Das Fleisch muss weg: Grausame Tierschlachtungen wegen Corona

Chicago - Durch die massenhafte Schließung zahlreicher Restaurants mussten Fleischbetriebe in den USA grausame Entscheidungen treffen.

Die meisten Tiere werden aufgrund mangelnder Nachfrage der Restaurants nicht mehr geschlachtet (Symbolbild).
Die meisten Tiere werden aufgrund mangelnder Nachfrage der Restaurants nicht mehr geschlachtet (Symbolbild).  © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Das Coronavirus traf die Betriebe unerwartet. In den USA schlossen innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Restaurants. 

Die Farmer konnten das Fleisch ihrer Tiere auf einmal nicht mehr an einen ihrer größten Kunden verkaufen. Neben der plötzlichen Versorgung zahlreicher Tiere fielen auch immer mehr erkrankte Mitarbeiter aus.

Die angespannte finanzielle und platztechnische Situation führte zu grausamen und schnellen Entscheidungen.

Al Van Beek berichtet gegenüber Yahoo News, dass er keinen Platz für die Versorgung von rund 7.500 Ferkel hatte, die er von den schwangeren Schweinen erwartete. 

Daher injizierten seine Mitarbeiter den schwangeren Tieren ein Mittel, welches zum Schwangerschaftsabbruch führte. Besonders Schweinefleisch ist schwer betroffen. Die Schweine werden in kontrollierten Zuchthäusern gezüchtet, bis sie geschlachtet werden.

Wenn sie zu lange in diesen ausharren, werden sie zu groß. Dabei nehmen sie nicht nur Platz für andere Tiere weg, sondern können sich selbst verletzen. Folglich werden große Schweine geschlachtet, um Platz für deren Kinder zu machen. 

Van Beek beklagt die Verschwendung von all diesem Fleisch. Aber für ihn gibt es keine Möglichkeit, seine Tiere langfristig versorgen zu können.

Hennen werden vergast, Tiere kostenlos weggegeben

Eierkartons sind in den USA derzeit knapp.
Eierkartons sind in den USA derzeit knapp.  © Friso Gentsch/dpa

Mitarbeiter von Daybreak Foods vergasten auf einer Farm in Minnesota 61.000 Hühner. Die Farm war auf die Belieferung von Eiern für Restaurants spezialisiert. 

Daybreak Foods versuchte, die Eier der Hühner in Supermarktketten zu liefern. Doch es gab viele Hürden. Eierkartons sind national knapp geworden.

Zudem benötigt das Unternehmen eine plötzliche Produktionsänderung und muss die Eier anhand der Größe einteilen. Dieses Vorgehen benötigt mehr Mitarbeiter, aber auch hier gibt es aufgrund der zahlreichen Erkrankungen in den USA Engpässe.

Der Gouverneur von Iowa, Kim Reynolds, wandte sich mit zwei weiteren US-Senatoren mit einem Brief an den US-Präsidenten:

"Es gibt über 700.000 Schweine in den gesamten USA, welche pro Woche nicht verarbeitet werden können und menschlich eingeschläfert werden sollten."

Das Landwirtschaftsministerium der Vereinigten Staaten verkündete am Freitag, dass sie ein Koordinationszentrum entwickeln, um den Farmern zu helfen. Diese sollen durch die Hilfe eventuelle Märkte für ihre Tiere finden oder eine Möglichkeit erhalten, ihre Tiere einzuschläfern und entsorgen zu können.

Einige Produzenten geben ihre Tiere bereits kostenlos weg, auch wenn wie dadurch einen Verlust von rund 35 Euro pro Tier machen.

Die Kadaver der Tiere landen auf der Deponie

Schweine in einem Mastbetrieb.
Schweine in einem Mastbetrieb.  © Carsten Rehder/dpa

Das Nachbarland Kanada hat ebenfalls mit extrem hohen Schlacht-zahlen zu kämpfen. Eine Schweinefarm in Prinz-Edward-Island musste 270 Tiere töten. Da sie keinen Platz für deren Kadaver hatten, wurden die Tiere auf einer Deponie entsorgt.

Die derzeitige Situation hinterlässt die Farmer in Wut und Verzweiflung. Ausgerechnet in einer Pandemie, in der die Lebensmittelversorgung gewährleistet sein sollte, müssen die Farmer aufgrund schnell brauchbarer Entscheidungen ihre Tiere töten. 

Zwei Farmer aus Wisconsin berichten, dass sie Todesdrohungen erhalten. 

"Sie schrieben 'Wie könnt ihr es wagen, Essen wegzuwerfen, wenn so viele Menschen hungrig sind?' Sie wissen einfach nicht, wie eine Farm funktioniert." Derweil steigt in den Supermärkten der Preis für Fleisch und Eier. 

Bei Eiern wurde ein 40-Prozentiger Anstieg als noch vor einem Jahr verzeichnet, bei Fleisch von Huhn, Rind und Schwein liegt der Anstieg bei rund fünf bis sieben Prozent.

Schätzungen zufolge werden die Farmer in den USA einen Verlust von rund 17,5 Milliarden US-Dollar hinnehmen müssen. Einige Farmer entwickeln neue Ideen. In Minnesota füttert Mike Patterson seine Schweine mit mehr Soja, damit sie nicht mehr zunehmen. 

Ein Mann steht an der Theke eines Metzgerladens in den USA.
Ein Mann steht an der Theke eines Metzgerladens in den USA.  © Kelsey Brunner/The Aspen Times/dpa

Patterson sagt: "Die Tiere müssen menschlich untergebracht werden. Wenn es nicht genügend Platz gibt, müssen die Schweine abnehmen. Oder wir müssen irgendwie die Anzahl der Schweine reduzieren."

Titelfoto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

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