"Schande für Brandenburg": Zahl der Versuchstiere so hoch wie nie

Potsdam - Tierquälerei oder notwendiges Übel? Rund 22.500 Tiere sind im vergangenen Jahr in Brandenburg für wissenschaftliche Versuche genutzt worden. Dabei wurden etwa 2650 Tiere getötet, teilte das Verbraucherministerium in Potsdam auf eine Anfrage der AfD-Landtagsfraktion mit.

Eine Virologin steht in einem Hochsicherheitslabor zwischen Boxen für Versuchstiere. In Brandenburg sind 2020 knapp 25.000 Tiere zu Forschungszwecken eingesetzt worden. (Symbolfoto)
Eine Virologin steht in einem Hochsicherheitslabor zwischen Boxen für Versuchstiere. In Brandenburg sind 2020 knapp 25.000 Tiere zu Forschungszwecken eingesetzt worden. (Symbolfoto)  © Christian Charisius/dpa

Nach Angaben des Deutschen Tierschutzbundes hat die Zahl der Versuchstiere in Brandenburg damit den höchsten Stand seit Aufzeichnung der Tests vor zehn Jahren erreicht.

Danach gab es 2010 in der Mark laut Bundesagrarministerium 12.004 Versuchstiere. 2018 waren es 19.790 und im vergangenen Jahr laut Brandenburger Landesregierung 22.498.

Den Angaben des Verbraucherministeriums zufolge haben im laufenden Jahr 13 Einrichtungen, die Tierversuche durchführen, ihren Sitz in Brandenburg.

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Die Versuche dienten unter anderem der Grundlagenforschung etwa im Bereich des Immunsystems, der Verhaltensbiologie und Sensorik sowie der angewandten Forschung, darunter Erkrankungen, die Herz und Blutgefäße betreffen, und Infektionskrankheiten des Menschen.

Tierversuche gehörten auch zur Hochschulausbildung.

Bei 28 Tierversuchen stand tödlicher Verlauf von vornherein fest

Eine Labormaus wird für einen Tierversuch vorbereitet. In Brandenburg wurden im Jahr 2020 bei allen Tierversuchen Mäuse am häufigsten eingesetzt. (Archivfoto)
Eine Labormaus wird für einen Tierversuch vorbereitet. In Brandenburg wurden im Jahr 2020 bei allen Tierversuchen Mäuse am häufigsten eingesetzt. (Archivfoto)  © Jan-Peter Kasper/dpa

Mit rund 8500 Tieren wurden Mäuse im vergangenen Jahr am häufigsten für Versuche eingesetzt, gefolgt von 8300 Fischen und über 3500 Rindern.

Geforscht wurde auch an knapp 500 Kaninchen, 400 Ratten, 300 Pferden und 200 Schafen. An Affen wurde nicht geforscht.

Von den insgesamt 178 Tierversuchen stand laut Ministerium bei 28 von vornherein der tödliche Verlauf fest.

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Im Frühjahr hatte die Tierschutzorganisation PETA die Landesregierung gebeten, das Brandenburgische Hochschulgesetz so zu ändern, dass es im Studiengang Biowissenschaften eine Wahlmöglichkeit gibt, in der Ausbildung auf das Sezieren von Tieren aus ethischen Gründen zu verzichten.

Laut PETA gibt es diese Möglichkeit bereits in neun Bundesländern.

Wie nun aus dem Wissenschaftsministerium in Potsdam verlautet, wird das Hochschulgesetz derzeit novelliert.

Tierschutzorganisationen kritisierten Zunahme der Versuchstiere in Brandenburg

Eine Demonstration gegen Tierversuche: Tierschutzorganisationen und der Deutsche Tierschutzbund kritisierten die Zunahme der Versuchstiere in Brandenburg. (Archivfoto)
Eine Demonstration gegen Tierversuche: Tierschutzorganisationen und der Deutsche Tierschutzbund kritisierten die Zunahme der Versuchstiere in Brandenburg. (Archivfoto)  © Daniel Bockwoldt/dpa

Dabei sei der Tierschutz in Forschung und Lehre ein Prüfgegenstand zur Aufnahme in den Gesetzentwurf, auch unter Berücksichtigung der Vorschläge von PETA, hieß es. Der Landtag wird sich voraussichtlich 2023 mit der Novellierung befassen.

Tierschutzorganisationen kritisierten die Zunahme der Versuchstiere in Brandenburg. Die Referentin für Tierversuche bei PETA Deutschland, Sabrina Engel, sagte der dpa, Tierversuche seien nicht geeignet, um menschliche Krankheiten zu bekämpfen.

"Tierfreie innovative Forschungsmethoden sollten der Standard sein. Aus wissenschaftlicher Sicht ist es nicht gerechtfertigt, dass die Versuche sogar zunehmen."

Der Deutsche Tierschutzbund sprach von einer "Schande für Brandenburg" angesichts des Fortschritts bei tierleidfreien Alternativen.

Diese Versuche seien nicht nur ethisch höchst fragwürdig, sagte der Vorsitzende des Tierschutzbunds in Brandenburg, Rico Lange. "Auch aus wissenschaftlichen Gründen ist es geboten, auf diese veralteten Methoden zu verzichten."

Titelfoto: Jan-Peter Kasper/dpa

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