Ukraine-Krieg: Frau kann wegen dieses Details in ihrem Ausweis nicht fliehen

Kiew (Ukraine) - Der Krieg in der Ukraine erschüttert die ganze Welt. Jeder neue Tag ist gefüllt mit Schreckensnachrichten aus dem osteuropäischen Land. Tausende Menschen wollen vor dem Konflikt zwischen Russland und der Ukraine fliehen, doch einige sitzen in einer grausamen Falle.

Zi Faámelu kann nicht aus dem Kriegsgebiet fliehen, weil sie auf ihrem Ausweis noch ein Mann ist.
Zi Faámelu kann nicht aus dem Kriegsgebiet fliehen, weil sie auf ihrem Ausweis noch ein Mann ist.  © Instagram/ Zi Faámelu

Eine der verzweifelten Personen, die nicht aus der Ukraine ausreisen können, ist Zi Faámelu.

Die junge Frau will den Krieg am liebsten direkt hinter sich lassen, doch ein Detail in ihrem Ausweis hindert sie daran: Auf dem Dokument ist Zi noch immer ein Mann, obwohl sie schon seit Jahren glücklich als Transfrau lebt.

"Ähnlich wie Hunderte von Transmenschen in der Ukraine bin ich eine Frau, aber in meinem Pass und auf all meinen Ausweisen steht 'männlich'", erklärt die Ukrainerin gegenüber Vice World News. "Das ist ein Krieg im Krieg."

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Das Problem ist, dass aufgrund der russischen Invasion ein Ausreiseverbot für alle ukrainischen Männer zwischen 18 und 60 Jahren verhängt wurde. Sie sollen bleiben, um ihr Land zu beschützen und gegen Russland zu kämpfen.

Doch warum ließ Zi Faámelu ihr Geschlecht nicht schon längst auf den offiziellen Dokumenten ändern?

Transmenschen müssen ständig um ihr Leben fürchten

Flüchtlinge nach ihrer Flucht aus der Ukraine in Polen.
Flüchtlinge nach ihrer Flucht aus der Ukraine in Polen.  © Bryan Smith/ZUMA Press Wire/dpa

"Ukrainische Transmenschen kämpften bereits um ihr Leben", so Faámelu, die als Künstlerin arbeitet.

Sie habe ihren Ausweis nicht ändern lassen, weil dieser Prozess in ihrem Heimatland einfach nur "demütigend" sei. Die junge Transfrau erklärt weiter, dass Menschen wie sie oft monatelang in einem Krankenhaus bleiben müssen, um dort "ihr Geschlecht zu beweisen". Dieses Prozedere wollte sie umgehen.

Auch vor dem Krieg war es für sie nie leicht. "An einem normalen Tag ist es für mich als Transperson in der Ukraine schon sehr gefährlich - somit ist es jetzt unmöglich", beklagt sich Zi.

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Während homo- und bisexuelle Menschen langsam in der Gesellschaft akzeptiert werden, sind die Zustände für Menschen mit transsexueller Geschlechtsidentität untragbar.

Bereits körperliche Merkmale reichen aus, um brutal angegriffen zu werden. Hätte man als Frau ein "markantes Kinn" und "breite Schultern", würde man "geschlagen", ja sogar "getötet" werden, erklärt die ukrainische Sängerin.

Der Krieg würde sie zwingen, aus dem Land zu fliehen, aber sie "können nicht einmal ihre Wohnungen verlassen", ohne von ihren Mitmenschen als transgender erkannt und attackiert zu werden.

Sängerin hofft auf Hilfe aus dem Ausland

Sollte es Zi Faámelu bis an die Grenze schaffen, befürchtet sie, dass sie auf wenig Verständnis trifft oder sogar Gewalt erfährt. "Sie werden meinen Pass sehen und 'männlich' lesen. Sie werden meinen Geburtsnamen sehen und mich einen Mann in Kleid nennen und mich angreifen", erklärt die Ukrainerin ängstlich.

Sie hofft auf Rettung aus dem Ausland. "Wir brauchen Menschen, die an ihre Politiker und an Wohltätigkeitsorganisationen schreiben, damit die uns helfen."

Titelfoto: Instagram/Screenshot Zi Faámelu, Bryan Smith/ZUMA Press Wire/dpa

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