Die Angriffe gehen weiter: Putin ist vor den Anonymous-Hackern nicht mehr sicher!

Internet - Seit dem Beginn des Krieges gegen die Ukraine führt das Hacker-Kollektiv Anonymous einen Cyberkrieg gegen Russland und den Kremlchef Wladimir Putin (69).

Seit dem Beginn des Krieges hat sich das Hacker-Kollektiv Anonymous auf die Seite der Ukraine gestellt.
Seit dem Beginn des Krieges hat sich das Hacker-Kollektiv Anonymous auf die Seite der Ukraine gestellt.  © 123rf.com/tiero

Zuletzt twitterte die Gruppe am Donnerstag, dass sich ein Hacker, "der im Auftrag von Anonymous operiert", Zugang zum Überwachungssystem im Kreml verschafft habe.

Weiter hieß es: "Wir werden nicht aufhören, bis wir alle ihre Geheimnisse gelüftet haben. Sie werden uns nicht aufhalten können. Jetzt sind wir im Schloss, dem Kreml."

Dazu veröffentlichten die Internetaktivisten Videomaterial auf Twitter, das von den Überwachungs­kameras des russischen Regierungssitzes stammen soll.

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Schon zu Beginn der russischen Invasion in die Ukraine hatte Anonymous "groß angelegte Cyberattacken" auf russische Webseiten, Einrichtungen und Unternehmen, die weiterhin in Russland tätig sind, angekündigt - und zum Teil schon umgesetzt.

So wurden etwa Ende Februar die Internetseiten der Nachrichtenagentur TASS, der Tageszeitungen "Iswestija" und "Kommersant" sowie des Medienunternehmen RBK geknackt. Außerdem hackte das Kollektiv bereits die Seiten des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB sowie des Justizministeriums und des Verteidigungsministeriums.

Angriffe gab es auch auf die Russische Zentralbank, wobei offenbar Tausende Datensätze erbeutet wurden, und auf den Energiekonzern Rosneft Deutschland, wo rund 20 Terabyte Daten abgeleitet worden sein sollen.

Wladimir Putin führt einen brutalen Krieg gegen das ukrainische Volk

Er zensiert Inhalte, die das russische Volk aus der Ukraine nicht zu sehen bekommen darf: Russlands Präsident Wladimir Putin (69).
Er zensiert Inhalte, die das russische Volk aus der Ukraine nicht zu sehen bekommen darf: Russlands Präsident Wladimir Putin (69).  © Kay Nietfeld/dpa

Wladimir Putin dürften diese Attacken wohl nicht gefallen. Denn die Hacker decken auf, was der russische Präsident um jeden Preis vertuschen will: Dass er einen brutalen Krieg gegen das ukrainische Volk führt - und dass dabei auch tausende russische Soldaten bei ihren Einsätzen an der Front sterben.

Darüber hinaus hackte sich Anonymous ins Staatsfernsehen und brachte so den russischen Zuschauern die in der Ukraine verübten blutigen Gräueltaten direkt nach Hause auf die Bildschirme. Diese Bilder bekommen sie sonst nicht zu sehen, da der Kremlchef alles versucht, um die Realität zu zensieren.

Doch offenbar gibt es noch ein weiteres Problem! Im Gespräch mit dem Focus erklärte der Cyber-Security-Experte Jeremiah Fowler: "Die Aktionen der 'Hacktivisten' werden unsere Gesellschaft für immer verändern".

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Die enormen Fortschritte und Errungenschaften, die die Gruppe im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine bislang erreicht habe, seien beeindruckend. Fowler wagte deshalb eine Prognose: "Noch viele weitere werden folgen."

Der Sicherheits-Experte ist sich sicher: "Auch im ganz normalen Alltag können Russen die Aktionen von 'Anonymous' zu spüren bekommen." So bekamen Kunden, wenn sie "in einigen russischen Supermärkten beispielsweise ihr Gemüse zum Scannen auf die Waage legten, statt Gewicht und Preis pro-ukrainische Slogans ausgedruckt."

"Solche Aktionen hat es noch nie zuvor gegeben", sagte Fowler.

Hacker schicken Kriegs-Bilder in russische Wohnzimmer

Jüngste Gräueltat: Bei einem Raketenangriff auf einen Bahnhof in Kramatorsk wurden am 8. April Dutzende Menschen getötet, die vor den Kämpfen fliehen wollten.
Jüngste Gräueltat: Bei einem Raketenangriff auf einen Bahnhof in Kramatorsk wurden am 8. April Dutzende Menschen getötet, die vor den Kämpfen fliehen wollten.  © Seth Sidney Berry/ZUMA Press Wire/dpa

Zudem verschafften sich einzelne Mitglieder Zugang zu 100.000 russischen Druckern, die anschließend Anti-Putin-Botschaften ausdruckten.

"Was 'Anonymous' geschafft hat, wäre noch vor wenigen Wochen kaum vorstellbar gewesen. Und sie werden von Tag zu Tag besser." Dazu würden sich die Hacker - und das ist neu - innovativer Tools bedienen, um beispielsweise ins Staats-TV einzudringen und pro-ukrainische Botschaften zu zeigen.

Fowler: "Statt Webseiten also einfach nur zum Stillstand zu bringen, stellt man jetzt deren Inhalt völlig auf den Kopf. Das ist sensationell." Für ihn steht fest, dass das auch Menschen weltweit beeindruckt, die gar keine Hacker sind.

Und viele, die die brutalen Bilder aus dem Krieg sehen, wollen etwas tun. "Bei 'Anonymous' kann jeder mitmachen: Es ist keine offizielle Organisation mit Verträgen, Bewerbungen oder einer bestimmten Hierarchie. Jedes Talent, jeder Zocker, der irgendeine Fähigkeit beherrscht, ist hier willkommen – selbst wenn es nur für eine einmalige Aktion ist."

Denn: "Alle verfolgen das gleiche Ziel. Jeder Hacker, jeder Gamer tut, was er am besten kann und wann er eben gerade Zeit dafür hat", sagte der Gründer einer Cyber-Sicherheitsfirma weiter.

Das Problem für Putin: Niemand weiß, wer wirklich hinter einer Attacke steckt. Mit altbewährten KGB-Methoden - wie Gegner vergiften oder auf anderem Weg ausschalten - lassen sich Hacker wohl kaum besiegen.

Sollte doch mal einer ausfindig gemacht werden, gehen die Hacks trotzdem einfach immer weiter...

Titelfoto: 123rf.com/tiero

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