Kein Grund für Afrika: Klimawandel zwingt weniger Vögel zur Abreise

Hilpoltstein - Der Zug der Vögel in Bayern ist in vollem Gange. Millionen von Tieren machen sich in diesen Tagen auf den Weg in ihre Winterquartiere im südlichen Mittelmeerraum, sagte Angelika Nelson, Vogelzugexpertin beim Landesbund für Vogelschutz in Hilpoltstein, der Deutschen Presse-Agentur.

Kein Schnee, kein Abflug: Die immer seltener werdenden Schneedecken kommen der Futtersuche von Störchen entgegen. (Archiv)
Kein Schnee, kein Abflug: Die immer seltener werdenden Schneedecken kommen der Futtersuche von Störchen entgegen. (Archiv)  © Julian Stratenschulte/dpa

Andere Vögel kämen dagegen nach Bayern, um hier zu überwintern - darunter Buch-und Bergfinken aus skandinavischen Ländern.

Vögel, die noch weiter ziehen, etwa ins Afrika südlich der Sahara, sind teils schon seit Juli nicht mehr in Bayern.

Zu beobachten sei, dass sich der Vogelzug verändere und sich immer mehr dem Klimawandel anpasse.

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Zu den augenfälligsten Beispielen gehöre der Weißstorch. Die Tiere hätten sich in der Vergangenheit vorwiegend von Amphibien wie etwa Fröschen ernährt - die im Winter wegen ihrer Winterstarre nicht als Nahrung zur Verfügung stehen.

"Inzwischen ernähren sich Weißstörche häufiger von Mäusen", sagte Nelson. In Verbindung mit der seltener werdenden Schneedecke stelle dies eine Nahrungsgrundlage dar, die den Flug nach Afrika nicht mehr zwingend nötig mache.

Gefährdete Vogelarten verschwinden "vor unseren Augen"

Auch Vögel, die sich hauptsächlich von Körnern und Sämereien ernähren, fänden im Winter in Bayern inzwischen genügend Futter und blieben hier. Dazu zählten Buchfink, Sperling sowie Kohl- und Blaumeise. Andere suchten sich neue Routen.

Insgesamt werde die Zahl der Zugvögel tendenziell geringer. "Auch in Bayern nehmen die Bestände von immer mehr Vögeln drastisch ab", betonte Nelson anlässlich der Aktion "Birdwatch" Anfang Oktober.

Dazu zählten einstige Allerweltsvögel wie Kiebitz und Feldlerche, die nun als gefährdet eingestuft seien. "Manche Vogelarten verschwinden vor unseren Augen, wie Braunkehlchen oder Wachtelkönig", sagte die Expertin.

Titelfoto: Julian Stratenschulte/dpa

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