"Versagen": Kardinal Marx bittet in Garching für Missbrauchsfälle um Entschuldigung

Garching an der Alz - Der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx (67), hat sich bei einem Besuch in Garching an der Alz für Missbrauchsfälle in der Gemeinde entschuldigt und Fehler eingeräumt.

Kardinal Reinhard Marx (67) gibt im Pfarrheim St. Nikolaus zu Missbrauchsfällen in der Kirchengemeinde ein Statement ab.
Kardinal Reinhard Marx (67) gibt im Pfarrheim St. Nikolaus zu Missbrauchsfällen in der Kirchengemeinde ein Statement ab.  © Felix Hörhager/dpa

Man wisse heute, "dass auch Missbrauch geschehen ist, dass der Pfarrer, der hier tätig war, ein Missbrauchstäter gewesen ist", sagte Marx am Samstag nach Gesprächen und einer gemeinsamen Andacht mit Gemeindevertretern.

"Das ist Verrat an der Botschaft Jesu und es ist ein Versagen der Institution, für die ich um Entschuldigung bitte."

Ein wegen sexuellen Missbrauchs verurteilter Priester war rund 20 Jahre lang in Garching tätig gewesen, obwohl er zuvor in einer anderen Gemeinde Kinder missbraucht hatte und dafür auch verurteilt worden war.

Kölner Missbrauchsskandal: Papst lehnt Rücktritt von Erzbischof Heße ab
Religion Kölner Missbrauchsskandal: Papst lehnt Rücktritt von Erzbischof Heße ab

Nach Angaben des Bistums wurde er nach seiner Versetzung nach Garching, die in die Zeit fällt, bevor Marx zuständiger Bischof war, wieder rückfällig. Drei Betroffene hätten sich gemeldet, die dem Mann vorwerfen, sie missbraucht zu haben.

"Für dieses Versagen bitte ich um Entschuldigung", sagte Marx. "Wir haben wahrscheinlich etwas unterschätzt, was an Spannungen und Verwundung und Verletzungen da ist." Er wisse inzwischen, "dass Aufarbeitung eine lange Geschichte ist und viele das unterschätzen".

Kardinal Reinhard Marx: "Hätte ich mich nicht anstrengen müssen, mehr zu wissen?"

Die Kommissionen zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in den katholischen Bistümern in Deutschland kommen nur langsam in Gang. (Symbolbild)
Die Kommissionen zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in den katholischen Bistümern in Deutschland kommen nur langsam in Gang. (Symbolbild)  © Nicolas Armer/dpa

Der Garchinger Fall soll laut Marx in dem für dieses Jahr noch erwarteten Gutachten zu sexuellem Missbrauch im Erzbistum aufgearbeitet werden - wie andere Fälle auch, auch solche aus seiner Zeit als Erzbischof.

"Ich habe jetzt keinen konkreten Punkt, wo ich sage, da habe ich jetzt was vertuscht", sagte Marx. Aber: "Ich kann doch von mir nicht behaupten, ich hätte immer alles ganz genau gewusst."

Manchmal habe er womöglich nicht genau genug hingeschaut. "Hätte ich mich nicht anstrengen müssen, mehr zu wissen?", fragte er. "Das empfinde ich als Schuld."

"Wir sind Kirche": Kardinal Marx soll handeln und "Hängepartie beenden"
Religion "Wir sind Kirche": Kardinal Marx soll handeln und "Hängepartie beenden"

Mit seinem Rücktrittsgesuch, das Papst Franziskus vor einigen Wochen abgelehnt hat, habe er institutionelle, aber auch ganz persönliche Verantwortung übernehmen wollen. "Das Rücktrittsgesuch war umfassend gemeint", betonte Marx. "Ich bin ja kein Roboter. Ich stehe ja als Person dafür, auch mit meinen Fehlern."

Die Kirche müsse aus dem Skandal lernen, forderte er mit Blick auf den Reformprozess "Synodaler Weg": "Wenn der Schock nicht zu einer Reform führt, dann weiß ich nicht, wie groß der Schock sein muss."

Titelfoto: Felix Hörhager/dpa

Mehr zum Thema Religion: