Mehr Tierärzte in Sachsen-Anhalt: Kammer sieht dennoch Engpass

Magdeburg - In der Pandemie haben sich viele Menschen ein Haustier zugelegt. Die Erwartungen sind hoch - auch an Tierärzte. Die sehen sich wachsenden Aufgaben gegenüber. An Nachwuchs mangelt es unterdessen.

Die Tierärztekammer Sachsen-Anhalt sieht trotz einer gestiegenen Zahl von Veterinärmedizinern einen Engpass.
Die Tierärztekammer Sachsen-Anhalt sieht trotz einer gestiegenen Zahl von Veterinärmedizinern einen Engpass.  © Peter Kneffel/dpa

Die Tierärztekammer Sachsen-Anhalt sieht trotz einer gestiegenen Zahl von Veterinärmedizinern einen Engpass. "Die tierärztliche Praxis hat in den vergangenen Jahren einen erheblichen Aufgabenzuwachs erfahren. Das hängt in erster Linie auch mit der Stellung des Haustieres zusammen", sagte der Präsident der Tierärztekammer Sachsen-Anhalt, Wolfgang Gaede.

"Früher war das Tier noch als Objekt betrachtet worden, in der modernen Zeit ist es zunehmend Familienmitglied geworden. Das erfordert in der Folge oft eine viel intensivere, aufwendige und an menschlichen Maßstäben orientierte tierärztliche Versorgung." In der Corona-Pandemie habe zudem die Zahl der gehaltenen Haustiere nochmals zugenommen.

Die in Gommern praktizierende Fachtierärztin für Klein- und Haustiere, Anne-Kathrin Witzlack, beobachtet die deutlich gestiegenen Erwartungen der Tierhalter. Diese seien mehr und mehr bereit, Diagnostik und Behandlungen für ihre Hunde, Katzen und sonstigen Kleintiere in Anspruch zu nehmen.

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Vor 20 Jahren hätten Tierhalter ihrer Einschätzung nach beispielsweise noch abgelehnt, einer übergewichtigen, gut zehn Jahre alten Katze mit Diabetes eine Insulinbehandlung zukommen zu lassen. Heute sei das für viele keine Frage mehr, Laborkosten, regelmäßige Tierarztbesuche, die Gabe von Medikamenten nähmen viele Tierhalter in Kauf.

Entsprechend seien die Praxen besser ausgerüstet mit Röntgen- und Laborgeräten, sagte Witzlack, die auch Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes praktizierender Tierärzte ist. Zudem gebe es viele Ersttierbesitzer, die hohe Erwartungen hätten und im Umgang mit dem Tier sehr unsicher seien. Da sei viel Beratung nötig.

Sorge um die Altersstruktur

Bei den Tierärzten in Sachsen-Anhalt mangelt es an Nachwuchs.
Bei den Tierärzten in Sachsen-Anhalt mangelt es an Nachwuchs.  © Nicolas Armer/dpa

Derzeit sind laut Gaede in Sachsen-Anhalt rund 800 Tierärztinnen und Tierärzte tätig, vor 20 Jahren seien es 680 gewesen. Das bedeute zwar einen Anstieg, der aber deutlich geringer sei als im bundesweiten Schnitt. Von jährlich etwa 900 Hochschulabsolventen würden zu wenige in Sachsen-Anhalt tätig, sagte Gaede.

Er sorgt sich um die Altersstruktur: In Sachsen-Anhalt liege der Anteil der bis 39-Jährigen bei den praktizierenden Tierärzten bei 22,7 Prozent, bundesweit seien es 31,8 Prozent. Die Tätigkeit als Tierarzt insbesondere auf dem Land müsse attraktiver gemacht werden, sagte Gaede.

Zudem sei zu beobachten, dass die Zahl der angestellten Kolleginnen und Kollegen zugenommen hat, sie habe sich seit 2001 von 55 auf nun 196 nahezu vervierfacht. Zugleich gebe es weniger niedergelassene Tierärzte.

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In der Nutztierpraxis gingen die Bestände zwar zurück, es stiegen dort aber die Anforderungen in der systematischen Betreuung, sagte Gaede. "Ein Tierhalter, der kommerziell Tiere hält, ist letztendlich ein Lebensmittelerzeuger und vor diesem Hintergrund ist es erforderlich, die Gesundheit der Tiere, das Tierwohl und letztendlich die Bereitstellung gesunder und gesundheitlich unbedenklicher Lebensmittel für den Menschen zu garantieren."

Auch Kollegen in der öffentlichen Veterinärverwaltung hätten wachsende Aufgaben. Der Tierschutz spiele etwa eine Rolle, das Bewusstsein dafür sei gestiegen. Ein wachsender Kontroll- und Beratungsbedarf in Landwirtschaft und Tierhaltung sei zu bedienen.

Titelfoto: Peter Kneffel/dpa

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