Umgang mit Sex? Kardinal Marx mit einem sehr überraschenden Statement

München - Das kommt durchaus überraschend: Kardinal Reinhard Marx wünscht sich in der katholischen Kirche einen offeneren Umgang mit Fragen der Sexualmoral. 

Kardinal Reinhard Marx (66), Erzbischof von München und Freising, fand Zustimmung unter den Teilnehmern der Konferenz in München.
Kardinal Reinhard Marx (66), Erzbischof von München und Freising, fand Zustimmung unter den Teilnehmern der Konferenz in München.  © Matthias Balk/dpa

Bei der Regionalkonferenz des Synodalen Wegs am Freitag in München sagte der Erzbischof von München und Freising, die Arbeitsgruppe zu diesem Thema habe es wohl am schwersten. 

Der Synodale Weg umfasst vier Themenkomplexe: den Umgang der Kirche mit Macht, die kirchliche Sexualmoral, die Ehelosigkeit von Priestern und die Position der Frauen in der Kirche.

Was stecke dahinter, dass die Kirche mit dem Thema Sex nicht "gelassen, vernünftig und gut" umgehen könne?, fragte Marx. 

Da müsse etwas "schief gelaufen sein. Dem müssen wir uns stellen". Sexualität und Erotik seien ein wichtiges Feld. Mehrere Synodalmitglieder schlossen sich Marx an und forderten hier einen offeneren Umgang. Sexualität dürfe nicht automatisch mit Sünde verknüpft werden.

Ausführlich diskutierten die Teilnehmer auch das Thema Frauen in der Kirche. 

Der Theologieprofessor Hans Tremmel fragte beispielsweise, wie lange es sich die Kirche noch erlauben könne, sich Frauen und deren Kompetenzen vorzuenthalten.

Auch mit den Folgen der Corona-Pandemie befasste sich die Konferenz. 

Sexualität dürfe nicht automatisch mit Sünde verknüpft werden, fordert der Kardinal

Kardinal Reinhard Marx (66) sprach auf der Regionalkonferenz des Synodalen Wegs.
Kardinal Reinhard Marx (66) sprach auf der Regionalkonferenz des Synodalen Wegs.  © Andreas Arnold/dpa

Als besonders problematisch empfanden die Mitglieder fehlende seelsorgerische Begleitung Kranker und Sterbender, die Verlagerung von Gottesdiensten ins Internet und den Wegfall von Jugendarbeit. 

Die Krise hat Passaus Bischof Stefan Oster zufolge ein Schlaglicht auf die Frage gerichtet, wie junge Menschen heute für das Christsein gewonnen werden können. Denn genau die Jugendgruppen oder Ministrantendienste seien ausgefallen.

Die katholische Kirche in Deutschland ringt um Reformen. Der 2019 beschlossene und auf zwei Jahre angelegte Synodale Weg wird von der Deutschen Bischofskonferenz und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken getragen. Die Synodalversammlung besteht aus Klerikern und Nicht-Klerikern. Unterstützt wird der Reformprozess auch von der Initiative "Wir sind Kirche", die mit einer Gruppe vor dem Tagungshotel demonstrierte.

Statt einer großen Synodalkonferenz in Frankfurt gab es aufgrund der Corona-Pandemie fünf regionale Treffen. In München nahmen Mitglieder aus den Bistümern Augsburg, Bamberg, Eichstätt, Passau, Regensburg sowie München und Freising teil. 

Titelfoto: Matthias Balk/dpa

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