Kardinal Woelki räumt "systembedingte Vertuschung" im Erzbistum Köln ein

Köln - Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) will am heutigen Dienstag (10 Uhr) Konsequenzen aus dem vergangene Woche veröffentlichten Missbrauchsgutachten vorstellen.

Am Dienstag um 10 Uhr will der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) Konsequenzen aus dem vergangene Woche veröffentlichten Missbrauchsgutachten vorstellen.
Am Dienstag um 10 Uhr will der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) Konsequenzen aus dem vergangene Woche veröffentlichten Missbrauchsgutachten vorstellen.  © Andreas Arnold/dpa

Aus dem Gutachten hatte sich ergeben, dass aufgrund der noch verfügbaren Akten im Erzbistum Köln zwischen 1975 und 2018 314 Personen - meist Jungen unter 14 Jahren - Opfer von sexualisierter Gewalt geworden waren. Der Gutachter Björn Gercke stellte fest, "dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen".

Die Aktenführung des größten deutschen Bistums wurde als äußerst mangelhaft kritisiert. Mehreren Verantwortungsträgern des Erzbistums warf Gercke Pflichtverletzungen vor, so etwa dem früheren Personalchef und heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße und dem 2017 gestorbenen Kardinal Joachim Meisner.

Unmittelbar nach der Vorstellung des Gutachtens hatte Kardinal Woelki - der selbst nicht belastet wurde - den Kölner Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Kirchenrichter Günter Assenmacher beurlaubt. Noch am selben Tag bat Erzbischof Heße den Papst um seine Entlassung.

Am nächsten Tag wurde zudem der Kölner Weihbischof Ansgar Puff auf eigenen Wunsch von Woelki beurlaubt.

Update, 10.55 Uhr: Kardinal Rainer Maria Woelki hat "systembedingte Vertuschung" im Erzbistum Köln eingeräumt

Kardinal Rainer Maria Woelki hat "systembedingte Vertuschung" im Erzbistum Köln eingeräumt.

Das in der vergangenen Woche veröffentlichte Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsvorwürfen gegen Priester habe dies nachgewiesen, sagte Woelki am Dienstag. "Das hätte so nie passieren dürfen", sagte der Chef des größten deutschen Bistums. Deshalb müsse nun "rigoros gehandelt" werden, um dies für die Zukunft zu verhindern.

Woelki räumte "Chaos in der Verwaltung" sowie ein "System aus Schweigen, Geheimhaltung und mangelnder Kontrolle" ein. "Generell fehlte es an Mitgefühl, generell fehlte es an Empathie", konstatierte der Erzbischof.

Aus dem Gutachten hatte sich ergeben, dass aufgrund der noch verfügbaren Akten im Erzbistum Köln zwischen 1975 und 2018 314 Personen - meist Jungen unter 14 Jahren - Opfer von sexualisierter Gewalt geworden waren.

Der Gutachter Björn Gercke stellte fest, "dass sich Jahrzehnte offenbar niemand getraut hat, solche Fälle zur Anzeige zu bringen".

Mehreren Verantwortungsträgern des Erzbistums warf Gercke Pflichtverletzungen vor, so dem früheren Personalchef und heutigen Hamburger Erzbischof Stefan Heße und dem 2017 gestorbenen Kardinal Joachim Meisner. Heße hat dem Papst mittlerweile seinen Amtsverzicht angeboten.

Update, 13.25 Uhr: Vorwurf gegen Woelki

Der Kirchenrechtler Thomas Schüller hat dem Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki vorgeworfen, sich auf Kosten seines Vorgängers Joachim Meisner und anderer Bischöfe reinwaschen zu wollen.

"Woelki stilisiert sich zur Lichtgestalt der Aufklärung und opfert dafür seinen Mentor Meisner und seine Mitstreiter Schwaderlapp, Assenmacher und Puff", sagte Schüller der Deutschen Presse-Agentur.

"Er übernimmt keine politische Verantwortung. Das wird ihm auf die Füße fallen, denn ein Bischof ohne Vertrauen bei den Gläubigen mag formal Bischof bleiben, aber es fehlt ihm das Volk."

Titelfoto: Andreas Arnold/dpa

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