"NSU 2.0"-Prozess: Linken-Vorsitzende Wissler war "beunruhigt"

Frankfurt am Main - Bedrohliche und sexistische Äußerungen! Im Prozess um die "NSU 2.0"-Drohschreiben hat am Donnerstag die Linken-Politikerin Janine Wissler (40) als Zeugin zu Todesdrohungen und Beleidigungen ausgesagt.

Die Parteivorsitzende der Linken, Janine Wissler (40), sagte am Donnerstag im Rahmen des "NSU 2.0"-Prozesses aus.
Die Parteivorsitzende der Linken, Janine Wissler (40), sagte am Donnerstag im Rahmen des "NSU 2.0"-Prozesses aus.  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Sie habe die beiden ersten Drohschreiben mit der Unterschrift "NSU 2.0" im Februar 2020 erhalten, sagte die Bundesvorsitzende der Partei vor dem Landgericht Frankfurt. Zu diesem Zeitpunkt habe sie bereits von den Drohschreiben gegen die Frankfurter Anwältin Seda Basay-Yildiz (46) gewusst und sehr zügig das Landeskriminalamt (LKA) informiert.

"Natürlich hat mich das beunruhigt", sagte Wissler über die Schreiben, denen noch zahlreiche andere folgten. Sie habe auch Schutzmaßnahmen für ihre Wohnung getroffen. In den Texten kam es immer wieder zu beleidigenden, bedrohlichen und sexistischen Äußerungen.

In dem Verfahren muss sich ein 54 Jahre alter Mann aus Berlin verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft Alexander M. unter anderem Beleidigung in 67 Fällen, versuchte Nötigung und Bedrohung vor.

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Außerdem geht es um die öffentliche Aufforderung zu Straftaten, um Volksverhetzung, um den Besitz kinder- und jugendpornografischer Schriften sowie einen Verstoß gegen das Waffengesetz.

Alexander M. (54) zeigte vor dem Frankfurter Landgericht den Stinkefinger

Der Angeklagte im "NSU 2.0"-Prozess konnte sich während den Verhandlungen am 17. Februar nicht angemessen benehmen und zeigte obszöne Gesten im Gerichtssaal.
Der Angeklagte im "NSU 2.0"-Prozess konnte sich während den Verhandlungen am 17. Februar nicht angemessen benehmen und zeigte obszöne Gesten im Gerichtssaal.  © Arne Dedert/dpa Pool/dpa

Angeklagter bestritt die Drohschreiben verfasst zu haben

Die Serie der Drohschreiben hatte im August 2018 mit Todesdrohungen gegen Basay-Yildiz und ihre Familie begonnen. Die Schreiben waren mit "NSU 2.0" unterzeichnet - in Anspielung auf die rechtsextreme Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU).

Unter den Adressaten der Schreiben waren Privatpersonen und Personen des öffentlichen Lebens sowie Behörden. Besonders häufig betroffen und heftigen Beleidigungen und Drohungen ausgesetzt waren Frauen, die öffentlich engagiert und erfolgreich sind.

In seiner Einlassung in der vergangenen Woche hatte Alexander M. bestritten, die Schreiben verfasst zu haben.

Titelfoto: Bernd von Jutrczenka/dpa

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