Wenn Tierbesitzer sterben: Wohin mit Hund, Katze oder Schildkröte?

München - Lange Jahre hatten Seppi und Goyo ein schönes Zuhause. Doch dann starb ihre Besitzerin überraschend, seit März sind die Kater deshalb verwaist.

Markus Baur, Leiter der Auffangstation für Reptilien, hält einen Teppichpython in den Händen.
Markus Baur, Leiter der Auffangstation für Reptilien, hält einen Teppichpython in den Händen.  © Sven Hoppe/dpa

Als "sanfte Buben" preist das Tierheim München nun die beiden im Internet an und sucht für sie "ein ruhiges Zuhause, wo sie verwöhnt und ein wenig verhätschelt werden".

Das Schicksal von Seppi und Goyo ist nicht ungewöhnlich, denn längst nicht alle Tierbesitzer sorgen vor für den Fall, dass sie sterben oder ins Pflegeheim kommen. Gerade bei Alleinstehenden finde sich auf die Schnelle oft niemand, der sich um die Tiere kümmern möchte, berichtet der Deutsche Tierschutzbund in Bonn.

Bundesweite Zahlen hat der Tierschutzbund nicht vorliegen. Doch allein im Tierheim München landeten im vergangenen Jahr 113 Hunde und Katzen sowie 57 Kleintiere, weil die Besitzer starben, in die Klinik oder in eine Pflegeeinrichtung mussten.

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Für die Tiere, die aus ihrem Alltag gerissen werden, ist das nicht leicht. "Hunde und Katzen trauern oft", sagt Kristina Berchtold, Pressesprecherin des Tierschutzvereins München. Sie seien verstört, ängstlich oder gar traumatisiert.

"Manche stellen sogar das Fressen ein, geben sich auf vor lauter Trauer." Alte Menschen kümmerten sich außerdem gerne intensiv um ihre Lieblinge. "Da steht das Tier oft im Lebensmittelpunkt, Mensch und Tier haben eine tägliche gemeinsame Routine."

Und wenn die wegbricht, wird es schlimm, zumindest solange, bis die Tiere wieder ein neues, liebevolles Zuhause haben.

Hund und Katzen werden leichter neu vermittelt, Reptilien haben es schwerer

Ein Mitarbeiter der Auffangstation für Reptilien hält eine Schildkröte in den Händen. Wenn Besitzer von Reptilien sterben, landen die Tiere in Bayern oft in der Münchner Auffangstation.
Ein Mitarbeiter der Auffangstation für Reptilien hält eine Schildkröte in den Händen. Wenn Besitzer von Reptilien sterben, landen die Tiere in Bayern oft in der Münchner Auffangstation.  © Sven Hoppe/dpa

Hunde, Katzen und Kleintiere haben ganz gute Chancen, vermittelt zu werden. Anders die Tiere, die in der Auffangstation für Reptilien in München landen.

Rund 2500 Exemplare beherbergt der Verein, zum Teil in den Zweigstellen am Stadtrand, fast die Hälfte im Stadtteil Schwabing, wo sich in engen Räumen Terrarien bis zur Decke stapeln. Dieses Jahr kamen in den ersten drei Monaten bereits 130 Tiere hinzu, die nach dem Tod ihres Besitzers niemand wollte.

Stationsleiter Markus Baur und seine Kollegen werden dann schon mal panisch zur Wohnung von Verstorbenen gerufen. "Keiner traut sich rein, weil alle davon ausgehen, dass da schwarze Mambas in der Wohnung sind, auch wenn es nur eine harmlose Kornnatter ist", erzählt der Tierarzt.

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Auch der Polizei eilten sie schon zu Hilfe, etwa 2013 in Straubing. Ein Mann lag tot zwischen Terrarien. Um ihn herum: Fast 50 Würgeschlangen, manche ausgebrochen, dazu der Verwesungsgeruch der Leiche.

Seine Kollegen hätten in der Wohnung stundenlang die Tiere eingesammelt, erinnert sich Bauer. Erst dann habe sich die Polizei um den Toten kümmern können.

Appell an Haustier-Besitzer: Regelt die Zukunft Eurer Tiere!

Eine Königspython liegt in der Auffangstation für Reptilien in ihrem Terrarium. Gerade Reptilien haben es meist schwer, ein neues Zuhause zubinden.
Eine Königspython liegt in der Auffangstation für Reptilien in ihrem Terrarium. Gerade Reptilien haben es meist schwer, ein neues Zuhause zubinden.  © Sven Hoppe/dpa

Doch plötzlich mal 50 Riesenschlangen oder 20 Schildkröten aufnehmen, das ist für die Reptilienauffangstation nicht ohne, die sich auch über staatliche Zuschüsse und Spenden finanziert. Allein das Futter kostet viel Geld. Und anders als bei Hunden und Katzen lassen sich Reptilien nicht so ohne weiteres an Interessenten vermitteln, auch wenn die Nachfrage nach Haustieren gerade hoch ist.

"Die Tiere, die wir haben, sind nicht die, die man sich als Kumpel in der Quarantänezeit holt. Mit einer Schlange oder einem Krokodil ist es weitaus schwerer, sich die Einsamkeit zu vertreiben, als mit einem jungen Hund", meint Baur.

Experten appellieren deshalb an Tierbesitzer, für ihre Lieblinge vorzusorgen, vor allem bei langlebigen Arten wie Papageien oder Schildkröten, die auch schon mal 50 Jahre oder älter werden können. "Wenn ihr Tiere habt, die euch überleben, dann regelt das bitte", fordert Reptilienfachmann Baur.

Als vorbildlich beschreibt Baur eine Münchnerin, die Schildkröten und andere Tiere hatte. Als sie schwer krank wurde, legte sie fest, wer die Tiere übernehmen würde. Und sie stellte ausreichend Geld bereit, um die Haltungskosten abzudecken.

Der Tierschutzbund empfiehlt zudem eine Haustierbetreuungsvollmacht und idealerweise auch eine Anleitung mit den Eigenheiten, Krankheiten oder Futtervorlieben für jedes Tier. Denn oft sind es Kleinigkeiten, die Tieren wie Hunde oder Katzen über die Trauer hinweghelfen: der übliche Futternapf, das gewohnte Leckerli oder die Lieblingskuscheldecke.

Berchtold vom Tierschutzverein München wäre es aber am liebsten, die Menschen würden sich bereits vor einem Kauf Gedanken machen: "Welche Lebenserwartung hat das Tier? Und kann ich die abdecken?"

Titelfoto: Sven Hoppe/dpa

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