Polizistin liebt Neonazi: Fall war wohl bereits seit Monaten bekannt

Hannover - Der Fall wirft immer mehr Fragen auf! In Hannover soll eine Polizei-Kommissarin, die als Diensthunde-Führerin gearbeitet hat, mit einem Neonazi zusammen sein. Doch wie passt das zusammen?

Landespolizeipräsident Axel Brockmann (58) hat den niedersächsischen Landtag über den Fall in Kenntnis gesetzt.
Landespolizeipräsident Axel Brockmann (58) hat den niedersächsischen Landtag über den Fall in Kenntnis gesetzt.  © Julian Stratenschulte/dpa

Ende Juni hat das "Recherche Kollektiv Ostwestfalen" in einem Internet-Beitrag den Zusammenhang öffentlich gemacht. Der Rechtsextremist soll demnach seit mehreren Jahren in der Neonazi-Szene rund um die "Mindener Jungs" unterwegs sein.

Infolge des Bekanntwerdens wurde die Polizisten in den Innendienst versetzt, ihr Diensthund wurde ihr weggenommen.

Wie die Bild berichtet, informierte Landespolizeipräsident Axel Brockmann (58) den Innenausschuss des niedersächsischen Landtags über den Fall.

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Besonders pikant: Der Polizeidirektion Hannover und dem Innenministerium sollen die Vorwürfe gegen die Beamtin bereits seit dem 17. August 2021 bekannt gewesen sein.

Ein Hinweisgeber hatte den groben Sachverhalt per Mail an die Polizei geschickt. Dabei soll die Person auch auf ein Telefonat mit einem Mitarbeiter der Beschwerdestelle für Bürgerinnen und Bürger und Polizei beim Innenministerium sowie ein weiteres Telefonat mit einem Mitarbeiter der Polizeidirektion Hannover hingewiesen haben, dass bereits einen Tag zuvor stattgefunden haben soll.

Informationen wurden nicht an das Innenministerium weitergeleitet

Die ehemalige Diensthunde-Führerin, die mit einem Neonazi liiert ist, wurde mittlerweile in den Innendienst versetzt. (Symbolbild)
Die ehemalige Diensthunde-Führerin, die mit einem Neonazi liiert ist, wurde mittlerweile in den Innendienst versetzt. (Symbolbild)  © DPA

Darin teilte der Hinweisgeber mit, dass die Polizistin Kontakt zu einem Neonazi aus Berlin hätte. Laut dem Schreiben von Brockmann hätte es dabei aber keinerlei Informationen über eine Beziehung oder einen gemeinsamen Wohnsitz bei der Beschwerdestelle gegeben. Der Informant sei allerdings an die zuständige Polizeidirektion Hannover weitervermittelt worden.

Und dennoch wurden die Informationen über die mögliche Neonazi-Verbindung nicht innerhalb des Innenministeriums weiter geleitet. "Das ist eigentlich kaum zu glauben. Bei solchen Vorwürfen muss der Minister persönlich informiert werden", klagte ein Insider bei Bild an.

Anfang September entschied die Polizei Hannover schließlich, dass alles beim Alten bleibe. Auffällig war nur, dass an der Entscheidung das Innenministerium nicht beteiligt war und das Ergebnis auch nicht mitgeteilt wurde.

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Das Landespolizeipräsidium soll laut Bild erst am 23. Juni auf die Vorwürfe aufmerksam geworden sein. Anschließend wurde der Verfassungsschutz mit einer Prüfung des Sachverhaltes beauftragt. "Im Ergebnis wurde festgestellt, dass nach aktueller Einschätzung des Verfassungsschutzes Niedersachsen die infrage stehende Person, also der Lebensgefährte der Beamtin, in der jüngeren Vergangenheit noch der rechtsextremistischen Szene angehörte", erklärte Brockmann in dem Schreiben.

Ermittlungen widersprechen Aussagen der Polizistin

Warum die Diensthunde-Führerin erst Monate danach in den Innendienst versetzt worden ist, bleibt unklar. In einer Befragung habe sie sogar mitgeteilt, dass sie weiterhin in einer Beziehung mit dem Rechtsextremen lebe. Laut ihren Aussagen soll er sich vor einiger Zeit aber aus der rechten Szene zurückgezogen haben.

Die Ermittlungen haben ein anderes Ergebnis ans Tageslicht gebracht.

Titelfoto: DPA

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