Lebenstraum Lufthansa-Pilot: Flugschüler scheitern vor Arbeitsgericht

Frankfurt am Main - Die Corona-Pandemie hat die Karriere von knapp 200 Flugschülern der Lufthansa durchkreuzt. Vor dem Arbeitsgericht Frankfurt fiel am Mittwoch eine erste Entscheidung.

Die Lufthansa will sich bemühen, den betroffenen Flugschülern eine Weiterführung ihrer Ausbildung zu ermöglichen. (Symbolbild)
Die Lufthansa will sich bemühen, den betroffenen Flugschülern eine Weiterführung ihrer Ausbildung zu ermöglichen. (Symbolbild)  © Boris Roessler/dpa

Das Arbeitsgericht Frankfurt hat die Klagen von 20 Flugschülern der Lufthansa abgewiesen, die ihre in der Corona-Pandemie abgebrochene Ausbildung unverändert fortsetzen wollten.

Das Gericht folgte der Argumentation der Lufthansa Aviation Training (LAT), dass man die 2020 abgebrochene Ausbildung nicht mehr wie verlangt selbst erfüllen könne.

Entsprechende Einrichtungen wie die Flugschule in Phoenix/Arizona sind bereits verkauft oder werden wie die traditionsreiche Verkehrsfliegerschule in Bremen aufgelöst.

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Die Fortsetzung der Ausbildung an den genannten Orten sei der LAT nicht mehr möglich, folgerte das Gericht, das zuvor auch noch zwei Einstweilige Verfügungen gegen die Lufthansa in dieser Sache abschmetterte.

Die Entscheidungen sind noch nicht rechtskräftig, grundsätzlich ist Berufung beim Landesarbeitsgericht möglich.

Lufthansa begrüßte das Urteil. Man wolle weiterhin Lösungen für die betroffenen Schüler zur Weiterführung ihrer Ausbildung finden, sagte ein Sprecher. Ihnen sind bereits Ersatzkurse an einer privaten Flugschule angeboten worden.

Kläger erhofften sich durch ihre Ausbildung mehr Ansehen und höheren Marktwert

Auch die traditionsreiche Verkehrsfliegerschule in Bremen wird von der Lufthansa aufgelöst.
Auch die traditionsreiche Verkehrsfliegerschule in Bremen wird von der Lufthansa aufgelöst.  © Sina Schuldt/dpa

Die Kläger hatten die Erfüllung ihrer ursprünglichen Verträge durch die LAT verlangt, wie die Frankfurter Anwältin Martina Stickler-Posner ausführte.

Auch im Falle einer Nichtübernahme durch die Lufthansa erhoffen sie sich mehr Ansehen und Marktwert, wenn ihre Ausbildung an den LAT-Standorten Bremen und Phoenix/Arizona stattfände.

LAT-Chef Matthias Spohr verteidigte die neue Ausbildungsstrategie des Konzerns, der wegen der Pandemie einen deutlich geringeren Pilotenbedarf habe als zuvor angenommen.

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Zum Ausbruch der Corona-Krise habe man rund 980 Schüler im System gehabt, von denen man sich mit fast 800 gütlich geeinigt habe, sagte der Bruder des Konzernchefs Carsten Spohr vor Gericht.

Es gehe noch um 193 Flugschüler, denen man einen gleichwertigen MPL-Ausbildungsgang (Multicrew Pilot Licence) an der privaten Flugschule TFC Käufer in Essen angeboten habe. 17 weitere Schüler aus den MPL-Kursen hätten dieses Angebot bereits angenommen. Der Gruppe entstehe auch beim Zugang zu den Cockpits der Hauptgesellschaft Lufthansa kein Nachteil, sagte Spohr. Sie würden wie bislang die Bremer Schüler bevorzugt eingestellt, sofern ein Bedarf entstehe.

Auf der Warteliste stehen nach LAT-Angaben bereits mehrere Hundert Pilotinnen und Piloten. Auch während der Corona-Krise seien noch einige fertig geworden, ohne dass sie eingestellt worden wären. Künftig will der Lufthansa-Konzern den Nachwuchs nur noch auf die allgemeinere ATPL-Lizenz schulen und über eine Übernahme in die Kerngesellschaft Lufthansa erst nach dem Abschluss entscheiden.

Mit der Rekrutierung für diesen neuen Ausbildungsgang werde voraussichtlich Anfang 2022 begonnen, um dann im Laufe des Jahres zu beginnen, kündigte die LAT an.

Titelfoto: Boris Roessler/dpa

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