Aus für Kreuzfahrtriesen in Venedigs Altstadt

Von Natalie Skrzypczak und Johannes Neudecker

Venedig - Große Kreuzfahrtschiffe sollen ab dem 1. August nicht mehr durch Teile der Lagune in Venedig fahren. Die Regierung unter Ministerpräsident Mario Draghi (73) entschied am Dienstagabend über ein Durchfahrverbot für die Kreuzfahrtriesen.

Ein Kreuzfahrtschiff fährt durch den Giudecca-Kanal vor dem Markusplatz in Venedig. (Archivbild)
Ein Kreuzfahrtschiff fährt durch den Giudecca-Kanal vor dem Markusplatz in Venedig. (Archivbild)  © Andrew Medichini/AP/dpa

Konkret sollen die Schiffe nicht mehr durch den Canale della Giudecca, das Bacino di San Marco (Markus-Becken) und den Canale di San Marco im historischen Zentrum fahren. Es sei ein wichtiger Schritt zum Schutz der Lagune, hieß es in einer Mitteilung.

Die Maßnahme betrifft dem Dekret zufolge Kreuzfahrtschiffe mit mehr als 25.000 Bruttoregistertonnen oder einer Länge über 180 Metern beziehungsweise mehr als 35 Metern Höhe. Es gilt auch für Pötte, die gewisse Abgasnormen überschreiten.

Dagegen dürfen Schiffe, die als nachhaltig gelten oder nicht unter die Kriterien für das Verbot fielen, weiterhin die Lagune passieren. Es könne sich dabei etwa um Kreuzfahrtschiffe mit einer Größenordnung von rund 200 Passagieren handeln.

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Als Übergangslösung sollen die Kreuzfahrtschiffe auf den Hafen in Marghera ausweichen, der am Festland liegt und nicht im historischen Zentrum Venedigs. In dem Industriehafen legen derzeit meist Frachter an.

Infrastrukturminister Enrico Giovannini (64) will unter anderem für die Anlegestellen dort 157 Millionen Euro ausgeben. Der Hafen dürfte aber nur eine temporäre Lösung bleiben, denn gleichzeitig sucht der Hafen von Venedig einen dauerhaften Anlegeplatz für die Zukunft.

Kritiker: Riesenschiffe beschädigen die Fundamente der Stadt

Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen von Venedig.
Kreuzfahrtschiffe liegen im Hafen von Venedig.  © Luca Bruno/AP/dpa

Eine Expertenkommission will dafür in den kommenden beiden Jahren Vorschläge entgegennehmen und sie auf ihre Machbarkeit prüfen.

Bis zum 30. Juni 2023 soll das Gewinnerprojekt feststehen. Giovanninis Ministerium will dafür 2,2 Millionen Euro investieren.

Der Verband der Kreuzfahrt-Reedereien begrüßte die Maßnahme und hofft damit auf mehr Planungssicherheit in Venedig.

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Seit Jahren streiten Aktivisten, Einheimische und die Tourismus-Industrie um die Kreuzer in der Lagune, die regelmäßig mit ihrer imposanten Größe den Canale della Giudecca und gleichzeitig den berühmten Markusplatz passieren, ein beliebter Ort für Touristen.

Nach Ansicht der Kritiker zerstören die Riesenschiffe die Umwelt in der Lagune, beschädigen die Fundamente der Stadt und verschmutzen die Luft.

Der Kreuzfahrttourismus bringe der Stadt auch wenig wirtschaftliche Vorteile, weil die Passagiere dort nicht schliefen und oft nur wenig Geld ausgäben.

Ein Kreuzfahrtschiff fährt am Markusplatz in Venedig vorbei.
Ein Kreuzfahrtschiff fährt am Markusplatz in Venedig vorbei.  © Luca Bruno/AP/dpa

Welterbestatus der Unesco

Mit dem nun verhängten Verbot dürfte Rom auf die jüngsten Forderungen der UN-Kulturbehörde Unesco eingehen. Ihre Experten hatten vor wenigen Wochen vorgeschlagen, Venedig auf eine Negativ-Liste für gefährdetes Weltkulturerbe zu setzen, unter anderem wegen der Kreuzfahrtriesen. Sie verlangten zum Beispiel, die Schiffe zu geeigneteren Häfen in der Umgebung umzuleiten. Ab Mitte Juli könnte eine Entscheidung darüber fallen.

Venedig und seine Lagune haben seit 1987 den Welterbestatus der Unesco.

Titelfoto: Andrew Medichini/AP/dpa

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