Nach Tod von Listenhund "Alfi": Tierschutzverein fordert Ende der Rasseliste!

Hamburg - Trauer beim Hamburger Tierschutzverein (HTV): Der American-Staffordshire-Terrier-Mischling "Alfi" ist im Alter von 13 Jahren gestorben. Als sogenanntem Listenhund war es ihm nie vergönnt, ein normales Hundeleben zu führen.

Der American-Staffordshire-Terrier-Mischling "Alfi" ist im Alter von 13 Jahren gestorben im Tierheim Süderstraße in Hamburg gestorben.
Der American-Staffordshire-Terrier-Mischling "Alfi" ist im Alter von 13 Jahren gestorben im Tierheim Süderstraße in Hamburg gestorben.  © Hamburger Tierschutzverein

Das Hamburgische Hundegesetz hatte den Rüden Zeit seines Lebens als "unwiderlegbar gefährlich" eingestuft und eine Haltung des Tieres somit verboten. Nur unter sehr strengen Auflagen, die laut des HTV "in der Praxis de facto nicht erfüllbar sind", hätte "Alfi" überhaupt in der Hansestadt leben dürfen.

Und das, obwohl er im Tierheim Süderstraße einen sogenannten Wesenstest bestanden hatte, bei dem er nachwies, mit stressigen Situationen souverän umgehen zu können.

"Aufgrund des Gesetzes ist eine Vermittlung innerhalb Hamburgs für diese Hunde so gut wie ausgeschlossen. Unsere Listenhunde bleiben teilweise Jahre, manche für immer bei uns im Tierheim und es kommen stetig neue dazu. Das ist keine Dauerlösung und für uns nicht nur frustrierend, sondern vor allem für die Hunde traurig", erklärte Janet Bernhardt, die 1. Vorsitzende des HTV.

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Dabei gibt es durchaus Beispiele, wie es anders gehen kann: Anders als in der Hansestadt werden Hunde beispielsweise in Schleswig-Holstein und Niedersachsen nicht anhand ihrer Rasse, sondern anhand ihres Verhaltens bewertet. Grund genug für den Tierschutzverein, sich dafür auch in Hamburg einzusetzen.

"Wir fordern die Abschaffung der Rasseliste nach dem Vorbild wie etwa in Schleswig-Holstein! Und sollte das Gesetz nicht geändert werden, appellieren wir an Frau Gallina (Justizsenatorin, Anm. d. Red.), dass eine Adoption aus dem Tierschutz künftig als ‚besonderes Interesse‘ für die Haltung ausreichen muss", gab die 2. HTV-Vorsitzende Dr. Gabriele Waniorek-Goerke zu Protokoll.

Als Listenhund durfte "Alfi" nie ein normales Hundeleben führen

Als sogenanntem Listenhund war es "Alfi" nie vergönnt, ein normales Hundeleben zu führen. Der Hamburger Tierschutzverein fordert nun das Ende der Rasseliste.
Als sogenanntem Listenhund war es "Alfi" nie vergönnt, ein normales Hundeleben zu führen. Der Hamburger Tierschutzverein fordert nun das Ende der Rasseliste.  © Hamburger Tierschutzverein

"Alfi", der laut des Tierschutzvereins "für seinen Charme bekannt" war und gern kuschelte, hatte sich vor einiger Zeit am Kreuzband verletzt und musste trotz intensiver Behandlung schlussendlich eingeschläfert werden.

"Wir sind unglaublich traurig, dass es "Alfi" nicht vergönnt war, ein eigenes Zuhause und eigene Menschen zu finden", unterstrich Bernhardt. Alfis Bezugsgassigeher Janosch Kleinschnittger ergänzte: "Immerhin darf er nach seinem Tod bei uns bleiben. Wir bewahren seine Asche zur Erinnerung auf."

Laut des HTV leben allein im Tierheim Süderstraße 29 Hunde der Kategorie 1. Diese müssten immer einen Maulkorb tragen und auch auf Freilaufflächen an einer kurzen Leine laufen. Eine Befreiung von den strengen Auflagen gebe es nicht.

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Abgesehen davon seien Listenhunde auch im öffentlichen Nahverkehr unerwünscht, so habe die Hamburger Hochbahn das Mitführen von Hunden, die per Gesetz als gefährlich gelten, verboten.

Auch steuerlich sei die Haltung dieser vermeintlich gefährlichen Hunde eine große Herausforderung und mit 600 Euro pro Jahr deutlich teurer als die Haltung nicht gelisteter Rassen.

Titelfoto: Fotomontage: Hamburger Tierschutzverein

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