Hersteller freuen sich über Trend zum Mobil-Urlaub: In Sachsen boomen die Camper

Dresden - Freiheit auf vier Rädern: Das Lebensgefühl, ungebunden und frei unterwegs zu sein, kann heute jeder erleben. Rein in den Camper, losfahren und mit grenzenloser Spontaneität durch die Länder ziehen. Individual-Urlaub im Wohnmobil und Caravan ist derzeit beliebter denn je. Noch nie waren so viele Transporter, Bullis und Wohnmobile auf den Straßen unterwegs. Das Geschäft mit den Campervans boomt - auch in Sachsen!

Abstand garantiert: Im Zuge der Pandemie sind viele Urlauber auf mobile Unterkünfte umgestiegen.
Abstand garantiert: Im Zuge der Pandemie sind viele Urlauber auf mobile Unterkünfte umgestiegen.  © Ronald Bonss

Trotz Reiselockerungen und Impffortschritt haben die Pandemie und die damit verbundenen Unsicherheiten die Reisebranche noch fest im Griff. Corona hatte dem Hotel- und Gaststättengewerbe während des monatelangen Lockdowns ordentlich in die Suppe gespuckt. Währenddessen hat die Camper-Branche eine wahre Renaissance erfahren.

Den Boom spürt auch der Reisemobil-Hersteller Capron in Neustadt/Sachsen. Denn dort kommt man mit der Produktion neuer Fahrzeuge kaum hinterher, die Modelle sind gefragt wie nie.

"Caravaning und individuelles Reisen hat sich in den vergangenen Jahren zum Megatrend entwickelt. Die Corona-bedingten Einschränkungen bei anderen Reiseformen hat diese Art zu reisen noch einmal attraktiver gemacht", sagt Daniela Kauf (38) aus der Abteilung Unternehmenskommunikation.

Skiurlaub in Österreich in Coronavirus-Zeiten: Das sollten Reisende wissen
Reisen Skiurlaub in Österreich in Coronavirus-Zeiten: Das sollten Reisende wissen

Und weil die Nachfrage so hoch ist, investiert Capron derzeit kräftig in den Ausbau der Fabrik. "Wir werden im Sommer 2022 eine dritte Montagelinie in Betrieb nehmen, wo vor allem die gefragten kompakten Camper Vans produziert werden", sagt Kauf. Zudem werde in den nächsten Monaten großzügig eingestellt. Zu Produktions- und Verkaufszahlen hält sich das Unternehmen bedeckt.

Nur so viel sei gesagt: Ein bezugsfertiges Wohnmobil made in Saxony gibt es ab 35.000 Euro.

"Vanlife": Transporter und Bullis beliebt wie noch nie

Felix Georgi (38) und Christopher Möckel (34) bauen Vans nach den individuellen Wünschen ihrer Kunden aus.
Felix Georgi (38) und Christopher Möckel (34) bauen Vans nach den individuellen Wünschen ihrer Kunden aus.  © Uwe Meinhold

Vor etwa fünf Jahren schwappte ein neuer Trend zu uns nach Deutschland. Man war auf einmal nicht mehr nur Camper, das neue Lebensgefühl heißt jetzt "Vanlife", der Inbegriff des Individualurlaubs.

Schnell bildete sich eine große (und stets wachsende) Gemeinde, die einfach und selbstbestimmt auf ihrem fahrbaren Untersatz reist oder sogar lebt. Mit dem Vanlife wurde auch die Nische der Do-it-yourself-Camper, also der selbst ausgebauten Fahrzeuge, immer populärer.

Sowohl gebrauchte als auch neue Transporter und Bullis gehen weg wie warme Semmeln und werden von ihren stolzen Besitzern zu gemütlichen Wohnmobilen ausgebaut. Nicht selten investieren Camper ein kleines Vermögen in ihr Heim auf vier Rädern.

Tausende Beben auf Urlaubsinsel! Vulkanausbruch befürchtet, Evakuierung vorbereitet
Reisen Tausende Beben auf Urlaubsinsel! Vulkanausbruch befürchtet, Evakuierung vorbereitet

Christopher Möckel (34) aus dem Erzgebirge hat das Potenzial erkannt und vergangenes Jahr sein Startup Christophervanlife in Schwarzenberg gegründet. Gemeinsam mit seinem Kollegen Felix Georgi (38) baut der gelernte KfZ-Mechatroniker Busse, Bullis, Vans und Co. zu individuellen Heimen auf vier Rädern um.

Ob Rahmenverlängerung, Küchenzeilen oder eine eingebaute Shishapfeifen-Halterung - Möckel und Georgi erfüllen den Weltenbummlern jeden noch so technisch kniffligen Wunsch oder stehen ihnen beim Ausbau mit Rat zur Seite.

"Die Leute sind gesättigt von Hotel-Buffets und genervt von den Corona-Regeln", beschreibt Christopher Möckel den Camper-Trend. "Es ist ein bisschen wie mit der Mode: Der Hippie-Lifestyle kommt zurück - genau wie zum Beispiel die Schlaghose." Derzeit sucht Möckel eine neue Immobilie, um das Unternehmen zu vergrößern.

"Wir haben zu wenig Platz und kommen kaum noch hinterher mit den Anfragen."

Halten, wo und wann man will: Mit dem Camper lässt sich der Urlaub frei gestalten.
Halten, wo und wann man will: Mit dem Camper lässt sich der Urlaub frei gestalten.  © 123rf/AXXEL6VIEW-APART

Wo ist Campen erlaubt?

Die Freiheit auf vier Rädern ist mittlerweile ein Lebensgefühl geworden.
Die Freiheit auf vier Rädern ist mittlerweile ein Lebensgefühl geworden.  © PR/Capron

Campen ist laut ADAC in Deutschland nur auf Campingplätzen erlaubt. Laut StVO darf aber zur "Wiederherstellung der Fahrtauglichkeit" als "Notfallausnahme" eine Nacht auf Parkplätzen und am Straßenrand im eigenen Fahrzeug verbracht werden.

Wer auf Nummer sicher geht, der steigt auf einem der zahlreichen Stell- und Campingplätze ab. So wie beim Caravan Camping Sächsische Schweiz in Gohrisch: 72 Stellplätze gibt es am Fuße des Elbsandsteingebirges.

"Bei uns ist es immer voll, aber die Nachfrage ist derzeit so hoch wie nie zuvor", sagt Geschäftsführer Matthias Straßberger. Den Trend beobachtet er seit etwa fünf Jahren.

Laut Kraftfahrtbundesamt ist der Bestand an Wohnmobilen in Sachsen um knapp 73 Prozent gestiegen.

Nach einem Run auf die Reisemobile von Capron muss das Unternehmen nun die Produktion erweitern.
Nach einem Run auf die Reisemobile von Capron muss das Unternehmen nun die Produktion erweitern.  © PR/Capron

Zu Beginn des Jahres waren in Sachsen zu Beginn des Jahres rund 20 .000 Wohnmobile unterwegs, vier Jahre zuvor waren es noch etwa 11.500 Fahrzeuge.

Titelfoto: PR/Capron

Mehr zum Thema Reisen: