Ukraine-Krieg, Tag 49: Russland droht Angriffe auf "Entscheidungs-Zentren" in Kiew an!

Kiew (Ukraine) - Seit mittlerweile 49 Tagen führt Russland Krieg gegen die Ukraine. Ein Ende ist nicht in Sicht. Nach Einschätzungen der Ukraine bereite das Nachbarland derzeit eine Großoffensive im Osten vor. Alle aktuellen Entwicklungen aus dem Krisengebiet im TAG24-Liveticker.

Der Oligarch Viktor Medwedtschuk (67) wurde im Rahmen eines Sondereinsatzes des ukrainischen Geheimdienstes SBU festgenommen. Wolodymyr Sleensky (44) schlug nun einen Austausch des Politikers gegen Ukrainer in russischer Kriegsgefangenschaft vor.
Der Oligarch Viktor Medwedtschuk (67) wurde im Rahmen eines Sondereinsatzes des ukrainischen Geheimdienstes SBU festgenommen. Wolodymyr Sleensky (44) schlug nun einen Austausch des Politikers gegen Ukrainer in russischer Kriegsgefangenschaft vor.

Die seit Wochen umkämpfte Hafenstadt Mariupol ist nach Kiewer Angaben in der Nacht zum Mittwoch erneut Ziel russischer Luftangriffe gewesen.

Wie das ukrainische Militär mitteilte, griffen russische Truppen auch den Hafen der Stadt und das Stahlwerk Asowstal an. Die Großstadt Charkiw im Osten des Landes sei von russischer Artillerie beschossen worden.

Wolodymyr Selensky (44), der Präsident der Ukraine, forderte indes vorbeugende Schritte gegen den möglichen Einsatz von Massenvernichtungswaffen durch Russland. Dabei bezog er sich auf Berichte aus Mariupol vom Vortag, wonach Russland dort mit einer nicht identifizierten chemischen Substanz angegriffen habe.

Wegen Unwetterwarnung: Krefeld bringt Flüchtlinge aus der Ukraine in Schule unter
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Zudem schlug der ukrainische Präsident einen Austausch des festgenommenen prorussischen Politikers Viktor Medwedtschuk (67) gegen Ukrainer in russischer Kriegsgefangenschaft vor.

Die Geschehnisse des gestrigen Tages könnt Ihr im TAG24-Ticker (12. April) nachlesen. Alle aktuellen Entwicklungen im Zuge des Krieges in der Ukraine am heutigen Mittwoch, 13. April gibt es wie gewohnt hier in unserem Liveticker.

22.23 Uhr: Russischer Kreuzer brennt laut Kiew nach ukrainischem Raketenangriff

Der russische Raketenkreuzer "Moskwa" ("Moskau") ist nach Angaben aus Kiew im Schwarzen Meer von einer ukrainischen Anti-Schiffsrakete getroffen worden.

"Den Kreuzer "Moskwa" traf irgendeine Überraschung - er brennt stark", sagte Präsidentenberater Olexij Arestowytsch am Mittwoch in einem Interview. Das Kriegsschiff habe eine Besatzung von mehr als 500 Matrosen. Von russischer Seite gab es zunächst keine Bestätigung.

Die "Moskwa" soll unter anderem an der Eroberung der ukrainischen Schlangeninsel zu Kriegsbeginn vor knapp sieben Wochen beteiligt gewesen sein. Der Berater des ukrainischen Innenministers, Anton Heraschtschenko, deutete in einem Beitrag in sozialen Netzwerken an, das Kriegsschiff sei mit einer Rakete des Typs Neptun getroffen worden. Die ukrainische Eigenentwicklung hat eine operative Reichweite von 280 Kilometern.

22.09 Uhr: Ukrainische Piloten suchen laut Medien Sponsoren für Kampfflugzeugkauf

Knapp sieben Wochen nach Beginn des russischen Angriffskriegs haben ukrainische Piloten offenbar eine Kampagne zum Kauf von Kampfflugzeugen für ihre Luftwaffe gestartet.

"Kauf mir einen Kampfjet", heißt es in einem Video, auf das ukrainische Medien am Mittwoch hinwiesen. In dem Film steht ein Mann mit Sonnenbrille in Pilotenkleidung vor den Trümmern am Boden zerstörter ukrainischer Kampfflugzeuge. Er brauche ein Kampfflugzeug, um damit Panzer und Kriegsverbrecher zu vernichten, sagt er.

Auf der zugehörigen Website werden Länder mit vorhandenen Flugzeugen sowjetischer Bauart vor allem aus dem ehemaligen Ostblock gelistet, denen Jets abgekauft werden könnten. Die Piloten seien auch bereit, das Fliegen mit Kampfjets westlicher Typen von der schwedischen JAS 39 Gripen bis hin zur US-amerikanischen F-35 zu lernen, heißt es in dem Video.

21.54 Uhr: USA wollen Ukraine Hubschrauber, Artillerie und Minen schicken

Die USA wollen der Ukraine aus ihren Vorräten weitere Waffen und Munition im Wert von bis zu 800 Millionen Dollar (740 Millionen Euro) liefern. Hier eine Übersicht des US-Verteidigungsministeriums zu den in Kürze zu liefernden Systemen:

  • Elf einst für Afghanistan bestimmte Hubschrauber russischer Bauart vom Typ Mi-17. Vor dem Krieg hatten die USA bereits fünf davon an die Ukraine übergeben.
  • 200 gepanzerte Mannschaftstransporter vom Typ M113.
  • 100 gepanzerte Allzweckfahrzeuge vom Typ Humvee.
  • 18 Feldhaubitzen vom Typ 155mm mit 40 000 Artilleriegeschossen. "Falls wir mehr schicken müssen, schicken wir mehr", sagte Pentagonsprecher John Kirby.
  • Schutzausrüstung für chemische, biologische und nukleare Vorfälle. "Die Ukrainer sehen das als eine angemessene Vorsichtsmaßnahme", sagte Sprecher Kirby.
  • Zehn spezielle Radarsysteme zu Artillerieaufklärung, zwei Systeme zur Luftaufklärung.
  • 300 unbemannte Drohnen vom Typ Switchblade, die mit einem Sprengsatz auf einem Ziel zum Absturz gebracht werden können.
  • 500 Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ Javelin sowie "Tausende" weitere panzerbrechende Waffen.
  • Sprengstoff vom Typ C-4 zur Räumung von Hindernissen.
  • Eine unbestimmte Zahl autonomer Schiffe zur Küstenverteidigung.
  • 30.000 Kombinationen aus schusssicheren Westen und Helmen.
  • Eine unbestimmte Zahl Antipersonenminen vom Typ Claymore M18A1.

Die meisten Landminen sind durch einen Vertrag, dem sich mehr als 160 Staaten angeschlossen haben, international geächtet, weil sie oft noch lange nach dem Ende von Kampfhandlungen vor Ort verbleiben und die Zivilbevölkerung gefährden. Die USA und Russland haben sich dem Ottawa-Vertrag nicht angeschlossen. Dem Pentagon zufolge erlaubt der Vertrag aber die Nutzung der Claymore-Minen, weil diese normalerweise kontrolliert verlegt und per Fernzündung ausgelöst werden.

US-Präsident Joe Biden (79) liefert jede Menge Waffen an die Ukraine.
US-Präsident Joe Biden (79) liefert jede Menge Waffen an die Ukraine.  © Carolyn Kaster/AP/dpa

21.20 Uhr: Hafen in Mariupol laut Moskau komplett unter russischer Kontrolle

Russlands Armee hat nach eigenen Angaben den Hafen der schwer umkämpften ukrainischen Stadt Mariupol komplett unter ihre Kontrolle gebracht.

Der Handelshafen sei von ukrainischen Asow-Kämpfern "befreit" worden, sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Mittwoch. Die verbliebenen ukrainischen Truppen seien "blockiert und der Möglichkeit beraubt, aus der Einkesselung zu entkommen". Von ukrainischer Seite gab es dafür zunächst keine Bestätigung.

Schon seit Wochen belagern russische Truppen Mariupol, die humanitäre Lage ist katastrophal. Die Metropole am Asowschen Meer, die vor dem Krieg rund 440.000 Einwohner hatte, ist weitgehend zerstört. Wie das ukrainische Militär mitteilte, griffen russische Truppen zuletzt verstärkt auch das Stahlwerk Asowstal an. In dem ausgedehnten Industriekomplex haben sich ukrainische Soldaten verschanzt.

21 Uhr: Mehr als 100 Tote im Gebiet Sumy gefunden

Im nordostukrainischen Gebiet Sumy sind nach dem Abzug russischer Truppen nach offiziellen Angaben mehr als 100 Leichen gefunden worden.

"Leider erhöht sich diese Zahl jeden Tag, denn es werden Körper gefunden - mit gefesselten Händen, mit Folterspuren, mit Kopfschüssen, das sind schreckliche Dinge", sagte der Gouverneur des Gebiets, Dmytro Schywyzkyj, am Mittwoch vor Journalisten. Viele Menschen seien noch vermisst oder in russischer Gefangenschaft.

Zudem würden in Krankenhäusern - auch in Nachbargebieten - noch viele Verletzte behandelt. Die russischen Soldaten hätten bei ihrem Einmarsch wild um sich geschossen, sagte Schywyzkyj. "Das war Terror und Schrecken, den die Russen bei uns in der Region verursachten", sagte der Gebietsvorsteher. Die Menschen hätten sich in Sümpfen, Bauernhöfen und selbst Futtersilos versteckt.

Priorität hätte für die Behörden nun die Wiederherstellung der Gas-, Elektro- und Wasserversorgung in der Region. Vorläufige Schätzungen beziffern die Schäden auf umgerechnet etwa 300 Millionen Euro. Derzeit würden die Eisenbahnverbindungen im Gebiet unter anderem nach Kiew und nach Charkiw wieder aufgenommen.

Ukrainische Soldaten fahren auf einem Panzer von Typ APC auf einer Straßen der Stadt Trostianets. Die russische Seite warf ukrainischen Truppen erneut vor, aus den umkämpften Städten Sumy und Saporischschja fliehende Zivilisten beschossen zu haben.
Ukrainische Soldaten fahren auf einem Panzer von Typ APC auf einer Straßen der Stadt Trostianets. Die russische Seite warf ukrainischen Truppen erneut vor, aus den umkämpften Städten Sumy und Saporischschja fliehende Zivilisten beschossen zu haben.

20.32 Uhr: USA bewilligen weitere 800 Millionen Dollar für Waffen an die Ukraine

Die USA wollen der Ukraine weitere Waffen und Munition im Wert von bis zu 800 Millionen Dollar (740 Millionen Euro) liefern, darunter auch Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge und Hubschrauber.

Die US-Regierung werde die Ukraine auch weiter mit den Fähigkeiten ausstatten, sich zu verteidigen, erklärte US-Präsident Joe Biden (79) am Mittwoch nach einem Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (44).

"Das ukrainische Militär hat die von uns zur Verfügung gestellten Waffen mit vernichtender Wirkung eingesetzt", erklärte Biden. Die Waffenlieferungen der USA und der Verbündeten seien für die Ukraine entscheidend gewesen, um dem russischen Angriff standzuhalten, erklärte er.

"Sie haben dabei geholfen, dass [der russische Präsident Wladimir] Putin mit seinen ursprünglichen Zielen, die Ukraine zu erobern und zu kontrollieren, gescheitert ist", so Biden.

Die neuen Lieferungen sollen die Ukraine demnach insbesondere angesichts des befürchteten russischen Großangriffs im der östlichen Donbass-Region unterstützen.

19.48 Uhr: Russland droht Angriffe auf "Entscheidungszentren" in Kiew an!

Russland hat mit neuen Angriffen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew gedroht - für den Fall, dass die Ukraine weiter russisches Staatsgebiet attackiere.

"Wir sehen Sabotageversuche und Angriffe ukrainischer Truppen auf Objekte auf dem Gebiet der Russischen Föderation", sagte der Sprecher des russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Mittwochabend. "Wenn solche Fälle andauern, werden die Streitkräfte der Russischen Föderation Entscheidungszentren angreifen, auch in Kiew, worauf die russische Armee bislang verzichtet hat."

In den vergangenen Wochen hatte Moskau mehrfach vermeintliche Angriffe ukrainischer Truppen auf grenznahe russische Gebiete beklagt. Anfang April etwa gab es einen Luftangriff auf ein Öllager in der Großstadt Belgorod. Aus der Ukraine gab es damals weder eine Bestätigung noch ein Dementi.

Russland hatte am 24. Februar einen Angriffskrieg gegen das Nachbarland begonnen. In den vergangenen Wochen zogen die russischen Truppen etwa aus der Region um Kiew aber wieder ab, um sich auf Angriffe in der Ostukraine zu konzentrieren.

Kremlchef Wladimir Putin (69).
Kremlchef Wladimir Putin (69).  © Evgeny Biyatov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

19.11 Uhr: Vize-Bürgermeister von Dnipro: Über 1500 tote russische Soldaten geborgen

In der südostukrainischen Großstadt Dnipro sind nach ukrainischen Angaben die Leichen von mehr als 1500 russischen Soldaten geborgen worden.

Sie seien in insgesamt vier verschiedene Leichenhallen gebracht worden, sagte der Vize-Bürgermeister der Industriestadt, Mychajlo Lyssenko, dem US-finanzierten Fernsehsender Nastojaschtscheje Wremja am Mittwoch. Er forderte russische Mütter auf, ihre toten Söhne abzuholen. "Ich möchte sie nicht in Massengräbern beerdigen. Ich möchte sie nicht einäschern", meinte Lyssenko. "Wir sind keine Unmenschen."

Die Angaben konnten zunächst nicht überprüft werden. Nach Darstellung der ukrainischen Armee wurden seit Beginn des russischen Angriffskriegs vor knapp sieben Wochen bereits knapp 20.000 russische Soldaten getötet. Moskau hingegen nennt deutlich geringere Verluste und nannte zuletzt 1351 tote Soldaten in den eigenen Reihen.

19.09 Uhr: Staatschefs von Polen und Baltenstaaten bei Selenskyj

Polens Präsident Andrzej Duda (49) sowie die Staatschefs der drei baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland sind in der Ukraine zu Gesprächen mit Präsident Wolodymyr Selenskyj (44) zusammengetroffen.

Dies teilte das polnische Präsidialamt auf Twitter mit. Die Staatsoberhäupter der vier EU- und Nato-Staaten waren am Mittwoch per Zug in die ukrainische Hauptstadt Kiew gereist. Damit wollten sie ein Zeichen der Unterstützung für die Ukraine in deren Abwehrkampf gegen den russischen Angriff geben.

19.08 Uhr: Baerbock ruft zum internationalen Kampf gegen Ernährungskrise auf

Außenministerin Annalena Baerbock (41, Grüne) hat angesichts des drohenden Getreidemangels als Folge der russischen Invasion in die Ukraine zum Kampf gegen die drohende Ernährungskrise aufgerufen.

"Russlands Krieg wird auf grausame Weise ausgetragen auf den Straßen, den Städten und Dörfern der Ukraine. Aber seine Spuren des Leids reichen bis tief hinein in den globalen Süden", sagte die Grünen-Politikerin am Mittwoch in einer Rede zum Thema Klima und Sicherheit an der Universität in Niamey, der Hauptstadt des westafrikanischen Staates Niger. Nun müsse man sich gemeinsam dem Hunger entgegenstellen.

Die Tatsache, dass in der Ukraine in unmittelbarer Nachbarschaft zu Deutschland ein furchtbarer Krieg tobe, "darf und wird aber auch nicht dazu führen, dass wir uns von den anderen Krisen dieser Welt abwenden", versicherte Baerbock vor den Studenten.

Es sei russische Strategie, "die Not in den ärmsten Ländern der Welt durch Lieferausfälle oder Lieferstopps von Nahrungsmitteln weiter anzuheizen". Deswegen rufe sie die internationalen Partner Deutschlands dringend auf, "die weltweite Ernährungskrise jetzt entschieden und gemeinsam anzugehen".

Außenministerin Annalena Baerbock (41, Grüne).
Außenministerin Annalena Baerbock (41, Grüne).  © Kay Nietfeld/dpa

18.20 Uhr: UNHCR fordert bessere Kontrolle von Gastgebern von Ukrainerinnen

Aus Sorge vor sexueller Ausbeutung weiblicher Flüchtlinge aus der Ukraine hat das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) Großbritannien aufgefordert, private Unterkünfte besser zu kontrollieren.

Die Regierung müsse verhindern, dass Ukrainerinnen bei einzelnen Männern untergebracht werden, sagte ein Sprecher des Flüchtlingshilfswerks der britischen Zeitung Guardian (Mittwoch).

Es gebe zunehmende Berichte, dass Frauen sich von Menschen gefährdet fühlten, die sie mithilfe des britischen Aufnahmeprogramms ins Land holen. Alleinreisende Frauen sowie Frauen mit Kindern müssten in Großbritannien bei Familien und Paaren unterkommen statt bei alleinstehenden Männern.

Titelfoto: Evgeny Biyatov/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa

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