Rechtsextreme Polizisten? Ermittlungen gegen mehrere SEK-Beamte

Frankfurt am Main - Mehrere Angehörige des Spezialeinsatzkommandos (SEK) beim Polizeipräsidium Frankfurt am Main stehen im Verdacht, in Online-Chats rechtsextreme Symbole ausgetauscht zu haben.

Die verdächtigten Beamten gehören dem Spezialeinsatzkommandos (SEK) beim Polizeipräsidium Frankfurt am Main an (Symbolbild).
Die verdächtigten Beamten gehören dem Spezialeinsatzkommandos (SEK) beim Polizeipräsidium Frankfurt am Main an (Symbolbild).  © Montage: dpa/Jan Woitas, dpa/Boris Roessler

Am Mittwoch wurden daher Durchsuchungen an den Arbeitsplätzen der Polizisten in Frankfurt sowie in den Wohnungen von sechs Beschuldigten im Alter zwischen 41 und 47 Jahren in verschiedenen Orten in Hessen durchgeführt, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte.

Insgesamt gebe es 20 Beschuldigte, darunter 19 aktive Polizeibeamte. Gegen letztere "wurde das Verbot des Führens der Dienstgeschäfte ausgesprochen", erklärte eine Sprecherin. Ein Polizist solle zudem suspendiert werden.

Die Beamten gerieten ins Visier der Staatsanwaltschaft, nachdem gegen einen 38 Jahre alten Polizisten aus Rheinland-Pfalz Ermittlungen eingeleitete worden waren.

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Dem Mann, der zuletzt ebenfalls beim SEK des Polizeipräsidiums Frankfurt am Main eingesetzten wurde, wird unter anderem der Besitz und die Verbreitung kinderpornografischer Schriften vorgeworfen.

Bei der Untersuchung von Mobiltelefonen, die bei dem 38-Jährigen sichergestellt wurden, stießen Ermittler auf mehrere Chat-Gruppen, in denen "Abbildungen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation" weitergegeben wurden.

Die besagten Beiträge stammten vorwiegend aus den Jahren 2016 und 2017. Die letzten relevanten Inhalte seien in geringer Anzahl in Chats von Anfang des Jahres 2019 festgestellt worden.

Ferner werde gegen drei der Beschuldigten wegen des Verdachts der Strafvereitelung im Amt ermittelt, da sie als Vorgesetzte die volksverhetzende Kommunikation nicht unterbunden hätten.

Auch wegen "NSU 2.0"-Drohschreiben wurde bei Frankfurter Polizei ermittelt

Das Polizeipräsidium Frankfurt wird nicht zum ersten Mal mit rechtsextremistischen Umtrieben in Verbindung gebracht. Auch bei dem Skandal um die mit "NSU 2.0" unterschriebenen Drohschreiben stand die Frankfurter Polizei lange im Zentrum der Ermittlungen.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass die hessische SPD-Partei- und Fraktionschefin Nancy Faeser (50) erneut einen mit "NSU 2.0" unterschriebenen Brief erhalten hat.

Ob und wenn ja inwieweit der "NSU 2.0"-Komplex aber überhaupt mit den nun verdächtigten SEK-Beamten aus Frankfurt in Zusammenhang steht, ist gegenwärtig völlig unklar.

Titelfoto: Montage: dpa/Jan Woitas, dpa/Boris Roessler

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