"Schweigen und Wegsehen": Anwältin im Halle-Prozess gibt Eltern von Stephan Balliet Mitverantwortung

Magdeburg - Im Prozess um den rechtsterroristischen Anschlag auf die Synagoge in Halle hat eine Vertreterin der Nebenklage die Familie des Angeklagten für die Taten mitverantwortlich gemacht.

Der Angeklagte Stephan Balliet (28) hat die Taten gestanden.
Der Angeklagte Stephan Balliet (28) hat die Taten gestanden.  © Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

"Die Eltern tragen eine große moralische Verantwortung", sagte die Anwältin Assia Lewin am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht (OLG) Naumburg. Sie vertritt zwei Überlebende aus der Synagoge.

Mindestens durch "Schweigen, Wegsehen und Unter-den-Teppich-kehren", hätten die Eltern, bei denen der Angeklagte bis zuletzt wohnte, die Radikalisierung und Bewaffnung ihres Sohnes zugelassen.

Eltern und Schwester hatten vor Gericht die Aussage verweigert, laut dem Angeklagten aber nichts von den Plänen gewusst. Der 28-Jährige hatte im Verfahren empfindlich auf Fragen zu seiner Familie reagiert.

Lewin stimmte ihn am Mittwoch darauf ein, dass er seine Familie nie wieder in Freiheit begegnen werde und diese sich für ihn schämen müsse.

Lewin wandte sich in ihrem Schlussvortrag auch direkt an den Angeklagten. "Ihre Taten waren weder mutig noch heroisch, sondern feige und verachtenswert", warf sie dem Mann vor. "Niemand wird sich an Sie erinnern."

Urteil am 21. Dezember erwartet

Am 9. Oktober 2019 hatte ein Terrorist versucht, 51 Menschen zu töten, die in der Synagoge von Halle den höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur feierten. Er scheiterte an der massiven Tür, erschoss daraufhin die Passantin Jana L. und später in einem Döner-Imbiss Kevin S.. Auf der anschließenden Flucht verletzte er weitere Menschen (TAG24 berichtete).

Der Prozess läuft seit Juli vor dem OLG Naumburg, aus Platzgründen findet er jedoch in Magdeburg statt.

Der 28-jährige Deutsche Stephan Balliet hat die Taten gestanden und mit antisemitischen, rassistischen und antifeministischen Verschwörungstheorien begründet.

Die Bundesanwaltschaft fordert eine lebenslange Haftstrafe mit anschließender Sicherheitsverwahrung und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Das Urteil erwartet das Gericht am 21. Dezember.

Titelfoto: Ronny Hartmann/dpa-Zentralbild/dpa

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