Wildreservaten geht das Geld aus: Etliche Tiere müssen getötet werden

Südafrika - Kommen keine Touristen mehr, geht das Geld fürs Tierfutter aus. In südafrikanischen Wildtierreservaten stehen Ranger vor einem moralischen Dilemma.

KwaZulu-Natal: Ein Spitzmaulnashorn steht Rücken an Rücken mit seinem Jungtier im Phinda Private Game Reserve.
KwaZulu-Natal: Ein Spitzmaulnashorn steht Rücken an Rücken mit seinem Jungtier im Phinda Private Game Reserve.  © Frank May/dpa

Südafrikas einzigartige Wildreservate waren bislang eine stets zuverlässige Einnahmequelle. Tausende Menschen lebten hier vom Tourismus.

Seit dem Corona-Lockdown hat sich das drastisch geändert, denn die Besucher bleiben aus. Die Krise hat enorme Verluste und einen daraus resultierenden Sparzwang mit sich gebracht.

Etliche Dorfbewohner haben bereits ihre Arbeitsplätze verloren, nun trifft es auch die Tiere.

Südafrika beherbergt rund 500 private Wildreservate ("Game Reserves"). Zusammen tragen sie knapp drei Prozent zum Bruttoinlandsprodukt des Landes bei.

Doch damit die bei Touristen sehr beliebten Ausflugs- und Urlaubsziele am Laufen gehalten werden können, müssen diejenigen Tiere, die nicht von allein in freier Wildbahn überleben können, gefüttert und gepflegt werden, was hohe Beträge verschlingt.

Immer weniger Reservate können sich das noch leisten. "Es ist wirklich hart. Ich habe noch nie eine solch katastrophale Saison erlebt", sagt Njabulo Hodla, der stellvertretende Manager des Wildreservats Nambiti in der Provinz KwaZulu-Natal.

Angesichts der hohen Infektionszahlen bleibt für viele nur noch der Ausweg, die eigenen Tiere - wie etwa Impalas, Krokodile und Ibisse - zu verkaufen oder zu erschießen. Hinzu kommen massive Entlassungen im Personalbereich. Und es gibt noch weitere Probleme.

Eine Antilope im Kruger-Nationalpark im Nordosten Südafrikas.
Eine Antilope im Kruger-Nationalpark im Nordosten Südafrikas.  © Michael Mantke/123RF

Südafrikas Wildreservaten fehlt das Geld: Ranger sind arbeitslos, Tiere können nicht versorgt werden

Johannesburg: Bestatter in Schutzkleidung bereiten das Grab für eine am Coronavirus verstorbene Person auf dem Avalon-Friedhof für die Beerdigung vor.
Johannesburg: Bestatter in Schutzkleidung bereiten das Grab für eine am Coronavirus verstorbene Person auf dem Avalon-Friedhof für die Beerdigung vor.  © Shiraaz Mohamed/AP/dpa

Allein in den Dezemberferien gaben Besucher Hunderte oder sogar Tausende Dollar am Tag aus.

"Reservaten wie unserem ging es gut. Wir hatten ein gutes Einkommen, bis zu 300 Arbeitsplätze und konnten nebenbei sogar noch ein wichtiges Naturschutzprojekt unterstützen", sagt Njabulo Hodla.

Die wenigen Leute, die noch angestellt seien, würden nun gar nichts oder nur noch ein halbes Gehalt mit nach Hause nehmen, so der Manager.

Eine Besserung der Lage ist vorerst nicht in Sicht: Trotz des Shutdowns kommen in Südafrika täglich hohe Neuinfektionen hinzu. Die lokalen Behörden sind mit der Nachverfolgung der Infektionswege weitgehend überfordert.

Es wird befürchtet, dass die Krise noch viele Monate lang andauern wird.

"Es gibt keine Arbeit mehr. Wir sitzen nur noch da. Die Situation ist schlimm", sagt Ranger und Parkführer Dalton Ngobese gegenüber dem Guardian.

"Auf unseren Feldern herrscht Dürre und keine Ernte und ein Sack Maismehl kostet doppelt so viel wie im Frühjahr, beklagt er. Seit März 2020 ist der Ranger arbeitslos. Zwar gäbe es staatliche Hilfe, doch diese käme nur lückenhaft bei den Menschen an.

Die Dörfer bekämen die Folgen der Misere deutlich zu spüren: In Form von Einbrüchen und Viehdiebstählen. "Wir hoffen nur, dass Gott uns ein besseres neues Jahr beschert", sagt Dalton Ngobese. Viel Hoffnung hat der Ranger jedoch nicht mehr.

Mit mehr als einer Million registrierten Corona-Fällen und fast 30.000 Todesopfern leidet seine Heimat stärker als jedes andere afrikanische Land unter der Pandemie.

Titelfoto: Michael Mantke/123RF

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