Nach wochenlangem Beschuss: AKW Saporischschja wird abgeschaltet

Sporischja - Nach wochenlangem Beschuss wird das von russischen Streitkräften besetzte Atomkraftwerk (AKW) im ukrainischen Saporischschja komplett heruntergefahren und vom Netz genommen. Sinn und Zweck der Aktion ist es, die Gefahr einer atomaren Katastrophe in der Region zu senken.

Das ukrainische Atomkraftwerk (AKW) Saporischschja machte immer wieder besorgniserregende Schlagzeilen.
Das ukrainische Atomkraftwerk (AKW) Saporischschja machte immer wieder besorgniserregende Schlagzeilen.  © dpa/Victor

"Es wurde entschieden, den Reaktorblock Nummer sechs in den sichersten Zustand - den Kaltzustand - zu versetzen", so die ukrainische Atombehörde Energoatom auf ihrem Telegram-Kanal.

Schon in den vergangenen drei Tagen habe das AKW ausschließlich im "Inselbetrieb" gearbeitet, also nur noch Strom zur Eigenversorgung produziert.

Das war nötig geworden, da durch den andauernden Beschuss sämtliche Verbindungslinien zum ukrainischen Stromnetz unterbrochen worden waren.

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Nachdem am Sonnabend dann eine Leitung wiederhergestellt werden konnte, entschied man sich, auch den letzten funktionierenden Reaktorblock abzuschalten.

Neben der ukrainischen bestätigte auch die russische Seite die Abschaltung des Kernkraftwerkes.

Zugleich erklärte der Chef der russischen Militärverwaltung des Gebiets Saporischschja, dass das AKW derzeit über Dieselgeneratoren weiter mit Strom versorgt werde, um die Kühlung zu gewährleisten.

Annalena Baerbock fordert Russland zum Rückzug vom AKW Saporischschja auf

Aus der Luft zeigen sich die beeindruckenden Dimensionen des AKWs.
Aus der Luft zeigen sich die beeindruckenden Dimensionen des AKWs.  © dpa/Planet Labs Pbc/Planet Labs PBC/A

Noch am Sonnabend hatte Außenministerin Annalena Baerbock (41, Grüne) die Russen bei ihrem überraschenden Besuch in Kiew zum vollständigen Rückzug vom Gelände des AKW Saporischschja aufgefordert.

Mit der Besetzung des Kernkraftwerks setze der russische Präsident Wladimir Putin (69) die gesamte Region der Gefahr eines nuklearen Zwischenfalls aus.

"Er macht ein AKW zum Kriegspfand in einem Kriegsgebiet. Russland muss dieses Spiel mit dem Feuer sofort beenden."

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Am Rande: Während die Ukraine im Osten des Landes Erfolge feiert, hat der russische Außenminister Sergej Lawrow (72) im Staatsfernsehen Verhandlungen in Aussicht gestellt.

"Russland lehnt Verhandlungen mit der Ukraine nicht ab, doch je länger der Prozess hinausgezögert wird, desto schwerer wird es, sich zu einigen."

Zugleich rechtfertige er aber nochmals das russische Vorgehen und sprach von einer Auseinandersetzung mit dem gesamten Westen.

Titelfoto: dpa/Planet Labs Pbc/Planet Labs PBC/A

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