Wildromantische Bergwelt lädt zum Wandern auf der Spur der Steine

Oberwallis (Schweiz) - Achtet auf den Weg! Diese Aufforderung bekommt in den Bergen des Oberwallis und ganz besonders im Binntal doppelte Bedeutung. Das wildromantische Seitental des Goms ist ein geologischer Hotspot. Wer mit offenen Augen durchs Tal und über die Höhen wandert, entdeckt nicht nur eine vielfältige Flora und Fauna, sondern kann mit etwas Glück auch einen außergewöhnlichen Stein oder gar einen Kristall mit heimnehmen.

Das Wandern im Oberwallis ist zauberhaft. Die Wälder sind tief und Felsen und Steine am Wegesrand funkeln und schimmern, als ob Feen sie mit Glimmer und Glitzer bestäubt hätten.
Das Wandern im Oberwallis ist zauberhaft. Die Wälder sind tief und Felsen und Steine am Wegesrand funkeln und schimmern, als ob Feen sie mit Glimmer und Glitzer bestäubt hätten.  © picture alliance/Zoonar/Georg

Das Binntal genießt weltweit Berühmtheit für seine Mineralienvielfalt. Über 270 verschiedene Arten gibt es dort. Mehr als ein Dutzend davon findet man sonst nirgendwo auf der Erde. Diese Steine tragen die Region im Namen, heißen Lengenbachit oder Wallisit. Große internationale Museen schmücken ihre Sammlungen mit ihnen.

Strahler nennen die Schweizer die Schatzsucher, die ins Tal kommen, um Mineralien zu suchen. Diese Jäger und Sammler der Neuzeit gehen ausgerüstet mit Werkzeugen wie Hammer und Meißel ins Gebirge. Lokale Führer können ihnen die guten Plätze zeigen. Die einheimischen Profis wissen, wie die Felsen und Steine zu lesen sind.

Das Strahlen und Handeln mit den Mineralien war früher ein willkommenes Zubrot für die Bauernfamilien in dem abgelegenen Tal.

Das Binntal – weltberühmt für seine Mineralienvielfalt

Kopf in den Stein stecken! Im Klangstein gibt es was auf die Ohren.
Kopf in den Stein stecken! Im Klangstein gibt es was auf die Ohren.  © privat

Wer keine Lust zum Suchen hat, wird "mühelos" auf dem Gesteinserlebnisweg (1,25 km lang) in Fäld fündig. An elf Stationen werden die Gesteine des Binntals vorgestellt. Exklusive Erfahrungen warten dabei auf alle Neugierigen.

So kann man am Klangloch in den Stein hineinlauschen und zum Beispiel auf einem Lithophon Melodien spielen. Die lehrreiche "Spur der Steine" endet auf dem "Klopfplatz" vor der Mineraliengrube Lengenbach.

Dort darf jedermann im Abraum der Grube nach unentdeckten Kostbarkeiten Ausschau halten und vielleicht steinreich mit Taschen voller goldgelbem Pyrit (Katzengold) zurückkehren.

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Während die Mineralien nicht ganz einfach zu finden sind, können Wanderer die Gesteine auf Schritt und Tritt in der Region entdecken und studieren.

Glänzende Felswände, bizarre Gesteinsformationen, farbig geäderte Kiesel, Klumpen und Platten machen jede Tour über Stock und Stein zu einem Augenschmaus und Fest der Sinne.

Angesichts der glitzernden Kostproben der Alpenschätze auf und am Weg kommt man allerdings auch leicht ins Grübeln und atemlos in Zwiespalt: Was ist hier schöner – die Aussicht auf die Gipfel oder das Gestein?

Brig hat viel zu bieten

Das Stockalperschloss wurde zwischen 1651 und 1671 in Brig erbaut. Das Wahrzeichen der Stadt beherbergt heute ein Museum.
Das Stockalperschloss wurde zwischen 1651 und 1671 in Brig erbaut. Das Wahrzeichen der Stadt beherbergt heute ein Museum.  © imago stock&people/Uwe Gernhoefer

Brig ist die lebendigste Stadt des Wallis. Sie atmet südländische Lebenslust und bietet sich als Ausgangspunkt für Bergtouren genauso an wie zum Krafttanken.

Brig besitzt mit seinen Thermalbädern, der Sebastianskapelle und dem Stockalperschloss aus dem 17. Jahrhundert Besuchermagnete. Für Wintersportler interessant: Der Aletschgletscher und zum Beispiel die Simplon-Skigebiete liegen ganz in der Nähe.

Die historische Stadt im Tal der jungen Rhone ist ein Verkehrsknotenpunkt. Sie liegt am Fuße des Simplonpasses, der nach Italien führt.

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In weniger als zwei Stunden ist man von dort in Zermatt, Chamonix, Stresa oder Interlaken. Aber auch – dank bester Bahnverbindungen Richtung Süden – in der Kunst- und Modemetropole Mailand.

In Irmis Hütte herrscht Ruhe, auch wenn's mal voller wird

Ein dichtes Wegenetz erschließt Wanderern die Bergwelt oberhalb von Brig. Die Bortelhütte bietet sich dort für Erkundungen an. Sie ist ein gastlicher Ort zum Rasten, Essen und Nächtigen. Die gute Seele des Hauses heißt Irmi. Als Hüttenwirtin erlebt sie 2021 ihre vierte Saison im Gebirge.

"Hier oben ist es herrlich. Der Stress bleibt im Tal", schwärmt die 57-Jährige von ihrem Arbeitsplatz. Die gelernte Restaurantfachfrau aus dem Kanton Aargau hat die Hütte des Ski-Clubs Simplon-Brig gepachtet. Das urige Haus unterhalb vom angestauten Bortelsee besitzt 16 Schlafplätze. Himmlische Ruhe herrscht dort.

Bortelhütte ist nur zu Fuß erreichbar

Hüttenwirtin Irmi genießt die Sonne auf der Bank vor der Bortelhütte.
Hüttenwirtin Irmi genießt die Sonne auf der Bank vor der Bortelhütte.  © privat

Die Bortelhütte kann man nur zu Fuß und im Sommerhalbjahr erreichen.

Keine Seilbahn oder Straße bringt eilige Gäste herauf. Irmi schätzt das sehr: "Ich arbeite hier in einer herrlichen Umgebung und genieße die ruhigen Momente in der Natur. Ich liebe den Kontakt zu den Menschen, den mir die Arbeit auf der Hütte beschert."

Der Sommerjob auf der Hütte beschenkt und fordert gleichermaßen. Irmi scherzt und lacht:

"Wenn hier große Gruppen einkehren, müssen meine Helfer und ich in der Küche rotieren."

Dies kommt inzwischen nicht selten vor: Dass die selbst gebackenen Kuchen und leckeren Mehlspeisen von Irmi ein Gedicht sind, hat sich inzwischen weit herumgesprochen.

Hinkommen & Übernachten

Hinkommen: Entspannt mit der Bahn ab Dresden. Verbindungen über Fulda – Basel – Brig. Weiter im Wallis mit dem Glacier-Express, der Regional-Bahn und/oder dem Postbus.

Essen: Feinschmecker sollten im Binntal in Binn unbedingt im "Albrun" von Mario Inderschmitten einkehren. Der vom Gault Millau zurecht hochgelobte Koch serviert dort das Beste, was das Wallis zu bieten hat. Sein Hotel/Restaurant ist ein Himmelreich – nicht nur für Gourmets.

Übernachten: Das gastliche Wallis hat von der einfachen Berghütte über die Klosterzelle bis hin zum Sternehotel alles zu bieten. Alle diese Häuser besitzen unverwechselbaren Charme. Es lohnt sich darum, die Herberge vor Ort ruhig öfter zu wechseln.

Titelfoto: picture alliance/Zoonar/Georg, 123rf

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