So viele Menschen leiden in Deutschland an Glücksspielsucht

Halle/Berlin - Exzessive Spieler können sich zentral für Glücksspiel-Anbieter sperren lassen. Viele nutzen diese Möglichkeit. Dennoch sind nicht alle zufrieden mit dem Spielerschutz.

Mit neuen Möglichkeiten soll Menschen in Deutschland dabei geholfen werden, einen Weg aus der Glücksspielsucht zu finden. Tausende nutzen diese bereits.
Mit neuen Möglichkeiten soll Menschen in Deutschland dabei geholfen werden, einen Weg aus der Glücksspielsucht zu finden. Tausende nutzen diese bereits.  © Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa

Zahlreiche Menschen haben sich in ein übergreifendes System eintragen lassen, das sie für Glücksspiel sperrt. Seit Anfang Juli vergangenen Jahres haben sich nach Angaben des Sprechers des Regierungspräsidiums Darmstadt 22.435 Menschen mit einem Eintrag in das zentrale System Oasis sperren lassen (Stand: 21. Dezember 2021).

Wenn sich ein Spieler dort anmeldet, ist er automatisch für Spielhallen, Spielbanken, Online-Casinos sowie Sportwetten gesperrt. Die Betreiber dieser Angebote müssen vor dem Start abgleichen, ob ein Gast gesperrt ist, und ihm dann den Zugang verwehren. Das soll exzessiven Spielern den Absprung ermöglichen.

Zum Jahresende 2020 waren bereits fast 47.000 Sperren in Oasis erfasst, wie aus dem Jahresreport der Glücksspielaufsichtbehörden der Länder hervorgeht. Mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag, der Anfang Juli 2021 in Kraft getreten ist, ist das Sperrsystem in ganz Deutschland einheitlich und spielformübergreifend.

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Man muss sich nun nicht mehr bei einzelnen Anbietern sperren lassen.

14.000 Euro in drei Monaten verzockt

Spieler konnten bisher mehrere Tausend Euro pro Monat in Glücksspiel investieren. Die sogenannte Limitdatei schiebt dem nun einen Riegel vor.
Spieler konnten bisher mehrere Tausend Euro pro Monat in Glücksspiel investieren. Die sogenannte Limitdatei schiebt dem nun einen Riegel vor.  © Sonja Wurtscheid/dpa/dpa-tmn

Neu ist zudem die Limitdatei: Sie soll dafür sorgen, dass Spielerinnen und Spieler anbieterübergreifend nicht mehr als 1000 Euro pro Monat einsetzen dürfen. Die Limits können individuell auch niedriger angesetzt werden.

Aktuell seien elf Anbieter an das System angeschlossen, erklärte das Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, das das System verwaltet. Weitere sollten folgen. Zum Stichtag 8. Dezember 2021 seien 116.078 Spieler registriert gewesen.

Bislang setzten Spieler teils deutlich mehr Geld ein, weiß Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des bundesweiten Fachverbands Glücksspielsucht, aus der Sichtung von Kontounterlagen in der Beratung.

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"Ein Mann hat etwa von März bis Oktober 36.000 Euro verspielt, erlaubt gewesen wären 8000 Euro. Bei einem anderen waren es 14.000 Euro in drei Monaten. Ohne dass Anbieter je geprüft hätten, ob die Leute überhaupt so viel Geld zur Verfügung haben", kritisiert sie.

Mit dem Spielerschutz durch den neuen Staatsvertrag ist sie nicht zufrieden: Die Aufsicht müsste schlagkräftiger sein, sagt sie.

Erhöhtes Risiko beim Glücksspiel im Internet

Das größte Problem sehen Experten derzeit im Online-Glücksspiel.
Das größte Problem sehen Experten derzeit im Online-Glücksspiel.  © Sina Schuldt/dpa

Eine Glücksspielsucht oder problematisches Glücksspielverhalten haben nach Angaben der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) rund 430.000 Menschen in Deutschland.

Die Bundeszentrale warnt vor einem erhöhten Suchtrisiko beim Glücksspiel im Internet. Eigenen Studiendaten zufolge zeige jede fünfte spielende Person beim Zocken im Netz ein problematisches oder abhängiges Spielverhalten.

Verschiedene Behörden in Deutschland übernehmen vorübergehend die Überwachung und Genehmigung von Glücksspielen. Die Aufgaben werden nach und nach von der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder übernommen. Diese wird in Halle im Süden Sachsen-Anhalts aufgebaut.

Bis Anfang 2023 sollen dort rund 110 Mitarbeiter das Online-Glücksspiel im Auge haben.

Titelfoto: Sina Schuldt/dpa

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