Anwalt soll NSU-Opfer erfunden haben: Zwei Jahre Haft gefordert

Aachen/Köln – In einem Prozess gegen einen Rechtsanwalt, der ein Opfer der Neonazi-Terrorzelle NSU erfunden haben soll, hat die Staatsanwaltschaft zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert.

Ein Anwalt hat für die Vertretung eines offenbar erfundenen NSU-Opfers 200.000 Euro aus der Staatskasse bezogen.
Ein Anwalt hat für die Vertretung eines offenbar erfundenen NSU-Opfers 200.000 Euro aus der Staatskasse bezogen.  © Oliver Berg/dpa

Daneben soll der Jurist für zwei Jahre seinen Beruf im Strafbereich nicht mehr ausüben dürfen. Der Angeklagte hat sich demnach des gewerbsmäßigen Betrugs in Tateinheit mit Urkundenfälschung schuldig gemacht.

Die Verteidigung werde am kommenden Donnerstag plädieren, sagte ein Sprecher des Landgerichts Aachen am Donnerstag.

Der Anwalt vertrat nach Angaben der Staatsanwaltschaft beim NSU-Prozess in München ein Opfer des Nagelbombenanschlags der Rechtsterroristen in der Kölner Keupstraße. Dieses Opfer gab es aber gar nicht.

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Dafür habe der Anwalt mehr als 200.000 Euro aus der Staatskasse bezogen. Zudem habe er im Loveparade-Prozess vor dem Landgericht Duisburg versucht, ein vermeintliches Opfer der Techno-Party zu vertreten.

Am 9. Juni 2004 hatten NSU-Mitglieder vor einem Friseursalon in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe gezündet. 22 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. (Archivfoto)
Am 9. Juni 2004 hatten NSU-Mitglieder vor einem Friseursalon in der Kölner Keupstraße eine Nagelbombe gezündet. 22 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. (Archivfoto)  © Federico Gambarini/dpa

Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe. Er gibt an, stets in gutem Glauben gehandelt zu haben – so sei er davon ausgegangen, dass das NSU-Opfer tatsächlich existiere. Das Urteil wird am 30. November erwartet.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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