Mit strengen Auflagen: Woelki gewährt Einsicht in bislang zurückgehaltenes Kirchen-Gutachten

Köln - Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki (64) gestattet am heutigen Donnerstag (9 Uhr) erstmals Einsicht in ein von ihm bisher unter Verschluss gehaltenes Missbrauchsgutachten.

Kardinal Rainer Maria Woelki (64) gewährt den Einblick in das erste Gutachten über Missbrauch in der Kirche nur unter strengen Auflagen.
Kardinal Rainer Maria Woelki (64) gewährt den Einblick in das erste Gutachten über Missbrauch in der Kirche nur unter strengen Auflagen.  © Hans-Juergen Bauer/epd/dpa

Das Gutachten wurde schon vor über einem Jahr von der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl fertiggestellt.

Es untersucht den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Kindesmissbrauchs gegen Priester.

Woelki hält das Gutachten für mängelbehaftet und nicht rechtssicher und will es deshalb nicht veröffentlichen.

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Diese Entscheidung hat eine schwere Vertrauenskrise im größten deutschen Bistum ausgelöst.

Die Kanzlei weist alle Vorwürfe zurück und hat angeboten, das Gutachten auf ihr alleiniges Risiko auf ihrer Website zu publizieren.

Darauf ist Woelki aber nicht eingegangen.

Stattdessen gibt er Interessierten nun bis zum 1. April die Gelegenheit, das Gutachten im Tagungszentrum des Erzbistums einzusehen. Schriftliche Notizen sind dabei gestattet, Abschriften nicht.

Zweites Gutachten wurde von der Kirche offiziell abgenommen

Woelki hatte nach der Entscheidung, das erste Gutachten nicht zu veröffentlichen, ein neues bei dem Kölner Strafrechtler Björn Gercke in Auftrag gegeben.

Dieses Gutachten wurde vor einer Woche veröffentlicht. Es lieferte erschütternde Details.

Es warf mehreren Bistumsverantwortlichen Pflichtverletzungen vor, so dem Hamburger Erzbischof Stefan Heße, der früher Personalchef in Köln war.

Heße bat den Papst daraufhin um seine Entlassung. Woelki selbst wurde in dem Gutachten nicht belastet.

Update, 14.08 Uhr: Das fast geheime Kirchengutachten stellt klare Forderungen auf

Das vom Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki bisher zurückgehaltene Missbrauchsgutachten fordert einen Kulturwandel in der katholischen Kirche. Dem derzeitigen männerbündlerischen System müsse unter anderem durch die Berufung von Frauen in Führungspositionen entgegengewirkt werden, empfiehlt die Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl, deren Gutachten am Donnerstag vom Erzbistum Köln erstmals unter strengen Auflagen zur Einsicht freigegeben wurde.

Die Gutachter untersuchten den Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Priester. Ihre Untersuchung wurde von Woelki bisher unter Verschluss gehalten, wofür er äußerungsrechtliche Bedenken anführt. Westpfahl Spilker Wastl weist die Vorwürfe zurück. Woelki gab stattdessen ein neues Gutachten bei dem Kölner Strafrechtler Björn Gercke in Auftrag, das in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde.

Ebenso wie Gercke sehen auch die Gutachter von Westpfahl Spilker Wastl Pflichtversäumnisse unter anderem bei Woelkis Vorgänger Joachim Meisner (1933-2017) und beim früheren Kölner Personalchef Stefan Heße, heute Erzbischof von Hamburg. Heße hat den Papst mittlerweile um seine Entlassung gebeten. Woelki wird auch in dem bisher zurückgehaltenen Gutachten nicht belastet.

Die Gutachter von Westpfahl Spilker Wastl dokumentieren einerseits, inwiefern etwa aufeinanderfolgende Erzbischöfe und Generalvikare Vorwürfen gegen Priester nicht entschieden nachgingen, die mutmaßlichen Sexualstraftäter nicht bestraften und sich wenig um die Opfer kümmerten.

Andererseits werden aber auch Faktoren aufgeführt, die nach Meinung der Gutachter im spezifischen System der katholischen Kirche den Missbrauch von Kindern begünstigen können.

Titelfoto: Hans-Juergen Bauer/epd/dpa

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