NSU-Prozesse kommen als Hörspiel-Doku: "Ein einzigartiges Stück Zeitgeschichte"

München - Eine zwölfstündige Hörspieldokumentation zeichnet das Verfahren um die Morde und Anschläge der Neonazi-Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) nach.

Die Angeklagte Zschäpe (46, l.) steht neben ihrem Anwalt Grasel im Gerichtssaal. (Archiv)
Die Angeklagte Zschäpe (46, l.) steht neben ihrem Anwalt Grasel im Gerichtssaal. (Archiv)  © Peter Kneffel/dpa-Pool/dpa

Unter Federführung des Bayerischen Rundfunks (BR) ist das Projekt "Saal 101" erarbeitet worden, wie der öffentlich-rechtliche Sender am Freitag in München mitteilte. Ausgestrahlt wird es in 24 Teilen vom 19. Februar an in den Kultur- und Informationswellen der ARD und im Deutschlandfunk.

Das Dokumentationshörspiel basiere auf einer Sammlung von Prozess-Protokollen der ARD-Gerichtsreporter, hieß es weiter.

"Diese über 6000 Seiten umfassenden Protokolle sind ein einzigartiges Stück Zeitgeschichte: Es existiert kein Prozess-Mitschnitt in Ton oder Bild", heißt es in einer Pressemitteilung. Die mündlichen Verhandlungen seien an allen 438 Prozesstagen protokolliert worden.

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Der NSU hatte zwischen 2000 und 2007 in Deutschland insgesamt zehn Menschen ermordet. Es handelte sich um acht türkischstämmige und einen griechischstämmigen Kleinunternehmer sowie eine Polizistin.

Am 11. Juli 2018 war in München das Urteil verkündet worden. Das Oberlandesgericht hatte Beate Zschäpe, die einzige Überlebende des Trios, als Mittäterin zu lebenslanger Haft verurteilt.

Als Sprecher an der Produktion mitgewirkt haben unter anderem die Schauspielerin Martina Gedeck ("Das Leben der Anderen") sowie die Schauspieler Thomas Thieme, Thomas Schmauser und Michael Rotschopf. Der Titel des Hörspiels geht auf die Nummer des Saals zurück, in dem verhandelt wurde.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa-Pool/dpa

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