Winterberg riegelt sich ab: Touristen pinkeln wild umher

Winterberg - Trotz eines Betretungsverbots sind auch am Sonntag wieder viele Tagesausflügler nach Winterberg im verschneiten Sauerland gefahren. Die Polizei riegelte daraufhin wichtige Zufahrtsstraßen ab.

Nordrhein-Westfalen, Winterberg: Absperrungen blockieren die Zufahrt zu einem Parkplatz im Skigebiet in Winterberg.
Nordrhein-Westfalen, Winterberg: Absperrungen blockieren die Zufahrt zu einem Parkplatz im Skigebiet in Winterberg.  © Henning Kaiser/dpa

Es komme jetzt praktisch niemand mehr rein, sagte eine Sprecherin der Stadt.

"Wir haben gestern Abend noch ein Betretungsverbot ausgesprochen, aber die Leute sind trotzdem wieder hierhergekommen", berichtete sie.

Die Sperrungen am Sonntag führten den Angaben zufolge teilweise zu einer Verlagerung des Wintersports in angrenzende Gebiete.

Auch in Hellenthal in der Eifel war der Andrang so groß, dass die Polizei die Zufahrtswege zu beliebten Hängen sperrte. Es herrsche enormer Betrieb, sagte ein Polizeisprecher.

Winterberg hatte in den vergangenen Tagen unter Hinweis auf die Ansteckungsgefahr mit Corona und den Lockdown immer wieder darum gebeten, auf Ski- und Rodelspaß zu verzichten.

"Bleibt zuhause!", hieß die Botschaft. Dies stieß aber nur teilweise auf Gehör. "Trotzdem setzen sich einige in die Autos und fahren trotzdem hier runter", sagte ein Polizeisprecher am Sonntag.

"Was diese Menschen bewegt, kann ich nicht sagen. Unser Appell ist nach wie vor: Es ist nicht der richtige Zeitpunkt für Schnee-Ausflüge, für Menschenansammlungen."

Touristen benehmen sich in Winterberg daneben

Die Polizei und das Ordnungsamt kontrollierten Pisten und Wanderstrecken.
Die Polizei und das Ordnungsamt kontrollierten Pisten und Wanderstrecken.  © Henning Kaiser/dpa

Polizei und Ordnungsbehörden in Winterberg stellten am Sonntag über 270 Verstöße fest.

Demnach wurden zwei Strafanzeigen wegen Körperverletzung erstattet, 150 Verwarngelder wegen Parkverstößen verhängt, außerdem 26 Verwarngelder für Verkehrsverstöße, drei Ordnungswidrigkeitenanzeigen, 63 Platzverweise, sechs Verstöße gegen die Maskenpflicht, 19 Verstöße gegen das Betretungsverbot und fünf Verstöße gegen die Kontaktbeschränkung.

Am Samstag wurden mit insgesamt 280 Verstößen gegen Corona-Regeln bereits ähnlich viele festgestellt.

Dazu gehörten allein 176 Verstöße gegen die Maskenpflicht und 94 Verstöße gegen die Kontaktbeschränkung. Dazu kamen zwei Strafanzeigen, weil Einsatzkräfte beleidigt wurden und in einem anderen Fall bespuckt wurden.

Eine Sprecherin der Stadt Winterberg sagte, dass die Touristen ihren Müll teilweise einfach liegen ließen und sogar ihre Notdurft auf Privatgrundstücken oder in der freien Natur verrichteten. Öffentliche Toiletten sind wegen des Lockdowns nicht aufgestellt.

Update, 16.50 Uhr: Zum Wochenstart weniger Andrang in NRW-Wintersportgebieten

Nach großem Andrang am Wochenende hat die Gemeinde Hellenthal die Parkplätze abgeriegelt. Am Montag entspannte sich die Lage etwas.
Nach großem Andrang am Wochenende hat die Gemeinde Hellenthal die Parkplätze abgeriegelt. Am Montag entspannte sich die Lage etwas.  © Henning Kaiser/dpa

Die Maßnahmen gegen einen Ansturm von Touristen auf die Wintersportgebiete in der Eifel und im Sauerland scheinen Wirkung zu zeigen. Nach den chaotischen Zuständen am Wochenende blieb es am Montag weitgehend ruhig.

Es sei zudem davon auszugehen, dass nach der Pause über Weihnachten und Neujahr wieder mehr Menschen bei der Arbeit seien, sagte die Stadtsprecherin von Winterberg, Rabea Kappen.

Die verschneite Eifel-Gemeinde Hellenthal zog am Montag die Notbremse und sperrte fünf Parkplätze in den Höhengebieten. Das Schneetelefon der 8000-Einwohner-Gemeinde wies am Montag auf die geschlossenen Parkplätze, Kontrollen und mögliche Strafen hin. "Momentan ist alles entspannt", sagte ein Sprecher.

In Winterberg mussten Mitarbeiter des Ordnungsamts nur vereinzelt Menschen vom Betreten der Piste abhalten oder Anzeigen wegen Verstößen anfertigen. "Die Straßensperrungen vom Wochenende und die geltenden Betretungsverbote haben sicher viele Leute abgehalten", sagte Kappen.

Nach dem durch Staus und Hunderte Verstöße geprägten Wochenende könne man nun aufatmen in dem beliebten Wintersportort. "Erstmal zumindest. Zum Wochenende rechnen wir wieder mit ganz anderen Dimensionen", sagte Kappen.

Polizei und Ordnungskräfte zeigten auch am Montag deutliche Präsenz. Nach Angaben eines Polizeisprechers aus dem Hochsauerlandkreis war abermals die Bereitschaftspolizei zur Unterstützung ausgerückt.

"Wie wir für diesen Werktag erwartet haben, sind aber deutlich weniger Menschen unterwegs", sagte er. Insgesamt hätten sich viel weniger Auswärtige auf den Weg in die Skigebiete des Kreises gemacht.

Titelfoto: Henning Kaiser/dpa

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