"Keine Hoheit": Deutsche Bischöfe machtlos im Fall Woelki

Bonn – Die derzeitige Vertrauenskrise im Erzbistum Köln belastet nach den Worten des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing (59), die gesamte katholische Kirche in Deutschland.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Georg Bätzing (59), hat seine Machtlosigkeit im Missbrauchsskandal um Kardinal Rainer Maria Woelki (64) erklärt.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Georg Bätzing (59), hat seine Machtlosigkeit im Missbrauchsskandal um Kardinal Rainer Maria Woelki (64) erklärt.  © Sascha Steinbach/epa Pool/dpa

"Das hat Auswirkungen auf die ganze katholische Kirche", sagte Bätzing am Dienstag in Bonn zum Auftakt der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe.

"Es hat bedauerlicherweise auch Auswirkungen auf die Mitglieder der evangelischen Kirche. Hier gibt es eine Haftungsgemeinschaft, die die Institutionen insgesamt trifft."

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) hat ein Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern gegen Priester in Auftrag gegeben, hält es aber seit rund einem Jahr unter Verschluss, wofür er rechtliche Gründe anführt.

Obwohl dieses Thema derzeit alle anderen Entwicklungen in der katholischen Kirche in Deutschland überlagert, ist es kein Tagesordnungspunkt der Vollversammlung.

Bätzing sagte dazu: "Wir haben keine Hoheit über den Kardinal hinweg oder ohne ihn oder an ihm vorbei in dieser Frage auch nur ein Stück weiterzukommen.

Insofern könne die Situation im Erzbistum Köln kein verhandelbarer und mit Ergebnissen zu führender Tagesordnungspunkt auf der Vollversammlung der Bischofskonferenz sein. Jeder Bischof ist unabhängig, die Bischofskonferenz besitzt keine Weisungsbefugnis.

ZdK-Präsident spricht von "katastrophaler Situation" und "Rücktritt"

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) will am 18. März ein neues Missbrauchsgutachten veröffentlichen.
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) will am 18. März ein neues Missbrauchsgutachten veröffentlichen.  © Marcel Kusch/dpa

Bätzing selbst nehme Woelki seinen Aufklärungswillen ab. "Die Unruhe, die entstanden ist (...), die ist mir aber genauso verständlich." Er habe Woelki vorgeschlagen, das erste Gutachten ebenfalls zu veröffentlichen und dann öffentlich darüber diskutieren zu lassen, ob es rechtsfähig und gerecht sei.

"Der Kardinal hat seine Entscheidung getroffen, und ich glaube, wir werden jetzt warten müssen bis zum 18. März." Dann will Woelki ein neues Gutachten veröffentlichen lassen.

Derweil hat der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg (68), hat für den Fall von belegbarem Fehlverhalten bei der Aufarbeitung von Missbrauch personelle Konsequenzen angemahnt.

"Wenn eindeutiges Fehlverhalten festgestellt wird, dann ist ein Rücktritt angebracht", sagte Sternberg am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

"In Köln stellt sich die Frage, ob Rücktritte von Verantwortlichen nicht deshalb nötig sind, weil das Vertrauen bei den eigenen Gläubigen zerstört ist", so Sternberg weiter.

"Das ist eine Frage, die in Köln entschieden werden muss. Die Nachrichten, die ich von Gemeinden und Verbänden aus Köln bekomme, zeichnen eine katastrophale Situation. Eine solche Empörung wie dort habe ich persönlich noch niemals erlebt."

Titelfoto: Montage: Sascha Steinbach/EPA Pool/dpa, Marcel Kusch/dpa

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