Platz in Nürnberg soll nach erstem NSU-Opfer Şimşek benannt werden

Nürnberg - Vor nunmehr 21 Jahren begann in Nürnberg die Mordserie des Neonazi-Trios NSU. Das erste Opfer war der 38-jährige Enver Şimşek. Ein nach ihm benannter Platz soll künftig an ihn und die NSU-Verbrechen erinnern.

Erinnerung ist wichtig: Eine Gedenktafel an den vom NSU ermordeten Enver Şimşek (†38) steht am Tatort.
Erinnerung ist wichtig: Eine Gedenktafel an den vom NSU ermordeten Enver Şimşek (†38) steht am Tatort.  © Daniel Karmann/dpa

Am 9. September des Jahres 2000 erschoss im Bayern die rechtsextremistische Terrorgruppe "Nationalsozialistischer Untergrund" den wehrlosen Blumenhändler Şimşek. Zu seinem 21. Todestag will die Stadt Nürnberg nun einen Platz am Tatort in der Liegnitzer Straße nach dem ersten Opfer benennen.

Am kommenden Mittwoch (21. Juli) wird der Stadtrat über entsprechende Pläne abstimmen.

Eine Mehrheit dafür gilt als wahrscheinlich, da sich die Stadtratsfraktionen von CSU, SPD, Grünen und Die Linke bereits in Anträgen für eine solche Umbenennung des Platzes ausgesprochen haben - als Gedenken an das erste Opfer des NSU und als Mahnung, wie es im CSU-Antrag heißt.

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Die Einweihung ist nach Angaben des Menschenrechtsbüros der Stadt im Anschluss für den 13. September geplant.

Zwischen 2000 und 2007 brachte die Terrorzelle acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin um.

Drei der Verbrechen geschahen in Nürnberg: Nach Şimşek wurden 2001 der 49-jährige Änderungsschneider Abdurrahim Özüdoğru und 2005 der 50-jährige Imbissbesitzer Ismail Yaşar getötet. Auch nach ihnen sollen an den Tatorten Straßen oder Plätze benannt werden, fordern SPD, Grüne und Die Linke in einem gemeinsamen Antrag.

Gedenken an Opfer der NSU-Mordserie

Ein Bündnis von Vereinen und Parteien hatte bereits im vergangenen Jahr zum 20. Todestag von Şimşek gefordert, das Gedenken an die Opfer der NSU-Mordserie in der Stadt sichtbarer zu machen - unter anderem mit Gedenktafeln oder Mahnmalen sowie der Umbenennung der Straßen oder Plätze an den Tatorten.

Über ein Gesamtkonzept der Erinnerungskultur will der Stadtrat am Mittwoch ebenfalls abstimmen.

Titelfoto: Daniel Karmann/dpa

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