Hund und Katze als Corona-Partner? Das steckt hinter den leeren Käfigen in Tierheimen

Dingolfing - In zahlreichen Tierheimen stehen zurzeit Zwinger und Käfige leer. Seit Beginn der Corona-Krise habe es verstärkte Nachfrage nach Hunden, Katzen oder Kaninchen gegeben und zugleich seien weniger Tiere abgegeben worden, sagte Ilona Wojahn, Präsidentin des Landesverbandes Bayern des Deutschen Tierschutzbundes und Leiterin des Tierheimes Dingolfing.

Ein Mann geht mit Pekinesenmischling "Charly" aus dem Tierheim Straubing spazieren.
Ein Mann geht mit Pekinesenmischling "Charly" aus dem Tierheim Straubing spazieren.  © Armin Weigel/dpa

Sie habe Anfragen von anderen Tierheimen bekommen, ob sie ihr Hunde zum Vermitteln abnehmen könnten, weil diese Heime selbst keine Tiere mehr hatten.

Die Menschen hätten während der Lockdown-Wochen wohl einfach mehr Zeit gehabt, ein neues Haustier einzugewöhnen, vermutete Wojahn. Die Tierheim-Mitarbeiter hätten die Interessenten jedoch gut geprüft, um die Pflege des Tieres auch nach Corona sicherzustellen: "Die Krise geht vorüber, aber wer kümmert sich dann um den Hund?" 

Im Dingolfinger Tierheim seien nun die unkomplizierten Hunde weg. Die, die noch da seien, seien die verhaltensauffälligen, schwer vermittelbaren Fälle.

Auffallend sei auch, dass weniger Tiere abgegeben worden seien. So habe es wegen der Grenzschließungen keine illegalen Welpen-Transporte gegeben, sagte Wojahn. 

Ähnlich hoch wie in jedem Jahr sei heuer die sogenannte Babykatzen-Schwemme. Immer im Frühjahr würden trächtige Katzen oder Katzenbabys abgegeben. Weil aber mehr Katzen vermittelt worden seien, sei die Zahl insgesamt niedriger. "Wir haben zwischen 60 und 70 Katzen da. Letztes Jahr waren es um die 150."

"Das habe ich in meiner 14-jährigen Tätigkeit hier noch nicht erlebt"

In zahlreichen Tierheimen stehen zurzeit Zwinger und Käfige leer.
In zahlreichen Tierheimen stehen zurzeit Zwinger und Käfige leer.  © Armin Weigel/dpa

Ähnliche Erfahrungen haben zum Beispiel die Tierheime in Nürnberg und Straubing gemacht. Auch dort seien mehr Tiere vermittelt worden. Vor allem die Zahl ernsthafter Anfragen sei höher gewesen, bilanziert Miriam Bader, stellvertretende Leiterin des Tierheimes in Nürnberg. 

Und weil der allgemeine Besucherverkehr wegen Corona nicht gestattet war, konnten Interessenten nur mit Termin kommen. Da hätten auch die Mitarbeiter mehr Zeit gehabt, sich um die Kunden zu kümmern.

Diese Erfahrung hat auch Ricarda Schumann, Leiterin des Tierheimes in Straubing, gemacht. Viele Hunde seien in Familien untergekommen, Kaninchen seien beispielsweise gar keine mehr da. "Das habe ich in meiner 14-jährigen Tätigkeit hier noch nicht erlebt." 

Auch Schumanns Eindruck nach hätten sich die Leute nicht für ein Tier interessiert, weil sie im Lockdown einsam gewesen waren, sondern weil sie eben Zeit hatten, das Tier einzugewöhnen. Dass der Publikumsverkehr entfiel, habe sich auch positiv auf die Tiere ausgewirkt. Es sei viel ruhiger und die Tiere entspannter.

Im Tierheim Augsburg blieb die Nachfrage im Vergleich zu den vergangenen Jahren etwa konstant, wie eine Sprecherin sagte. Dort seien jedoch auffallend viele Wildtiere abgegeben worden, wie verletzte Vögel, Marder oder Igel.

Titelfoto: Armin Weigel/dpa

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