Herpes-Virus tötet Pferde: "Ein Albtraum" für den Reitsport

Berlin - Mitten in der Corona-Krise trifft den Reitsport ein weiteres Virus. Von Spanien aus verbreitet sich eine Herpes-Variante, die nach Angaben des Weltverbandes FEI besonders aggressiv ist und bereits mehrere Pferde getötet hat.

Springreit-Weltmeisterin Simone Blum (31) zeigt sich besorgt, weil ein Virus-Ausbruch den Reitsport und vor allem das Leben vieler Pferde bedroht.
Springreit-Weltmeisterin Simone Blum (31) zeigt sich besorgt, weil ein Virus-Ausbruch den Reitsport und vor allem das Leben vieler Pferde bedroht.  © Rolf Vennenbernd/dpa

"Ein Alptraum, den niemand erleben sollte", kommentierte die Springreit-Weltmeisterin Simone Blum (31) den Tod von vier Pferden aus deutschen Turnierställen. Der Weltverband hat zunächst mit der Absage aller internationalen Turniere in Deutschland und neun weiteren Ländern reagiert.

Teilnehmer einer Turnierserie in Valencia berichten von dramatischen Szenen und der Trauer nach dem Verlust der vertrauten Vierbeiner.

"Wir kämpfen hier Schulter an Schulter um unsere Pferde", sagte Hilmar Meyer, der im niedersächsischen Thedinghausen einen Handels- uns Ausbildungsstall betreibt und bisher zwei Pferde verloren hat. Die Situation vor Ort sei "sehr, sehr schlimm".

"Das Virus ist sehr aggressiv", berichtete Mike Patrick Leichle, der wie Meyer und ein knappes Dutzend deutscher Reiter Anfang Februar zur mehrwöchigen Spring Tour nach Valencia gefahren ist. Leichle hat bisher ein Pferd in Valencia verloren und hofft nun auf das Überleben der elf verbliebenen Tiere.

Die Informationen aus Valencia, wo bereits am Sonntag vor einer Woche mehrere Pferde starke Symptome gezeigt hatten, "sind viel zu spät weitergegeben worden", klagte der Reiter. Nach Angaben von Meyer und Leichle sind in Valencia insgesamt zehn Pferde gestorben.

Ausbreitung des Virus noch unbekannt, aber keine Gefahr für Menschen

In zehn Ländern wurden nun vorerst Reitsport-Turniere verboten, um die Ausbreitung des Virus aufzuhalten.
In zehn Ländern wurden nun vorerst Reitsport-Turniere verboten, um die Ausbreitung des Virus aufzuhalten.  © Rolf Vennenbernd/dpa

Inwieweit sich das Virus bereits ausgebreitet hat, ist nicht sicher. Der Weltverband geht derzeit von drei weiteren europäischen Ländern aus, in denen es Fälle gibt. Wie die Situation in Deutschland ist, blieb zunächst unklar.

Herpesvirus-Infektionen sind nach Angaben des nationalen Verbandes FN hierzulande "nicht anzeige- oder meldepflichtig". Laut FN verursachen die Viren auch "keine auf Menschen übertragbaren Krankheiten".

Die FEI geht davon aus, "dass eine große Anzahl von Pferden den Veranstaltungsort in Valencia ohne ein offizielles Gesundheitszeugnis verlassen hat". In einer Mitteilung hieß es weiter: "Einige Pferde waren bereits krank und das Risiko einer Übertragung von diesen Pferden ist ein großes Problem."

Der Virus-Ausbruch "macht natürlich auch uns Angst", berichtete Blum. Die Weltmeisterin hat vor ein paar Wochen bei einer Turnierserie im spanischen Vejer de la Frontera ihre Vorbereitung auf die Olympia-Saison gestartet. "Wir fühlen uns hier in Vejer sicher", schrieb Blum bei Instagram.

Der "Ausbruch ist wahrscheinlich der schlimmste seit vielen Jahrzehnten in Europa", sagte FEI-Generalsekretärin Sabrina Ibáñez. Um die weitere Ausbreitung zu stoppen, hat die FEI in zehn Ländern Turniere verboten. Diese Regelung gilt zunächst bis zum 28. März.

Titelfoto: Rolf Vennenbernd/dpa

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