Benedikt XVI. kritisiert Kirche in Deutschland scharf: "Glaube nur amtlich"

München/Freiburg - Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (94) geht mit Amtsträgern der katholischen Kirche in Deutschland ins Gericht.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (94) kritisiert die Einstellung von Kirchensprechern.
Der emeritierte Papst Benedikt XVI. (94) kritisiert die Einstellung von Kirchensprechern.  © Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

"So lange bei kirchenamtlichen Texten nur das Amt, aber nicht das Herz und der Geist sprechen, so lange wird der Auszug aus der Welt des Glaubens anhalten", schreibt er in Antworten auf Fragen der "Herder Korrespondenz", die die Zeitschrift in ihrer neuen Ausgabe veröffentlichen will.

Er erwarte "ein wirkliches persönliches Glaubenszeugnis von den Sprechern der Kirche".

Benedikt kritisierte: "In den kirchlichen Einrichtungen - Krankenhäusern, Schulen, Caritas - wirken viele Personen an entscheidenden Stellen mit, die den inneren Auftrag der Kirche nicht mittragen und damit das Zeugnis dieser Einrichtung vielfach verdunkeln."

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Amtliche Texte der Kirche in Deutschland würden weitgehend von Leuten geschrieben, "für die der Glaube nur amtlich ist", schreibt der frühere Kardinal Joseph Ratzinger. "In diesem Sinn muss ich zugeben, dass für einen Großteil kirchenamtlicher Texte in Deutschland in der Tat das Wort Amtskirche zutrifft."

Kritiker bewerten Aussagen des 2013 zurückgetretenen Papstes zur Kirchenpolitik immer wieder missbilligend, weil sie befürchten, er könne von konservativen Kräften in der katholischen Kirche als Gegenpapst zum amtierenden Franziskus in Stellung gebracht werden.

Update 10.25 Uhr: Theologe nennt Papst-Aussagen "bestenfalls naiv"

Die Einschätzung des emeritierten Papstes Benedikt XVI. über kirchliche Amtsträger in Deutschland nennt der Theologe Daniel Bogner "bestenfalls naiv".

Seine Aussage "ignoriert vollständig, dass man als Geweihter in der Katholischen Kirche mit ihrer monarchischen Kirchenverfassung eben nicht einfach nur Geistlicher sein kann, sondern mit diesem Amt immer auch eine ständegesellschaftliche und geschlechterdiskriminierende Grundordnung bestätigt wird, ob der einzelne Amtsträger das nun persönlich beabsichtigt oder nicht", sagte der Professor für theologische Ethik an der Universität Freiburg in der Schweiz der Deutschen Presse-Agentur.

Benedikt XVI. geht in einem Interview mit der "Herder Korrespondenz" mit Amtsträgern der katholischen Kirche ins Gericht und fordert mehr persönliche Begeisterung für den Glauben: "Solange bei kirchenamtlichen Texten nur das Amt, aber nicht das Herz und der Geist sprechen, so lange wird der Auszug aus der Welt des Glaubens anhalten", wird der frühere Kardinal Joseph Ratzinger darin zitiert. Er erwarte "ein wirkliches persönliches Glaubenszeugnis von den Sprechern der Kirche".

Bogner nennt das "paradox". "Die institutionelle Architektur übt ein Gewicht aus, das nicht so unschuldig vom persönlichen Handeln der Amtsträger getrennt werden kann, wie Ratzinger es tut", sagte er.

"Wenn der ehemals höchste Amtsträger der katholischen Kirche mit einer solchen Schlagseite vom Weiheamt redet, ist das bestenfalls naiv."

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa-pool/dpa

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