Mutmaßlicher Rechtsterrorist war CDU-Kandidat bei einer Kommunalwahl

Kassel/Spangenberg - Ein 20-Jähriger aus der nordhessischen Kleinstadt Spangenberg steht als mutmaßlicher Rechtsterrorist im Verdacht: Bei dem jungen Mann wurden rund 600 selbstgebaute Sprengkörper und ein rassistisches Manifest gefunden. Wie nun bekannt wurde, war der Schreinerlehrling Marvin E. im März zudem Kandidat der CDU bei einer Kommunalwahl.

Bei einer Polizei-Aktion im September waren bei dem Verdächtigen zahlreiche Sprengkörper entdeckt worden, darunter auch solche, die für Brief- oder Paketbomben geeignet gewesen wären. (Symbolbild)
Bei einer Polizei-Aktion im September waren bei dem Verdächtigen zahlreiche Sprengkörper entdeckt worden, darunter auch solche, die für Brief- oder Paketbomben geeignet gewesen wären. (Symbolbild)  © Montage: dpa/Marius Becker, dpa/Jan Woitas, dpa/Boris Roessler

"Er trat für die Stadtverordnetenversammlung und für einen Ortsbeirat an. Ein Mandat errang er allerdings nicht", heißt es wörtlich in einem Bericht der Hessenschau.

Demnach hat ein CDU-Politiker die Verbindung des Verdächtigen mit der Partei bestätigt. Der Politiker betonte jedoch offenbar gegenüber der Hessenschau, dass Marvin E. kein CDU-Mitglied sei.

Auch die Antifa in Kassel hatte die Kandidatur des Terrorverdächtigen auf dem Ticket der CDU bei der Kommunalwahl im Frühjahr in Spangenberg öffentlich gemacht. Die Aktivisten veröffentlichten auch ein Foto des 20-Jährigen, anscheinend handelt es sich dabei um den Screenshot einer Wahlkampf-Grafik der CDU.

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Die Polizei hatte bereits Mitte September in der Wohnung des Schreinerlehrlings rund 600 selbstgebaute Kleinsprengkörper gefunden. Auch sechs sogenannte Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen (USBV) wurden entdeckt, diese eignen sich für Brief- oder Paketbomben, wie am Donnerstag bekannt wurde.

Gegen den Verdächtigen werde wegen Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat sowie wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt, erklärte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main. Der Auszubildende befinde sich seit der Polizeiaktion im September in Untersuchungshaft.

Die CDU Spangenberg distanzierte sich auf ihrer Website von Rassismus, Antisemitismus und Ausländerfeindlichkeit. In dem Text ist wörtlich von einem "Unterwanderungsversuch" durch einen "offenbar rechtsextremen jungen Mitbürger" die Rede.

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Nach Recherchen der Antifa Kassel soll Marvin E. erst kürzlich mit seiner Familie aus Chemnitz in das nordhessische Spangenberg gezogen sein.

Die linken Aktivisten fragen zudem, weshalb die Sprengkörper-Funde bei dem jungen Mann erst jetzt öffentlich bekannt wurden und mutmaßen, dass es ein politisches Kalkül dabei gegeben haben könnte.

Ein mutmaßlich rassistischer Bombenbauer als CDU-Kandidat wäre im unmittelbaren Vorfeld der Bundestagswahl "wahrlich keine gute Wahlwerbung" gewesen, heißt es hierzu auf der Website der Antifa Kassel.

Belegen können die Aktivisten diese Mutmaßung aber offenbar nicht.

Titelfoto: Montage: dpa/Marius Becker, dpa/Jan Woitas, dpa/Boris Roessler

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