"Er hat rumgejammert wie ein Weichei": Opfer schildern Begegnung mit Halle-Attentäter

Magdeburg/Halle - Im Prozess gegen Stephan Balliet versuchte der Staatsschutzsenat am Mittwoch weiter aufzuarbeiten, was passierte, nachdem der Attentäter nach seinen Anschlägen auf eine jüdische Synagoge und einen Döner-Imbiss in Halle aus der Stadt geflüchtet war.

Auf der Flucht soll der Angeklagte Stephan Balliet (28) laut Zeugenaussagen "rumgejammert" haben.
Auf der Flucht soll der Angeklagte Stephan Balliet (28) laut Zeugenaussagen "rumgejammert" haben.  © Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

In den Mittagsstunden hatte der Attentäter zunächst vergeblich versucht, in eine Synagoge einzudingen, in der 52 Gläubige den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur begingen. Kurz darauf erschoss er eine 40 Jahre alte Passantin und einen 20 Jahre alten Gast in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss. Viele Menschen flohen in Panik und wurden verletzt

Bei einer kurzen Schießerei mit einer Polizeistreife wurde der Attentäter am Hals verletzt, ehe er aus der Stadt fuhr.

Weil er an seinem Mietwagen Reifen zerschossen hatte, brauchte der Täter ein neues Auto und stoppte in Wiedersdorf, einem Ortsteil von Landsberg, rund 16 Kilometer von den ersten Tatorten entfernt. 

Dort arbeitete ein 52-Jähriger in seinem Garten. Es habe am Hoftor geklopft und er habe in eine Pistole geblickt, sagte der Mann als Zeuge mit stockender Stimme. Der Täter habe den Schlüssel für ein geparktes Auto gefordert.

Der 52-Jährige berichtete, dass der Attentäter auf ihn schoss, als er weglief. Die Kugel traf den Zeugen im Nacken und blieb hinter dem rechten Ohr stecken. Seine Frau schilderte, wie sie wegen eines Geräuschs auf den Hof geeilt sei. "Mein Mann war voller Blut, ich wollte auf ihn zulaufen, als ich, platsch, hingefallen bin, dann konnte ich nicht mehr aufstehen und dann habe ich ihn gesehen", sagte sie aus. 

Dass die Frau stürzte, weil der Täter ihr von hinten in die Hüfte schoss, begriff sie erst viel später. Der Täter sei ihr ganz nah gewesen. "Er hat rumgejammert", sagte sie, "wie so ein Weichei". Dass er verletzt sei und ein Auto brauche.

Taxifahrer nimmt Verfolgung auf

Als der Angreifer nicht den Schlüssel bekam, sei er vom Hof verschwunden. 

Doch dann habe ihr der Mann am Notruf nicht geglaubt, berichtete die 51-Jährige (TAG24 berichtete). Es sei zunächst nur ein einzelner Beamter gekommen und habe bei ihrer beider Anblick gerufen "Ach du Scheiße". Erst danach sei ein Hubschrauber für ihren Mann und ein Krankentransport für sie eingetroffen.

Was nach dem Angriff auf das Paar geschah, schilderten zwei Taxifahrer und ein Werkstattinhaber vor Gericht: Der Attentäter kam auf einen von ihnen zu, hielt ihm die Waffe vor das Gesicht und verlangte das Taxi. Kurz nach Fortsetzung der Flucht habe er sich entschlossen, mit einem zweiten Taxi die Verfolgung aufzunehmen, sagte ein 41 Jahre alter Zeuge.

Der 37 Jahre alte Inhaber der Werkstatt rief die Polizei und sah nach seinen Nachbarn, das Paar, bei denen der Täter vorher gewesen war. 

Der Taxifahrer verfolgte hingegen den Attentäter, bis er an der Autobahnabfahrt Wiedemar Polizisten am Straßenrand entdeckte. Die habe er angesprochen. Daraufhin hätten die Beamten gesagt, sie könnten nicht weg, sie seien ein Kontrollposten für Halle.

Die Beamten hätten Verstärkung angefunkt, währenddessen habe er die Idee gehabt, seinen Autohändler anzurufen, um das Taxi orten zu lassen. Kurz darauf habe er einen Mitarbeiter des Autohauses, der die Position des Wagens verfolgte, mit dem Polizisten verbunden, berichtete der Zeuge. 

Kurz darauf war der Halle-Attentäter gefasst.

Titelfoto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB

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