Rettet Nashorn aus Serengeti-Park seine ausgestorbenen Verwandten?

Hodenhagen - In der freien Wildbahn ist das Nördliche Breitmaulnashorn ausgestorben. Forscher planen für die Tierart ein aufwendiges Rettungsprojekt, bei dem künstliche Befruchtung und Leihmütter helfen sollen.

In die Nashornkuh Makena wird große Hoffnung gesetzt.
In die Nashornkuh Makena wird große Hoffnung gesetzt.  © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Wichtige Erkenntnisse erhofft sich das internationale Team von der siebenjährigen Makena aus dem Serengeti-Park Hodenhagen, einem Südlichen Breitmaulnashorn. 

Der jungen Kuh wurden Eizellen entnommen, diese wurden in einem Speziallabor in Italien befruchtet. In Kürze soll ihr ein Embryo eingesetzt werden. 

Möglicherweise könne Makena auch irgendwann in Zukunft als Leihmutter für Nördliche Breitmaulnashörner fungieren, sagte Thomas Hildebrandt vom Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung am Dienstag.

Der Tiermediziner verfolgt seit Jahrzehnten die Vision, bedrohte Arten mithilfe von Reproduktionstechnologien vor dem Aussterben zu bewahren. 

"Wenn man das Nördliche Breitmaulnashorn rettet, rettet man auch Hunderte von Pflanzen- und Insektenarten sowie Vogel- und Fledermausarten", betonte der 57-Jährige. 

Der letzte Nördliche Breitmaulnashornbulle namens Sudan starb 2018. Weltweit gibt es nur noch zwei Weibchen im kenianischen Wildreservat Ol Pejeta, die keine Kälber austragen können. 

Leihmutter in Kenia soll Embryos austragen

Wissenschaftler entnehmen Makena Eizellen.
Wissenschaftler entnehmen Makena Eizellen.  © Asta Knoth/Serengeti-Park/dpa

Mit Eizellen der jüngeren dieser beiden und eingefrorenem Sperma eines vor Jahren gestorbenen Bullen konnten drei Embryonen erzeugt werden. 

Sie sollen von einem Südlichen Nashorn als Leihmutter in Kenia ausgetragen werden - wegen der Corona-Pandemie ist dies allerdings im Moment nicht möglich.

Eine Hürde ist noch die Übertragung der Embryonen. Bisher sind derartige Versuche mit Südlichen Breitmaulnashörnern in Europäischen Zoos gescheitert. Hildebrandt setzt aber große Hoffnungen auf Makena aus dem Serengeti-Park.

"Es ist eine wunderbare junge Nashorndame, die dieser Aufgabe gewachsen ist", sagte er. Er habe noch kein Nashorn erlebt, das so eine enge Bindung zu einer Pflegerin habe und sich das Narkosemittel von Hand spritzen lasse. 

Ende Mai wurden dem Tier zwölf Eizellen entnommen und in einem Speziallabor in Italien mit dem Sperma eines Bullen der südlichen Unterart aus dem Salzburger Zoo befruchtet. 

Es entwickelten sich vier Embryonen, die noch in flüssigem Stickstoff konserviert sind.

Nashörner fallen illegalem Handel zum Opfer

Najin ist eins von zwei der letzten Weibchen des Nördlichen Breitmaulnashorns. (Archivbild)
Najin ist eins von zwei der letzten Weibchen des Nördlichen Breitmaulnashorns. (Archivbild)  © Ben Curtis/AP/dpa

"Das Vorgehen ist sehr kosten- und zeitintensiv, es kann aber bei anderen Schlüsseltierarten als Blaupause genutzt werden", sagte Hildebrandt. 

Auch das Sumatra-Nashorn müsse gerettet werden. Das Bundesforschungsministerium fördert das Projekt "BioRescue" mit rund 4,2 Millionen Euro.

Einst zogen Nördliche Breitmaulnashörner durch Ost- und Zentralafrika, Wilderer rotteten sie aus. Der internationale Handel mit den Rhino-Hörnern ist verboten. 

Doch in Asien, vor allem in Vietnam und China, ist Horn als Inhaltsstoff der traditionellen Medizin beliebt und kostet etwa so viel wie Gold. In Afrika soll es noch rund 20.000 Südliche Breitmaulnashörner und 5000 Spitzmaulnashörner geben.

Der Serengeti-Park Hodenhagen hat nach dem US-amerikanischen Zoo in San Diego die weltweit erfolgreichste Zucht von Südlichen Breitmaulnashörnern. 

49 Junge wurde seit der Park-Gründung 1974 geboren, wie Parkchef Fabrizio Sepe sagte. Der aktuelle Zuchtbulle in Hodenhagen ist Makenas Vater, deshalb sollte sie eigentlich mit einem englischen Bullen gepaart werden. Doch dies war coronabedingt nicht möglich.

Nun könnte sie als erste Nashornkuh einen eingesetzten Embryo erfolgreich austragen. Es wäre ihr erstes Junges.

Titelfoto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

Mehr zum Thema Tiere:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0