Aktivisten sagen Riester-Rente den Kampf an: Sie machten Politiker steinalt

Berlin - Das Thema ist alt, aber die Betroffenen noch jung: Verbraucher-Schützer protestieren gegen die Riester-Rente. Dabei lassen sie so manchen Politiker alt aussehen.

Eine alte Frau zählt ihr Geld - durch die Riester-Rente dürfte in Zukunft noch weniger davon übrig bleiben, kritisieren viele.
Eine alte Frau zählt ihr Geld - durch die Riester-Rente dürfte in Zukunft noch weniger davon übrig bleiben, kritisieren viele.  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Graue Haare, bucklig und Falten im Gesicht: so sahen die Politiker auf den Plakaten aus, die Verbraucherschützer in Berlin vor dem Kanzleramt aufgehängt haben.

Die Bürgerbewegung Finanzwende hat ihre Photoshop-Künste gezeigt und Annalena Baerbocks (40, Grüne) Haare mit paar ein grauen Strähnen durchsetzt. Auch Olaf Scholz (62, SPD) und Armin Laschet (60, CDU) haben ein paar mehr Furchen ins Gesicht gezaubert bekommen. Die Verbraucherzentrale und der Bund der Versicherten unterstützen die Aktion.

Dass die drei Politiker so vergreist dreinschauen, hat einen besonderen Grund: die Riester-Rente besteht nun schon seit 20 Jahren. Ein trauriger Geburtstag, denn seitdem ist die private Altersvorsorge Gegenstand von Protesten.

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Klaus Müller, Chef der Verbraucherzentrale vzbv, meinte zum Spiegel, die staatlich geförderte Privatrente sei lange genug reformiert worden: "Mittlerweile ist klar, sie ist nicht reformierbar."

Der Vorwurf lautet, die Erträge nutzen nur der Finanzlobby - und die Rendite seien zu gering, dass es sich für den Durchschnittsbürger lohnen würde. Die Rente sei teuer und werfe trotzdem nur wenig ab - eine rein öffentlich geförderte Alternative scheint vielen sinnvoller.

So alt sahen die Politiker aus

Twitter-User fühlen sich von Riester "verarscht"

Sparschwein und kleine Scheine - die Verzinsung lässt bei der Riester-Rente allerdings zu wünschen übrig.
Sparschwein und kleine Scheine - die Verzinsung lässt bei der Riester-Rente allerdings zu wünschen übrig.  © Jens Büttner/dpa

Streit gab es auch, weil die Bundesregierung den Zins herabgesetzt hat: Wenn man ab nächstem Jahr eine Lebensversicherung abschließt, gebe das höchsten 0,25 Prozent Mehrwert pro Jahr.

Der Schutz gilt nicht immer: Leistungen wie "Todesfallschutz" gehören zumindest dazu. Fondsgesellschaften reiben sich in der Zwischenzeit die Hände, weil sie mehr investieren können.

Verbraucherschützer sagen, es sei sinnvoll, die Rente zu erneuern.

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"Es ist nicht klug, an einem System festzuhalten, das 20 Jahre lang die Erwartungen nicht erfüllt hat", meint Gerhard Schick, der Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, zrf Süddeutschen Zeitung.

Seit 2001 gab es 16 Millionen Käufer, die mit Riester-Verträgen vorsorgen wollten. Aber der Branchenverband GDV ist sich sicher, viele Riester-Anbieter hätten 2022 keine Lust mehr auf dieses Modell: Die aktuellen Bedingungen führten zu einer "De-Facto-Beerdigung der Riester-Rente".

Auch auf Twitter haben die User der Riester-Rente den Kampf angesagt. "Keine andere Versicherung vera***t den Bürger so wie Riester", beschwerte sich ein Nutzer. Ein anderer meinte fast hämisch: "Man hat die Leute mit Riester gef***t!" Viele höhnten, die Privatrente habe nur reichen Leuten wie Carsten Maschmeyer (62, "Die Höhle der Löwen") genutzt. Der stand vor einigen Jahren im Verdacht, die Rente damals zusammen mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder eingefädelt zu haben. Die beiden verband eine langjährige Freundschaft.

Ob bei Olaf Scholz, Armin Laschet und Annalena Baerbock die Botschaft angekommen ist und sich hier etwas verändern wird, lässt sich noch nicht absehen. Fest steht aber: die Betroffenen werden nicht jünger.

Titelfoto: Jens Büttner/dpa

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