"Wir haben Fehler gemacht": Kardinal Woelki macht Ankündigung

Köln/Trier - Der Trierer Bischof Stephan Ackermann (57) hat sich "mit großer Besorgnis" über die Vorgänge im Erzbistum Köln geäußert.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) steht seit Wochen in der Kritik, weil er ein Missbrauchs-Gutachten zurückhält.
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) steht seit Wochen in der Kritik, weil er ein Missbrauchs-Gutachten zurückhält.  © Oliver Berg/dpa

"Denn die Auseinandersetzungen um die Veröffentlichung des Gutachtens in Köln schüren in sehr vielen Menschen wieder Zweifel am ehrlichen Willen zur Aufarbeitung der Bistümer in Deutschland insgesamt", sagte Ackermann der Zeitung Trierischer Volksfreund. "Das schadet uns allen", sagte der kirchliche Missbrauchsbeauftragte.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) hält ein Gutachten zurück, das den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester untersucht. Er führt dafür rechtliche Gründe an. Dieses Vorgehen Woelkis hat eine beispiellose Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst.

Die Vorgänge zeigten, wie wichtig die von den deutschen Bischöfen gemeinsam mit dem Beauftragten der Bundesregierung für die Aufarbeitung vereinbarten Kriterien und Standards seien, betonte Ackermann.

"Und dass es unabhängige Aufarbeitungskommissionen braucht, die nicht nur mit Juristen, sondern mit unterschiedlichen Fachleuten und Betroffenen besetzt sind."

Die Unabhängigkeit beinhalte auch die Entscheidung, in welchem Umfang Namen von Verantwortlichen genannt würden, sagte Ackermann. "Ich werde der Kommission Zugang zu allen benötigten und angefragten Informationen geben."

Update, 7.45 Uhr: Kardinal Woelki gesteht Fehler ein

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) hat beim Umgang mit einem Missbrauchsgutachten Fehler eingestanden.
Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) hat beim Umgang mit einem Missbrauchsgutachten Fehler eingestanden.  © Oliver Berg/dpa

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hat Fehler bei der Aufarbeitung der Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen katholische Priester eingeräumt.

"Wir haben Fehler gemacht, wir haben Vertrauen verspielt, ich verstehe die Ungeduld", sagte Woelki in einem Interview der Kölnischen Rundschau. Aber man stehe kurz vor der Aufklärung: "Wir klären auf, ich stehe zu meinem Versprechen."

Dennoch könne er nur um Geduld bis zum 18. März bitten. An dem Tag solle der Strafrechtler Björn Gercke das vom Erzbistum in Auftrag gegebene Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen vorlegen. Dies werde auch "nicht der Endpunkt, sondern der Ausgangspunkt für weitere Aufklärung sein", sicherte Woelki zu.

Das Erzbistum hatte zunächst eine andere Kanzlei, Westphal Spilker Wastl (WSW) in München, mit einem Gutachten beauftragt, dann aber wegen rechtlicher Bedenken entschieden, diese Arbeit nicht zu veröffentlichen.

Woelki sagte, er kenne das WSW-Gutachten nach wie vor nicht. Er behauptete aber, vom Erzbistum um Prüfung gebetene Fachleute sähen darin "schwere methodische Mängel und Verstöße gegen Persönlichkeits- und Äußerungsrechte".

Gerckes Gutachten werde "handwerklich sauber sein und es möglich machen, mein Versprechen einzulösen: Wir werden Namen von Verantwortlichen nennen." Er stehe bei den Betroffenen im Wort, so der Kardinal.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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