Forscher schlagen Alarm: Insektensterben noch schlimmer als gedacht!

Stuttgart - Vogelkundler aus Baden-Württemberg schlagen angesichts des massiven Insektensterbens Alarm.

Das Randecker Maar im Oktober 2019: Ein Forscher steht an einem Insektennetz.
Das Randecker Maar im Oktober 2019: Ein Forscher steht an einem Insektennetz.  © Ruben Gatter/Forschungsstation Randecker Maar/dpa

Wissenschaftliche Zählungen hätten mit Blick auf die vergangenen 50 Jahre einen Rückgang der sogenannten wandernden Insekten auf der Schwäbischen Alb um 97 Prozent ergeben, sagte der Leiter der Forschungsstation Randecker Maar, Wulf Gatter. 

Zuletzt hatte eine Studie des Entomologischen Vereins Krefeld (EVK) 2017 weltweit für Aufsehen erregt, derzufolge die Gesamtmasse der Fluginsekten in Teilen Deutschlands in den vergangenen drei Jahrzehnten um mehr als 75 Prozent abgenommen hat.

"Durch unsere Untersuchungen am Randecker Maar, die 20 Jahre früher begannen, wird dieses erschreckende Ergebnis nicht nur bestätigt, sondern leider weit übertroffen", schreiben Gatter und seine Kollegen in einer wissenschaftlichen Erfassung, die vor kurzem in der Entomologischen Zeitschrift veröffentlicht wurde und am Donnerstag (11.30 Uhr) in Stuttgart vorgestellt werden soll. 

Während die Krefelder Studie allerdings die Biomasse analysiert, geht es in Gatters Studie um Zählungen.

Forscher warnt davor, Folgen des Insektensterbens zu unterschätzen

Der Bestand der Schwebfliegen (Foto) ist massiv zurückgegangen.
Der Bestand der Schwebfliegen (Foto) ist massiv zurückgegangen.  © picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa

"In der Studie, in der wir uns vor allem mit Schwebfliegen befassen, zeigen unsere Ergebnisse einen massiven Rückgang dieser migrierenden Insekten auf", heißt es unter anderem. "Es ist heute kaum mehr vorstellbar, in welcher Häufigkeit in den 1970er und 1980er Jahren Schwebfliegen vorgekommen sind."

Von einem ähnlichen Rückgang seien die Waffenfliegen und Schlupfwespen betroffen. Das Ergebnis der Studie spiegele keineswegs nur die Insektenwelt rund um das Randecker Maar wieder, sondern sei ein großräumiges Phänomen.

Lars Krogmann, Entomologe vom Naturkundemuseum in Stuttgart, warnte davor, die Folgen dieses Sterbens zu unterschätzen: "Je mehr Arten verschwinden, desto mehr gerät das Ökosystem aus den Fugen. Diese Bedrohung ist allgegenwärtig, sie ist permanent, und sie geht weiter zurück, als wir uns bewusst sein mögen."

Das Randecker Maar ist ein ehemaliger Vulkanschlot der Schwäbischen Alb und gehört zur Gemeinde Bissingen (Kreis Esslingen). 

An seiner Einrichtung zur Langzeitbeobachtung des Vogel- und Insektenzuges dokumentiert Gatter die alljährlich nach Süden fliegenden Vögel und seit 1972 auch den herbstlichen Zug der Schmetterlinge und Schwebfliegen.

Titelfoto: picture alliance / Frank Rumpenhorst/dpa

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