Kölner Missbrauchsskandal: Papst lehnt Rücktritt von Erzbischof Heße ab

Hamburg/Rom - Papst Franziskus (84) hat den Amtsverzicht des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße (55) nicht angenommen und ihn gebeten, "seine Sendung als Erzbischof von Hamburg im Geist der Versöhnung und des Dienstes an Gott" fortzuführen.

Stefan Heße (55) bleibt weiter Hamburger Erzbischof.
Stefan Heße (55) bleibt weiter Hamburger Erzbischof.  © Axel Heimken/dpa

So heißt es in einer Mitteilung der Apostolischen Nuntiatur in Berlin, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Erzbischof Stefan Heße betont in einer schriftlichen Stellungnahme: "Die mir gewährte Auszeit ist beendet und ich übernehme nun nach dem Willen des Papstes ausdrücklich wieder Verantwortung als Erzbischof von Hamburg. Dabei bin ich mir durchaus bewusst, dass es nicht unbedingt leicht sein wird, meinen Dienst wieder aufzunehmen."

In der Mitteilung aus Rom heißt es: "Nach eingehender Prüfung der eingegangenen Dokumente hat der Heilige Stuhl für den fraglichen Zeitraum Mängel in der Organisation und Arbeitsweise des Erzbischöflichen Generalvikariates sowie persönliche Verfahrensfehler Heßes festgestellt".

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Die Untersuchung habe jedoch nicht gezeigt, dass diese mit der Absicht begangenen wurden, Fälle sexuellen Missbrauchs zu vertuschen.

Verbindungen zu Missbrauchsvorwürfen im Bistum Köln

Papst Franziskus (84) bescheinigt dem Hamburger Erzbischof Fehlverhalten - aber ohne Absicht.
Papst Franziskus (84) bescheinigt dem Hamburger Erzbischof Fehlverhalten - aber ohne Absicht.  © Andrew Medichini/AP/dpa

Im März war in Köln ein seit langem erwartetes Gutachten vorgestellt worden. Darin wurde untersucht, wie Bistumsverantwortliche in der Vergangenheit mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester umgingen.

Heße, früher Personalchef und Generalvikar im Erzbistum Köln, wurden insgesamt elf Pflichtverletzungen vorgeworfen. Dabei handelte es sich nach Angaben der Gutachter unter anderem um Verstöße gegen die Melde- und Aufklärungspflicht.

Noch am selben Tag bot Heße dem Papst seinen Amtsverzicht an, "um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden". Er betonte, er habe sich niemals an der Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen beteiligt. Er sei aber dennoch bereit, seinen Anteil für das Versagen des Systems zu tragen.

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Heße war 2015 als Erzbischof nach Hamburg gewechselt.

Update, 20.09 Uhr: Bischof Bode begrüßt Entscheidung des Papstes zu Bischof Heße

Der stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Osnabrücks Bischof Franz-Josef Bode (70), hat die Entscheidung von Papst Franziskus begrüßt, das Rücktrittsangebot des Hamburger Erzbischofs Stefan Heße nicht anzunehmen.

Er sei froh, "dass es nach reiflicher Prüfung nun eine Entscheidung gibt. Eine Entscheidung in vielfach schweren Zeiten", sagte Bode der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Er sei sicher, "dass Erzbischof Heße sie demütig und entschlossen annehmen wird". Er werde alles in seiner Kraft Stehende tun zum Wohle der Menschen und des Erzbistums Hamburg, mit dem die Osnabrücker von jeher eng verbunden seien. "Gern gehen wir den Weg mit ihm als Erzbischof weiter."

Titelfoto: Montage: Andrew Medichini/AP/dpa, Axel Heimken/dpa

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