Rest der Strafe auf Bewährung: NSU-Waffenbeschaffer ist wieder frei

München - Der als Waffenbeschaffer der Terrorgruppe NSU verurteilte Carsten S. ist wieder auf freiem Fuß. 

Carsten S. sitzt beim NSU-Prozess und verbirgt sein Gesicht hinter einer Kapuze. (Archiv)
Carsten S. sitzt beim NSU-Prozess und verbirgt sein Gesicht hinter einer Kapuze. (Archiv)  © Tobias Hase/dpa

Der Rest seiner dreijährigen Jugendstrafe sei zur Bewährung ausgesetzt worden, bestätigte sein Anwalt Johannes Pausch. 

Die Tageszeitung "taz" hatte zuvor darüber berichtet. S. war im Rahmen des NSU-Urteils im Juli 2018 verurteilt worden. Zunächst hatte er Revision eingelegt, diese dann aber anders als andere Prozessbeteiligte wieder zurückgezogen.

Laut "taz" ist S. bereits seit dem 12. Juni wieder in Freiheit. Er organisiere derzeit seinen Alltag neu und sei auf Jobsuche, sagte Pausch der Zeitung. Er bereue seine Tat bis heute sehr. "Aber er ist auch zuversichtlich, jetzt ein neues Leben beginnen zu können." Wo er sich aufhält, ist jedoch geheim. S. sei im Zeugenschutzprogramm, erklärte Pausch.

Das Oberlandesgericht München hatte S. wegen Beihilfe zum Mord in neun Fällen schuldig gesprochen. Weil er zur Tatzeit Heranwachsender war, wurde er nach Jugendstrafrecht verurteilt. Er hatte gestanden, dem "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) die "Ceska"-Pistole übergeben zu haben, mit der die Neonazi-Terroristen später neun Menschen ausländischer Herkunft erschossen. 

Von den geplanten Morden will er nichts gewusst haben. Positiv hatte die Anklage sein Schuldeingeständnis und die Aufklärungshilfe gewertet. S. hatte auch einen der Mitangeklagten schwer belastet. 

Mehrere Angehörige von NSU-Opfern hatten im Prozess seine Reue anerkannt und ihm nach eigenem Bekunden verziehen.

Titelfoto: Tobias Hase/dpa

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