Haselmaus-Hilfe? Teure Tier-Brücke erntet Spott und Unverständnis

Vilshofen - Die streng geschützte Haselmaus sorgt im niederbayerischen Vilshofen seit zwei Jahren für Gesprächsstoff.

Eine kleine Haselmaus sitzt auf einer Hand. Die Tiere sind streng geschützt.
Eine kleine Haselmaus sitzt auf einer Hand. Die Tiere sind streng geschützt.  © picture alliance / Carsten Rehder/dpa

Damit die putzigen Tierchen eine neu gebaute Umgehungsstraße sicher überqueren können, hat ihnen das Staatliche Bauamt im Herbst 2018 eigens eine Brücke für 93.000 Euro errichtet. 

Das sorgte für Spott und Unverständnis in der Bevölkerung und ein Jahr später für einen Eintrag im Schwarzbuch der Steuerzahler. Das Bauamt Passau verteidigt die Brücke, die selbst der Bund Naturschutz mit Skepsis betrachtet.

Der Bau der Umgehungsstraße hatte den Lebensraum der Haselmäuse zerschnitten und verkleinert. Das Naturschutzgesetz verpflichtete die Behörden dazu, für einen Ausgleich zu sorgen, argumentierte das Bauamt. 

Die Brücke ist eine Stahlkonstruktion, die mit Zweigen und Reisig gefüllt ist, was den Haselmäusen als Kletterhilfe dienen soll. Der Bau einer zweiten Haselmausbrücke stand zur Diskussion.

Eine Langzeitbeobachtung soll zeigen, ob die Tiere die Brücke überhaupt nutzen, sagte ein Sprecherin des Staatlichen Bauamtes Passau. 

Das Monitoring laufe seit zwei Jahren und dauere noch an. Ein Ergebnis liege noch nicht vor. 

93.000 Euro an Steuergeldern stecken in der Maus-Brücke

Damit Haselmäuse eine neu gebaute Umgehungsstraße sicher überqueren können, hat ihnen das Staatliche Bauamt im Herbst 2018 eigens eine Brücke für 93.000 Euro errichtet.
Damit Haselmäuse eine neu gebaute Umgehungsstraße sicher überqueren können, hat ihnen das Staatliche Bauamt im Herbst 2018 eigens eine Brücke für 93.000 Euro errichtet.  © Armin Weigel/dpa

Jedoch habe sich gezeigt, dass auch Waldmäuse und Gelbhalsmäuse über die Brücke klettern und gar Fledermäuse sie als Orientierungshilfe nutzen. Die Frage, ob eine zweite Querungshilfe errichtet werde, sei noch offen.

Der Bund Naturschutz betont, dass die Brücke nicht auf sein Drängen hin gebaut worden sei. 

Die BN-Ortsvorsitzende Helgard Gillitzer bezweifelt, dass die Brücke wirklich genutzt werde, zumal in dem Bereich ohnehin kaum noch Haselmäuse lebten. Die Population werde immer kleiner.

Mit den knapp 100.000 Euro hätte man etwas sinnvolleres für die Haselmäuse tun können, sagte Gillitzer. 

Etwa ein Stück Grund zukaufen, um den Lebensraum wieder zu vergrößern.

Titelfoto: picture alliance / Carsten Rehder/dpa, Armin Weigel/dpa

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