeitete als Haushaltshilfe, Näherin und Bäckereiverkäuferin, pflegte jahrelang ihre Eltern. Er war Schlosser im Waggonbau, dann bei einer Görlitzer Ofenbaufirma tätig.

Vielleicht ist ein geregelter Tagesablauf das Rezept ihres langen Lebens? "Wir stehen jeden Tag um Dreiviertel sieben auf, weil um acht die Schwester kommt, um mir die Thrombose-Gummistrümpfe überzuziehen. Das schaffe ich nicht mehr allein", erzählt Charlotte.

Das Mittagessen wird vom Seniorenheim gegenüber gebracht. "Ich mag am liebsten Kartoffelsuppe, meine Frau Rinderzunge", sagt Gerhard.

Nach dem Essen legt er für ein bis zwei Stunden ein Mittagsschläfchen ein. Manchmal döst auch Charlotte mit ein.

"Wegen Corona bleiben wir jetzt meist zu Hause. Nur wenn ich zum Arzt muss, beschlägt mir unter der Maske die Brille."

Abends schauen die zwei gern Sport - zuletzt das Neujahrsspringen - und Naturfilme.

Das wohl älteste Ehepaar Sachsens wohnt in Görlitz an der Neiße - Blick auf Peterskirche und Altstadtbrücke.
Das wohl älteste Ehepaar Sachsens wohnt in Görlitz an der Neiße - Blick auf Peterskirche und Altstadtbrücke.  © dpa/Daniel Schäfer

Charlotte ist sich sicher: man darf auch mal streiten!

Und was ist das Geheimnis ihrer langen Ehe?

"Wir haben immer gern und viel getanzt, doch jetzt fällt mir das Laufen schwer", sagt Gerhard. "Gern erinnern wir uns aber an unsere Urlaube auf Hiddensee, wo wir mehrmals waren."

Und Charlotte ergänzt: "Man darf ruhig auch mal streiten, aber wir sind nach einer Funkstille immer schnell wieder zusammengekommen." Dass sich heutzutage viele Pärchen bei kleinen Problemen trennen, versteht sie gar nicht.

Hut ab vor so viel gegenseitigem Verständnis und Lebensweisheit der beiden. Da wird einem beim Gedanken ans eigene Altwerden nicht bange...

Titelfoto: Nikolai Schmidt

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