Aufgehängte Falken und ermordete Biber: Ermittler sind Wilderern auf der Spur

Straubing/München - Tote Luchse, ermordete Biber, ein aufgehängter Falke - und ein ganzer Schwarm vergifteter Stare: Immer wieder geraten Wildtiere in das Visier von Wilderern.

Polizisten bergen einen mutmaßlich vergifteten Mäusebussard im Landkreis Straubing-Bogen.
Polizisten bergen einen mutmaßlich vergifteten Mäusebussard im Landkreis Straubing-Bogen.  © Alexander Heyd/Komitee gegen den Vogelmord e.V. (CABS) /dpa

Tierschützer sehen einen Trend nach oben - auch weil solche Fälle heute eher überhaupt registriert werden als noch vor einigen Jahren.

Allein in Bayern wurden in den vergangenen zwei Jahren Dutzende Wildtiere illegal getötet. Das geht aus einem Report des Projektes "Tatort Natur" hervor.

Der Bericht listet für die Jahre 2019 und 2020 insgesamt 75 gemeldete Fälle mit 121 getöteten Wildtieren aus 17 geschützten Arten auf. Die Dunkelziffer liege aber "sicher um ein Vielfaches höher", schreibt die Autorin der Studie, Franziska Baur.

Opfer wurden demnach häufig Greifvögel wie Rotmilane, Mäusebussarde oder Uhus, gefolgt von Turmfalken, dem Biber, dem Habicht, der Rohrweihe, dem Seeadler und dem Luchs. Dokumentierte Tötungsmethoden waren Vergiftung, Fallen, Beschuss oder die Zerstörung des tierischen Zuhauses wie des Biberdamms.

Im Landkreis Cham wurde den Angaben zufolge 2019 ein ganzer Schwarm Stare mit dem in der EU verbotenen Insektizid Carbofuran vergiftet.

Der Report dokumentiert ebenso den Abschuss eines Baumfalken, der dann auch noch "provokant an einem Baum kopfüber aufgehängt" worden sei.

Tierquäler und Tierhasser: Motive ganz unterschiedlich

Angler und Teichwirte haben es oft auf Biber abgesehen. (Symbolbild)
Angler und Teichwirte haben es oft auf Biber abgesehen. (Symbolbild)  © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Motive der Tiertöter sind unterschiedlich. "Erfahrungsgemäß handelt es sich häufig um Jäger, Geflügel- und Taubenhalter, die in
Greifvögeln oder Luchsen unliebsame Gefahren oder Konkurrenz für Niederwild sehen", schreibt Baur.

Manche Waldbesitzer fürchteten auch einen Wertverlust, wenn sich dort Beutegreifer tummelten. Einige Täter seien einfach Tierhasser und Tierquäler - und "Angler und Teichwirte wurden in der Vergangenheit gegen Kormorane,
Biber oder Fischotter aktiv".

Baur sieht auch andere wirtschaftliche Interessen als mögliches Motiv, weil streng geschützte Arten den Bau von Windenergieanlagen verhindern können. In einigen Fällen haben es Trophäenjäger auf Fell, Kopf oder Krallen der Tiere abgesehen.

Vor allem Wildvögel werden zu Opfern. In diesem Jahr gebe es eine wirkliche Häufung an Fällen bei Greifvögeln, sagt Andreas von Lindeiner vom Landesbund für Vogelschutz (LBV). Der Report ist ein Gemeinschaftsprojekt des LBV und der Gregor Louisoder Umweltstiftung.

Und auch wenn sich die erhobenen Informationen auf den Freistaat beziehen - ein rein bayerisches Phänomen beschreiben sie nicht.

Enorme Dunkelziffer: Nur zehn Prozent der Fälle wird bekannt

Vor allem Greifvögel, wie dieser Bussard, werden Opfer der Tiertöter. (Symbolbild)
Vor allem Greifvögel, wie dieser Bussard, werden Opfer der Tiertöter. (Symbolbild)  © Silas Stein/dpa

In den vergangenen zehn Jahren wurden nach Angaben der Erfassungs- und Dokumentationsstelle für Greifvogelverfolgung und Artenschutzkriminalität (EDGAR) mit Sitz in Bonn deutschlandweit weit mehr als 1000 illegale Tötungen von Wildvögeln registriert.

Die Dunkelziffer sei bei Vogel-Wilderei hoch, betont der Sprecher der Organisation "Komitee gegen den Vogelmord", Karl Heinz Kreutzer aus Augsburg: "Wir gehen davon aus, dass höchstens zehn Prozent aller begangenen Taten auch bekannt werden."

Die meisten Fälle wurden laut EDGAR in Nordrhein-Westfalen gemeldet - gefolgt von Bayern mit 185 Fällen und mehr als 450 getöteten Wildvögeln. In NRW sei die Zahl "mehr als doppelt so hoch", sagt Sprecher Axel Hirschfeld. Das liege aber vor allem daran, dass das Bewusstsein dort geschärft sei - auch durch die vorübergehende Einrichtung einer Monitoring-Stelle.

Wilderei werde heute eher nicht mehr als Bagatelle angesehen, sagt Lindeiner vom LBV. Nach einer Serie mutmaßlicher Vogel-Wilderei in Niederbayern beispielsweise richtete die Polizei eine Ermittlungsgruppe ein und startete eine großangelegte Suche nach Hinweisen.

Eine Initiative, über die Umweltschützer sich freuen - auch wenn kaum eine Tat aufgeklärt wird: Laut dem "Tatort Natur"-Report hatte nur einer der 75 registrierten bayerischen Fälle aus den vergangenen zwei Jahren Konsequenzen: Das Amtsgericht Rosenheim verhängte wegen eines illegal per Falle gefangenen Bibers eine Geldstrafe in Höhe von 1500 Euro.

Insgesamt werde auch die Sensibilität in der Bevölkerung größer, sagt Hirschfeld - und die menschliche Unterstützung sei wichtig für die Vögel: "Wenn Ihnen die Handtasche geklaut wird, gehen Sie zur Polizei und zeigen das an. Wenn ein Habichtmännchen erschossen wird, fliegt das Habichtweibchen nicht zur Polizei und meldet das."

Titelfoto: Alexander Heyd/Komitee gegen den Vogelmord e.V. (CABS) /dpa

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