Schnüffeln für die Wissenschaft: Diese Hunde riechen seltene Arten

Leipzig - Ob das Geschäft eines Fischotters oder das Versteck eines Molches: Den Hunden von Dr. Annegret Grimm-Seyfarth (33) bleibt nichts verborgen. Mit ihren Supernasen erschnüffeln sie jede noch so winzige Duftnote. Sie sind ausgebildete Artenspürhunde und für die Wissenschaft im Einsatz. Gemeinsam mit der Sächsin und ihren vierbeinigen Helfern gehen wir auf Schnuppertour.

Unterwegs in den Wäldern bei Leipzig: Dr. Annegret Grimm-Seyfarth (33) sucht mit Border Collie Zammy (6) nach Molchen.
Unterwegs in den Wäldern bei Leipzig: Dr. Annegret Grimm-Seyfarth (33) sucht mit Border Collie Zammy (6) nach Molchen.  © André Künzelmann/UFZ

Aktuell ist Annegret Grimm-Seyfarth im Leipziger Raum auf der Suche nach Teich-, Kamm- und Bergmolchen oder besser: deren Verstecken. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Border Collie Zammy (6), der spezialisiert auf Molche, aber auch Fischotter ist.

"Um seltene und bedrohte Arten schützen zu können, müssen wir zuerst wissen, wo sie sich aufhalten", erklärt die Forscherin, die am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig arbeitet. "Das ist aber gar nicht so einfach, wenn sie versteckt leben oder nachtaktiv sind." Artenspürhunde würden da schnell gute Resultate liefern, meint sie.

Schon gibt die Wissenschaftlerin Zammy im Wald ein Handzeichen. Der läuft daraufhin aufgeregt los.

Jemand bindet Hund an Pfahl fest und hinterlässt Zettel mit gemeiner Nachricht
Hunde Jemand bindet Hund an Pfahl fest und hinterlässt Zettel mit gemeiner Nachricht

Für ihn ist das ganze ein Spiel. Erst rennt er in die eine, dann in die andere Richtung, mit der Nase immer nah am Boden. Dann bleibt er plötzlich stehen, schnuppert noch einmal und setzt sich vor einen kleinen Baumstumpf. Brav wartet er, bis sein Frauchen bei ihm ist. Sie schaut, was der Rüde entdeckt hat.

Treffer! Zammy hat einen Teichmolch gefunden.

Für den Hund muss die Suche ein Spiel sein

Spürnase Zammy im Einsatz: An einem See hat er die Hinterlassenschaft eines Fischotters gefunden.
Spürnase Zammy im Einsatz: An einem See hat er die Hinterlassenschaft eines Fischotters gefunden.  © privat

Dass dies so super funktioniert, ist ausdauernde Arbeit. Zuerst müsse der Hund den Zielgeruch kennen und mögen lernen, schließlich das Schnuppern üben. "Hunde setzen nicht immer nur primär die Nase ein, sondern müssen dazu trainiert werden", führt die Hundetrainerin aus.

Zu guter Letzt heißt es Rückhaltung zeigen. Denn anstatt das Gefundene zu packen, darf der Vierbeiner das Ziel nur anzeigen.

Damit die Arbeit für den Hund ein Spiel bleibt, gibt es nach jedem erfolgreichen Fund eine Belohnung. Zammy darf nun einem Ball hinterherjagen und bekommt dann ein Leckerli. "Damit ist die Handlungskette Jagen für ihn einmal komplett abgeschlossen", beschreibt die Biologin, die regelmäßig auch auf Baustellen gerufen wird.

Hund denkt, sein Besitzer geht ohne ihn spazieren: Seine Reaktion bringt so viele zum Lachen
Hunde Hund denkt, sein Besitzer geht ohne ihn spazieren: Seine Reaktion bringt so viele zum Lachen

Erschnüffelt Zammy dort einen geschützten Molch, muss das Bauvorhaben womöglich gestoppt, geändert oder Tiere müssen umgesiedelt werden.

Dienstältester Hund sucht nur Fischotter-Häufchen

Manchmal sind Rentner Bagheera (13, li.) und Zammy noch gemeinsam im Einsatz. Vor allem, wenn unklar ist, ob Zammy eine Otter- oder Molchspur gefunden hat.
Manchmal sind Rentner Bagheera (13, li.) und Zammy noch gemeinsam im Einsatz. Vor allem, wenn unklar ist, ob Zammy eine Otter- oder Molchspur gefunden hat.  © privat

Zu Hause wartet unterdessen der dienstälteste Hund der gebürtigen Vogtländerin: Bagheera (13). 2012 holte sie den Australian Cattle Dog Mix zu sich, brachte ihm bei, ausschließlich Fischotter-Losungen zu erschnüffeln.

"Ich habe als Studentin Fischottermonitorings mitgemacht, wo man nach der Losung von Fischottern suchen musste und die dann genetisch analysiert wurden. Tatsächlich war ein Drittel der Proben gar nicht vom Fischotter", erzählt sie. Denn auch der Amerikanische Mink, eine invasive Art, ernährt sich gern von Fisch.

Die Kotspuren seien kaum zu unterscheiden. "Damals dachte ich mir, es wäre doch cool, wenn man einen Spürhund ausbilden könnte, der nur den Fischotter findet."

Über zehn Jahre und unzählige gefundene Fischotter-"Häufchen" später, ist Bagheera inzwischen so gut wie im Ruhestand und der Nachwuchs steht schon in den Startlöchern, die junge Australian Cattle Dog Hündin Foxy (1). Foxy lernt gerade, Kreuzkröten für ein neu gestartetes Artenprojekt aufzuspüren, ist dafür viel in den Tagebauen bei Leipzig unterwegs.

Den in Sachsen fast verschollenen Feldhamster dürfte sie dort aber nicht finden. Vielleicht ein Zukunftsprojekt? "Im Süden Deutschlands wird das schon gemacht", meint die Wissenschaftlerin. Sie ist sicher, mit etwas Training könnten die Hunde sogar nur bewohnte Baue anzeigen.

Mehr über Annegret Grimm-Seyfarth und ihr Spürnasen erfahren könnt Ihr unter: www.monitoring-dogs.de.

Tierische Ehrenamtler gesucht

Artenspürhund-Nachwuchs Foxy (1) lernt Kreuzkröten zu finden und anzuzeigen. Die leben gern in den Tagebauen bei Leipzig.
Artenspürhund-Nachwuchs Foxy (1) lernt Kreuzkröten zu finden und anzuzeigen. Die leben gern in den Tagebauen bei Leipzig.  © privat

Lust mitzuschnüffeln? Dann können sich Hundehalter aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Berlin mit ihren Vierbeinern beim Bürgerwissenschaftsprojekt "IGAMON" bewerben.

Das Projekt läuft bis September 2024 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. "Grundsätzlich sollte der Hund erwachsen und gesund sein. Er sollte Spaß an der Sucharbeit haben und natürlich mit dem Menschen gern etwas machen wollen. Das ist also keine Rasse-, sondern Individuenfrage", sagt Annegret Grimm-Seyfarth.

Allerdings: Jedes Jahr werden nur 15 Hunde zu Hobby-Artenschutzhunden im Rahmen des Projektes ausgebildet. Diese begeben sich dann auf die Suche nach invasiven Pflanzen wie der Beifuß- und Staudenambrosie, dem Drüsigen Springkraut oder dem Japanischen und Sachalin-Staudenknöterich.

"Für Pflanzen ist es einfacher, Genehmigungen zu bekommen. Denn als Bürger darf man natürlich nicht einfach nach geschützten Tieren suchen. Das ist Wilderei und strengstens verboten", warnt sie.

Von dem Bürgerprojekt erhoffen sich die Forscher, dass die Pflanzen in verschiedenen Stadien entdeckt werden, also als Keimling, abgeblühte Pflanze oder auch nur als Wurzelstock. "Wenn sie nicht blühen, kann man die invasiven Pflanzen entfernen. Andernfalls verbreiten sie sich sehr schnell."

Infos zum Projekt unter: www.igamon.de.

Titelfoto: Montage: André Künzelmann/UFZ + Privat

Mehr zum Thema Hunde: