"Desaster": Minister Stamp und Bischof Bätzing kritisieren Kardinal Woelki

Düsseldorf/Bonn – Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (50, FDP) hat den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) kritisiert. Auch er Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing (59), hat dem Geistlichen Vorwürfe gemacht.

Kardinal Rainer Maria Woelki (64) steht wegen eines zurückgehaltenen Missbrauchsgutachtens weiterhin heftig unter Beschuss.
Kardinal Rainer Maria Woelki (64) steht wegen eines zurückgehaltenen Missbrauchsgutachtens weiterhin heftig unter Beschuss.  © Oliver Berg/dpa

"Wir müssen feststellen, dass die versprochene Aufklärungsarbeit des Erzbistums schweren Schaden genommen hat und so nicht mehr erkennbar ist", sagte Stamp in einem Interview mit der Welt-Zeitung.

"Das hat gerade bei vielen Opfern zu neuen Verletzungen geführt. Es darf nicht der öffentliche Eindruck entstehen, dass es jetzt mehr um Schadensbegrenzung der Amtskirche geht als um die Perspektive der Opfer."

Woelki solle sich einmal selbst prüfen, ob er noch glaubwürdig sei, denn sein Amt sei mit einem sehr hohen moralischen Anspruch verbunden.

"Das gilt auch für weitere Amtsträger, die die Aufklärung nicht konsequent genug vorangetrieben haben", sagte der Politiker. Zahlreiche Katholiken seien "sehr verärgert, teilweise sogar verstört".

Bätzing bestritt derweil, sich bisher nicht ausreichend von Woelki distanziert zu haben. "Ich habe gesagt, dass ich die Konfliktbearbeitung für ein Desaster halte. Ich habe gesagt, dass ich dem Kardinal Woelki eine ganz andere Empfehlung gegeben habe", sagte der Vorsitzende am Donnerstag zum Abschluss der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn.

Gleichzeitig gelte aber auch: "Ich nehme wahr, und das glaube ich ihm, dass er (Woelki) wirklich Aufklärung will." Loyalität bedeute, dass man ehrlich zueinander ist, "und davon können Sie ausgehen", sagte Bätzing.

Bei der Bischofskonferenz wurde offiziell nicht über Kardinal Woelki gesprochen

NRW-Familienminister Joachim Stamp (50, FDP) und der Bischof Georg Bätzing (59) haben Kardinal Rainer Maria Woelki (64) kritisiert. (Fotomontage)
NRW-Familienminister Joachim Stamp (50, FDP) und der Bischof Georg Bätzing (59) haben Kardinal Rainer Maria Woelki (64) kritisiert. (Fotomontage)  © Montage: Sascha Steinbach/EPA POOL/dpa, Marcel Kusch/dpa Pool/dpa

Bätzing sagte, die Bischofskonferenz habe bei ihrer dreitägigen Versammlung nicht mit Woelki darüber gesprochen, ob dieser zurücktreten sollte.

"Die Erwartung zu haben, dass wir jetzt über den Rücktritt von Kardinal Woelki sprechen auf der Ebene der Bischofskonferenz, das ist ein verkehrtes Erwartungsmanagement", sagte Bätzing.

Woelki hält ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs unter Verschluss. Er führt dafür rechtliche Gründe an. Dies hat im größten deutschen Bistum eine beispiellose Vertrauenskrise ausgelöst.

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