Gejagt und dämonisiert, nun lebendig wie nie zuvor: Die Rückkehr der Europäischen Wildkatze

Niederlande - Sie wurde jahrhundertelang gejagt und galt zwischenzeitlich als bedrohte Tierart. Doch nun erobert die Wildkatze nach und nach wieder ihre europäische Heimat zurück.

Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) ist heute wieder in vielen Regionen Europas beheimatet.
Die Europäische Wildkatze (Felis silvestris) ist heute wieder in vielen Regionen Europas beheimatet.  © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Sie hat längere Beine und einen flacheren Kopf als die mit ihr verwandte Hauskatze, die in Deutschland zu den beliebtesten Haustieren zählt.

Wie lokale Naturschützer gegenüber dem Guardian berichteten, sind die ersten Wildkatzen nach jahrhundertelanger Abwesenheit wieder in die Wälder der südlichen Niederlande zurückgekehrt.

Bereits im Spätmittelalter wurden sie von dort aufgrund von Jagd und Waldrodung weitgehend vertrieben. Auch die Kirche trug ihren unrühmlichen Anteil dazu bei: Katzen wurden oftmals dämonisiert und als Verkörperung des Bösen gesehen.

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Hexen wurden daran erkannt, dass der Teufel in Gestalt einer schwarzen Katze Besitz von ihnen ergriff. Noch heute ist das alte Vorurteil, dass schwarze Katzen Unglück bringen würden, in unserem Kulturkreis bekannt.

Umso mehr ist die Rückkehr des kleinen Raubtieres mit dem markanten Schwanz samt runder Spitze und schwarzen Ringen eine echte Sensation.

Wälder sollen möglichst wild und naturnah bleiben, damit sich die Wildkatzen wohlfühlen

Eine Wildkatze läuft im Wildparadies Tripsdrill (Baden-Württemberg) über einen Stamm.
Eine Wildkatze läuft im Wildparadies Tripsdrill (Baden-Württemberg) über einen Stamm.  © Sebastian Gollnow/dpa

Biologin Hettie Meertens hat lange auf die Rückkehr der Europäischen Wildkatze hingearbeitet. Laut der Tierschutzexpertin steigt die Zahl der Exemplare in der Region Limburg bereits seit 2013 langsam an, da die benachbarten Lebensräume - die Eifel in Deutschland und die Ardennen in Belgien - inzwischen "gesättigt" seien.

"Die Population ist klein, aber sie nimmt zu. Die Situation ist fragil, aber wir sind zuversichtlich bezüglich der Expansion", sagt Meertens.

Schon im nächsten Jahr will die Biologin zusammen mit ihren Kollegen alle bisher angesiedelten Wildkatzen genau dokumentieren und fotografieren. Dazu wird ein Duft aus Baldrianöl, der die Katzen anlockt, auf Äste aufgetragen, damit die Vierbeiner dort verweilen und sich somit besser vor die Kamera bekommen lassen.

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Auch eine veränderte Waldbewirtschaftung trug zu dem jetzigen Erfolg bei. So werden einige Waldstücke wieder mehr der Natur belassen - mit umgestürzten Bäumen und Hohlräumen, die den kleinen Räubern Schutz und Ruhe bieten.

"Mit den Fleischfressern ist das Ökosystem wieder komplett", freut sich Meertens. "Sie repräsentieren den wilden Wald und das ist sehr wichtig".

Damit die in die Niederlande zurückgekehrte Wildkatze in Zukunft jedoch auch genug zu fressen hat, wollen sich die Experten nun auch um bessere Lebensbedingungen für Wühlmäuse kümmern.

Titelfoto: Sebastian Gollnow/dpa

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